Schlachtung einmal anders.

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  • Servus,


    von einem Freund befragt, wie lange ich für die Schlachtung eines Kaninchens brauche, gab ich rund zwölf Minuten zur Antwort. Freundlich lächelnd wurde erwidert, in der Zeit schaffe ich vier und lud mich ein, mit ihm zu schlachten.


    Ich bin ziemlich gespant gewesen und gestern mit vier Burgundern bei ihm angerückt. Er nahm das erste Tier aus dem Transportkorb, streichelte es, nahm es an den Hinterläufen, setzte einen Handkantenschlag ins Genik und das Tier war - stark blutend aus Maul und Nase - sofort tot. Dann klemmte er sich die Kaninchenhüfte zwischen die Schenkel, zog den Hals lang und durchstach die Blutgefäße. Binnen drei Minuten waren alle Tiere tot und bluteten aus.
    Er nahm das erste Tier am Rückenfell, stach mit dem Messer ein, zerriss mit den Händen das Fell in zwei Teile, stellte sich auf die Vorderläufe und zog den hinteren Teil ab, hängte die Hinterläufe an einem Schlachterhaken auf, zog den vorderen Teil des Felles bis zum Schädel, einige wenige Schnitte und das Kaninchen war komplett abgezogen, die unteren Extremitäten wurden gleich mit abgeschnitten, normaler Gelenkschnitt aber irre fix. Mit dem Rest der Tiere wurde in gleicher Weise verfahren, bis alle vier nebeneinander hingen. Dann Bauchschnitt, Darmschnitt, die heraushängenden Innereien an der Dünndarmbasis abgeschnitten, Tiere waschen, wieder aufhängen, Lebern geprüft und ab ins Kühlhaus. Keine zwölf Minuten waren um.


    Ich muss gestehen, ich war geplättet, sagenhaft. Superschnelle Tötung und eine sehr effiziente, wenn auch zugegeben rustikale Schlachtung.


    Habt Ihr mal Vergleichbares gesehen oder lebe ich einfach nur zu sehr hinterm Berg?


    Gruß


    Thomas

  • Ah, sorry, beim dritten mal lesen hab ichs gefunden. Kopf wird wohl abgeschnitten ...

    Lies noch ein viertes Mal, der Kopf bleibt dran. ;)
    Das Fell wird bis zum Ohrenansatz heruntergezogen, dann folgen zwei Schnitte an der Horchlappenbasis, zwei Schnitte entlang des Kiefers nach unten, ein Zupfer und das Fell ist ab, der Schädel ganzlich unbehaart. Habe ich aber auch nicht deutlich genug geschrieben, Feivel.


    Gruß


    Thomas

  • Ich brauche für den Kopf eine gefühlte Ewigkeit, vor allem aber wegen der Augen

    Hey, ich bin nur fassungsloser Zuschauer gewesen. Niemals würde ich mich trauen, ein Tier per Handkantenschlag zu töten.
    Die Augen sind aber doch "nur" ein beherzter Einstich am Rand der Augenhöhle, ein Rundschnitt zur Durchtrennung des Sehnerves und schon rennt ein Huhn gackernd mit dem Auge davon.


    Gruß


    Thomas

  • Hey, ich bin nur fassungsloser Zuschauer gewesen. Niemals würde ich mich trauen, ein Tier per Handkantenschlag zu töten.
    Die Augen sind aber doch "nur" ein beherzter Einstich am Rand der Augenhöhle, ein Rundschnitt zur Durchtrennung des Sehnerves und schon rennt ein Huhn gackernd mit dem Auge davon.


    Gruß


    Thomas


    Hi,


    ich bin ja noch am lernen, habe noch nicht "meine" Messer und Co., benutze von meinem "Lehrer" die Messer, Bolzenschußapparat ...
    Und mit den Utensilien ist da nix von wegen ein beherzter Einstich ...
    Das artet in Arbeit aus :(
    War am Dienstag während dem ausnehmen schon am überlegen ob ich mir einen Espressolöffel an der Kante schärfe und es damit ausprobiere X(


    Glaube mir hätte einmal zusehen völlig ausgereicht um für mich festzustellen das das nicht meine Methode werden wird ...


    Aber mal flotter beim ausnehmen zu werden wäre nicht schlecht!

  • 8| Ob ich jemals an diesen Punkt kommen werden? :wacko: Ich bin froh dass meine zwei Jungrammler einen Kurzbesuch beim Nachbarn absolvieren. Ich bringe sie flauschig und niedlich rüber und bekomme sie küchenfertig wieder. Alles dazwischen will ich gar nicht wissen...

  • Hallo,


    faszinierend, ja ohne Frage.
    Ich hätte auch sehr interessiert zugeschaut.
    Aber ich lege gar keinen Wert darauf, das Ganze schneller zu absolvieren.
    Da ich nach jedem Tier alles sauber mache, brauche ich alles in allem jeweils 20 Minuten. Aber ich mache es lieber in Ruhe.
    Den Kopf ziehe ich gar nicht ab, den bekommen die Hunde, mitsamt Fell.


    Gruß
    Claudia

    Ich rede nicht schlecht hinter dem Rücken anderer Menschen. Von vorn kann man ihre Reaktionen viel besser erkennen.

  • Moin Kollegen,
    so einen Schlachter soll es bei uns auch geben. Aber schön ist das wohl nicht. Ich brauche alles in allem auch 20 Minuten. Ist aber letztlich egal ob 12, 15 oder 20 Minuten, ist ja Hobby und nicht Akkord


    Also dem was Falko hier sagt kann ich mich nur 100%ig anschließen. Gerade das Schlachten von Kaninchen oder überhaupt die Schlachtkaninchenzucht hat zumindestens bei uns einen immens schlechten Ruf. Der Respekt vor dem lebendigen Tier als auch vorm Schlachtkörper geht vor der Zeitersparnis. Ich kann mir z.B. nicht vorstellen, ein Kaninchen mit einem Handkantenschlag zu töten und mich auf die Vorderläufe zu stellen um ihm das Fell abzuziehen. Ich habe früher einmal im Jahr eine größere Schlachtung durchgeführt. Da haben wir zu dritt zusammengeholfen und ein paar Stunden geschlachtet, abgezogen, ausgenommen und zerlegt, aber trotzdem alles mit Respekt.


    Ein Hundezüchter wollte mir damals etwas für die Köpfe zahlen, aber das Fell über dem Kopf zu ziehen ist eine Tätigkeit bei der ich ein mulmiges Gefühl hatte und habe es deshalb rasch wieder aufgehört.

  • Moin,


    seit geraumer Zeit lese ich mich "durch das Forum" und bin von den vielen fundierten Berichten begeistert. Mit welcher Hingabe Ihr eure Tiere pflegt, euch Gedanken um Verpaarungen macht, die Tiere auf Shows vorbereitet etc. Da werden Pellets abgewogen, zusätzliche Flächen für den Anbau von Grünzeug gepachtet u.v.m.
    Bei der Größe der Boxen werden rigide die Richtlinien verteidigt, kein cm darf fehlen. Kommt das auf Druck von außen ? !!!


    Jegliche Nutztierhaltung geht einher mit Schlachtung, letztendlich ist es dessen Ursprung.


    Jedoch die Schlachtung von Tieren im Rekordtempo wie einem B Movie anzupreisen, ist mit der gängigen Ethik und dem Tierschutzrecht nicht vereinbar.


    Damit ruft ihr (und das zu Recht) die militanten Gegner jeglicher Tierhaltung auf den Plan. Bei der Boxengrösse wurde offensichtlich schon Druck ausgeübt.


    Ich komme aus der Vogelzucht, dort musste man in den letzten Jahren schmerzhaft erfahren, welche Folgen die Konfrontation mit dieser mächtigen "Tierschutzlobby" hat.


    Also nichts für ungut, aber vielleicht regt mein Beitrag zum umdenken an.


    Grüße
    Thomas

  • Hallo,
    ich finde es erstaunlich wieviel Zeit man sparen kann wenn man mal die richtigen Handgriffe gezeigt bekommt. Schnelligkeit hat nichts mit mangelndem Respekt zu tun. Das kommt mMn z.B. beim Umgang mit Essensresten viel deutlicher zum Vorschein als bei der Zubereitung. Was mich stört ist die Tötungsart, die so einfach nicht regelkonform ist. Beim Abziehen des Felles arbeite ich inzwischen auch mehr mit den Händen als mit dem Messer, was spricht dagegen. Mich stört wenn alles verniedlicht und vermenschlicht wird. Schlachten ist Töten zur Nahrungsmittelproduktion, also mal Töten mit Sinn! Und schließlich macht Schlachten auch Arbeit, die zu unserem Hobby dazugehört, obwohl es sicher der unangenehmere Teil davon ist. Das Tier bzw. den Schlachtkörper als hochwertiges Lebensmittel zu sehen ist meine Art von Respekt.


    Gruß Klemens

  • Hallo,


    an und für sich hab' ich nichts gegen das Schlachten, zum hier genannten Beispiel fiel mir folgende Schlagzeile, die ich nie sehen möchte, ein: "Zücher erledigt Kaninchen in Kung-Fu-Manier!" Ich find' es nicht richtig; das Tierschutzgesetz macht zwar keine Aussage zur Betäubung, aber der wie beschrieben sofort einsetzende Tod spricht eindeutig gegen die im Gesetz erwähnte Methode.


    Ich brauche für ein Kaninchen beim Einsatz von Bolzenschußgerät mit anschließendem Blutentzug zwischen drei und vier Minuten. Als Wettbewerb habe ich es nie gesehen; meistens schlachte ich sechs, diese werden im Kühlschrank gekühlt und anschließend zerlegt. Bei Alttieren, vor allem bei mehrjährigen Rammlern geht's übrigens nicht ohne Messer!


    MfG Manfred

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