Nachgefragt: Kot-Klumpen am Hinterteil

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  • Hallo Forum & Kaninchen-Experten,


    ich habe mich hier angemeldet, weil ich einen dringenden Rat brauche.
    Ich bitte Euch, das Ihr einmal den Zustand des Kleinen anschaut.

    Der Kleine ist etwa 5 Wochen alt und das Muttertier ist vor etwa 2 Wochen gestorben.



    Ohne Hinweis überseht Ihr vielleicht was gemeint ist, bitte beachtet in den Videos Folgendes:

    • Das Fell unter dem Hals und auf der Brust ist komplett ausgerissen.
    • Auch um den Hals und teilweise am Bauch bei den Hinterläufen fehlt teilweise Fell.


    Da die Stellen im laufenden Video nicht so gut zu erkennen sind, habe ich zusätzlich noch "Standfotos" gemacht. Schaut Euch diese bitte ergänzend im Anhang an. Danke!



    Video 01 (Youtube):



    Video 02 (Youtube):





    Hintergrund zu meiner Anfrage

    (Unten findet Ihr Infos zur bisherigen Haltung der Tiere ...)

    Mein Nachbar hält sich im Hof unseres Mietshauses Kaninchen (Großstadt Berlin).
    Vor 3 Jahren fing er damit an.

    Ich fand seine Motivation der "Selbstversorgung" zunächst sympatisch und nachvollziehabar. Bauchschmerzen hatte ich, weil die Tiere niemals Auslauf haben und der Nachbar eher ein "verschrobener" und etwas gröberer Typ ist.

    Da wir eigentlich ein gutes und unbelastetes Verhältnis haben, habe ich das auch offen mit ihm besprochen.

    Für Euch vorab zur Info: Es geht hier NICHT um einen Nachbarschaftsstreit.
    Dennoch denke ich, die Tierhaltung ist mittlerweile kritisch zu bewerten


    Nun hoffe ich Eurerseits auf fachkundige Argumente, die mit dem Nachbarn zu besprechen sind.

    Vielen Dank!




    1) Versorgung der Tiere:

    Da er selber als Rentner kein großes Einkommen hat, pflückt er sich Grünzeug in der Nachbarschaft oder sammelt sich Salate/Blattgrün bei den umliegenden Supermärkten.

    Echtes Gemüse (Kohlrabi, Karotten, etc) sieht man eher selten.

    Eine Fütterung mit zusätzlichen Pellets oä findet meiner Beobachtung nach nicht statt.




    2) Verlauf der Tierhaltung bisher:

    Bereits im letzten Jahr sind ihm sämtliche Jungtiere verelendet.
    Die Mutter ist zunächst gestorben, in den Tagen darauf Nachwuchs, der etwa 8 Wochen alt war. Ein paar weitere Wochen später ist auch der (recht alte) Vater verlendet.

    Die Alttiere (inkl. Vater) wiesen unter dem Hals eine starke "Mauser" auf, dh Fell war ausgerissen.

    Insgesamt waren die Tiere in keinem guten Zustand.
    Sie waren zwar nicht verkotet/verwahrlost, aber eben schwächlich, wirkten ungesund und im "Dämmerzustand".




    3) Aktueller Fall:

    Dieses Jahr mit neuen Alttieren gab es einen Wurf von 5 oder 6 Tieren.
    Das war vor etwa 5 Wochen.
    Nur noch ein Jungtier ist übrig, die anderen Jungtiere sind erneut verstorben.
    Auch das Muttertier ist ihm wieder weggestorben.

  • Hallo Martin,

    dass diese Tier in einem desolaten Zustand ist und wahrscheinlich nichtb überleben wird, hast du dir bestimmt auch schon gedacht.


    Auslauf, Kohlrabi und Möhren würden dies aber auch kaum ändern.


    Ich meine auf den Video und Bildern zu erkennen, dass das Tier sich nicht mehr "normal bewegt" und einen aufgeblähten Bauch hat.


    Die Fütterung von Salat und Kohlblättern kann damit zu tun haben, ich vermute aber dass da auch Coccidiose hineinspielt, wenn nicht Enterecolitis. Gegen Gras und Klee (nicht gerade vom Straßenrand wo Hunde hinsch....) spricht nichts.


    Das würde nach meiner Meinung auch das Sterben der Elterntiere klären.


    Ausreichend Heu wäre wohl wichtig, einergetisches Futter (nicht unbedingt Pellets, vielleicht Strukturfutter) würden vielleicht etwas helfen.


    Die Fehlenden Haare ließen mich Parasiten wie Milben vermuten.


    Vielleicht würde ein Tierarztbesuch noch helfen, ich vermute aber eher, dass dies vergebene Liebesmüh ist.


    Mein Fazit: Wahrscheinlich waren die Elterntiere schon Träger von Krankheiten und haben diese an die Jungtiere weiter gegeben, durch die falsche Ernährung (die aber nicht so aussieht, wie du meintest) wurde alles noch verschärt.


    Tipp: Wenn du Schafgarbe in der Nähe hast, versuch mal, ob der kleine die frisst oder auch Eichenzweige. Beide kostet nichts, ethält Gerbsäure und könnte den kleinem helfen.


    LG Kai

    Fehler machen ist menschlich,
    dazu stehen zeugt von Größe,
    wer sie nur bei Anderen sucht, tut mir nur Leid.

  • Hallo Kai,


    vielen Dank für Deine Erklärungen und Infos!


    Bei einer Kurzrecherche bin ich ebenfalls schon auf das Thema "Coccidiose" gestossen.

    Das scheint ja eines der Standard-Probleme/Gefahren bei kleinen Privatzüchtungen zu sein.


    Und es past auch in diesem Fall, da der Nachbar die Elterntiere teilweise aus Angeboten vom Kleinanzigen-Markt zugkauft hat (Einschleppung).


    Der andere Punkt ist: Auch mitten in Berlin haben wir hier einige Wildtiere (Marder, Füchse, Wildschweine) die sich entlang der grünen Spree-Kanäle bis in zentrale Stadtteile vorwagen. Der Stall aus einfachen Holzboxen ist zwar vergittert, steht aber ansonsten frei bei uns im Hinterhof.

    Das Problem:
    Mein Nachbar ist nicht der Typ der für die Tiere Geld ausgeben wird. Eine Untersuchung oder Behandlung durch einen Tierarzt ist daher nicht zu erwarten.

    Sein Standpunkt: "Das ist der Lauf der Natur".

    Und da musste ich heute wirklich konfrontativ widersprechen, denn ich halte das Sterben des kompletten Nachwuchses im 2ten Jahr in Reihe eben nicht für "natürlich", sondern eher für Nachlässigkeit und Unkenntnis.

    Ich werde mal schauen, wie es weitergeht...
    .
    Die Info zur "Coccidiose" und die Empfehlung einen Tierarzt hinzuziehen, werde ich dennoch weitergeben. Zur angesprochenen Futter-Ergänzung werde ich mich selber auch nochmal schlau machen.


    Es geht ja nicht nur um das eine Jungtier jetzt, er wird ja mit der Haltung (neuer) Tiere sehr warscheinlich weitermachen wollen.


    .

    Nochmals vielen Dank & schönen Abend!

  • Es kann auch eine Mangelerscheinung sein, so wie das Tier aussieht. Ich halte es aber für ein sekundäres Problem. Erst Mal das Tier wieder fit bekommen, wenn es überhaupt noch geht. LG Kai

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  • Hallo,


    bei Pilzbefall ist der Haarausfall kreisförmig und zumeist klar abgegrenzt. So wie ein Pilz nun einmal wächst.

    Über die Ursache kann man nur spekulieren. Möglicherweise gibt es dort auch scharfe Kanten, an denen sich das Fell abnutzt.

    Ich sehe es wie Kai, der Haarausfall ist ein sekundäres Problem.

    Das Tier ist in keinem guten Allgemeinzustand und müsste wieder aufgebaut werden.


    Gruß

    Claudia

    Ich rede nicht schlecht hinter dem Rücken anderer Menschen. Von vorn kann man ihre Reaktionen viel besser erkennen.

  • Hallo an Euch ...


    MSH  Kleinwidder  ClaudiaD  MichaelM  Kai


    ... und Danke für Euer Feedback!


    Ich habe nach Kais erster Nachricht vom Montag und weiterer Recherche gleich am nächsten Morgen mit einer Tierärztin hier im Bezirk telefoniert (Dienstag).


    Sie hat Eure Warnungen nur bestätigen können:

    1. aufgrund der hohen Sterberate in 2 aufeinanderfogenden Jahren muss auf eine Infektionskrankheit untersucht werden.
    2. der Haar-/Fellausfall sei eher ein Zeichen für parasitären Befall. Das alternativ vermutete "Fellausreissen" als Symptom von psychischen Stress stellt sich erfahrungsgemäß erst bei älteren Tieren ein, nicht aber schon so früh nach wenigen Wochen beim Jungtier.


    Daraufhin habe ich zusätzlich mit dem Tierheim/Tierschutz-Berlin telefoniert und den Verdacht ein weiteres Mal bestätigen lassen.



    Letzte Chance:
    Den Nachbar habe ich am selben Vormittag erneut angesprochen, Telefonnummer der Tierärztin und die erfragten Preise notiert, und Infos zu Kokzidien, RHD, Impfung, Käfigdesinfektion, usw ausgedruckt...

    Er hat das alles weggelacht, ich hätte keine Ahnung und solle mich nicht in seine Privatangelegenheiten einmischen...

    Nun ja. Da hat er sich verrechnet.

    Natürlich mische ich mich ein ... und bespreche das alles erneut mit dem Tierschutz:


    An nächsten Tag (Mittwoch) stand deren Team auf dem Innenhof, hat sich die Ställe angeschaut, ihn ins Gespräch genommen und eine Untersuchung durch den Tierarzt eingefordert. (Angekündigte Nachkontrolle hierfür am Freitag)



    Ergebnis:

    Das Jungtier war am Donnerstag Abend oder Freitag vormittag bereits verschwunden.
    Der Hase/Bock ist noch vor Ort.
    Aus Hofgesprächen habe ich bereits gehört, dass der Nachbar die Ställe abbauen will...



    Wermutstropfen:
    1) Ich hatte leider keinen Einfluß mehr darauf, wohin er das Jungtier gebracht hat. Ich vermute zu jenem "Bekannten", von dem er zuvor schon einen Teil der Alttiere bekommen hat.


    2) Der Nachbar hat sich somit auch dem Vefahren gegenüber dem Tierschutz-Berlin entzogen. Die Tiere wurden aller Wahrscheinlichkeit nach nicht vom Tierarzt untersucht.


    Er stellte nicht nur meine, sondern völlig stur und blockiert auch die fachliche Einschätzung der Mitarbeiter des Tierschutzes in Frage - obwohl der Zustand des Jungtieres wie oben gezeigt ganz *offensichtlich* nicht in Ordnung war.



    PS: Ich muss ein dickes Lob an das Tierheim/den Tierschutz Berlin aussprechen. Die haben freundlich, geduldig, sehr kompetent und zügig auf meine telefonischen Anfragen und die Situation insgesamt reagiert.

  • MartinGroenert

    Hat den Titel des Themas von „Bitte um Rat // nicht artgerechte Haltung // Kranke Tiere“ zu „Nachgefragt: Kot-Klumpen am Hinterteil“ geändert.
  • Hallo nochmal Forum,


    ich habe bisher ja nur zu dem Jungtier nachgefragt.
    Ich hätte nun auch nochmal eine Nachfrage zu dem Alttier:

    Als ich letzte Woche Montag den Halter zu den Tieren befragt habe, habe ich ihn auch auf den verkoteten Althasen hingewiesen.


    Die Tierärztin im Telefongespräch am Dienstag meinte, das könnte auch ganz normal sein, da Hasen/Kaninchen ihren Kot auch erneut verzehren. (solange die Verschmutzung nicht durchfallartig und verschmiert ist).


    Sie hat aber nicht die Bilder gesehen, sondern konnte sich nur auf meine (laienhafte) Beschreibung am Telefon verlassen.

    Darum die Frage an Euch:

    Ist dieser Kotklumpen am Hinterteil normal?

    Das waren mehrere "lehmartige", kleine, feste Knollen die fest mit dem Fell verpappt zusammengeklumpt waren..

    Ist es auch normal, das die Tiere den Kot einfach solange - fast eine ganze Woche - ignorieren und sich nicht doch irgendwann putzen?


    Wichtig:

    Die ersten zwei Bilder entstanden am vergangen Montag (15.06.), das letzte, dritte Bild heute am Sonntag (21.06).


    Vielen Dank für Eure EInschätzung!


    Bild 1A - Montag, 15.06.:



    Bild 1B - Montag, 15.06.:




    Bild 2 - Sonntag, 21.06.:

  • Je nachdem wie fest es ist, mit Wasser einweichen und entfernen. Wenn es zu groß ist, ein Teil vorsichtig Stück für Stück runter schneiden. Die mögen allerdings beides nicht. Ein Zuchtkollege meinte das mal einfach abzoehen zu müssen. Würde ich aber nicht empfehlen, denn das macht Schmerzen und im Zweifel reißt die Haut mit ein.

  • Lieben Dank zwergloh ,


    hast Du noch eine Empfehlung zum zeitlichen Rahmen?
    Ist das OK, das man das als Halter 1 Woche nicht behandelt?


    Ohne das Thema unnötig auszuweiten:
    Ich habe eben parallel auch nachgelesen, das man das relativ schnell machen sollte, vor allem im Sommer, um einen Befall durch Fliegenmaden vorzubeugen...

    Nochmals Danke!

  • Alles klar zwergloh ... danke schön!

    Wen das Thema "Befall von Fliegenmaden" (Myiasis) interessiert:


    Fliegen legen ihre Eier in den Kotansammlungen beziehungsweise den Taschen zwischen Kotverklumpung, Fell und Tierkörper ab.


    Die schlüpfenden Maden greifen dann das Tier an und ziehen weiter in die Genital-/Körperöffnungen.


    Bei Kaninchen scheinen die Drüsentaschen am After bevorzugtes Ziel zu sein.


    Fliegenmaden bei Kaninchen:
    https://www.kaninchenwiese.de/pflege/

    (Betrffender Abschnitt ungefähr in der Mitte der Seite)




    .

  • Hallo Martin,


    es kommt auch ein bisschen auf die Konsistenz des Kots an.

    Wenn der Kot bereits getrocknet ist und am Fell klebt, interessieren sich Fliegen nicht mehr so sehr dafür.

    Falls das aber durchfälliger und feuchter Kot ist, der in dem Fall zudem meist auffällig riecht (wie zwergloh bereits anmerkte), kann das u.U. sehr schnell gehen, das stimmt.


    Säubern sollte man es aber in jedem Fall. Notfalls vorsichtig herausschneiden.

    V.a. wenn großflächig alles verklebt ist und Genitalien verdreckt. Kann ich auf den Bildern nicht gut erkennen.

    Kann oder sollte man ggf. in mehreren "Sitzungen" machen.


    Kaninchen verzehren im Übrigen nicht diesen Kot, der anscheinend am Tier klebt, sondern den sog. Blinddarmkot, der anders aussieht.


    Gruß

    Claudia

    Ich rede nicht schlecht hinter dem Rücken anderer Menschen. Von vorn kann man ihre Reaktionen viel besser erkennen.

  • Hallo und vielen Dank ClaudiaD


    Ja, jetzt habe ich auch danach nochmals recherchiert, ich bekomme von Euch ja die richtigen Stichworte:


    Blinddarmkot:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Caecotrophie

    Und in der Tat, die Tiere nehmen diesen quasi sofort nach dem Ausscheiden direkt vom After auf.
    Der liegt also nicht erst über Zeiträume offen herum.

    Ich verstehe nun auch, das die Bilder oben einen ziemlich sorglosen Umgang durch den Halter dokumentieren:


    - die Kaninchen brauchen den Blinddarm-Kot

    - das verklebte Hinterteil erlaubt nicht das natürliche Ernährungs-Verhalten

    - das einmal verklebte und nicht gereinigte Hinterteil sorgt im Gegenteil für eine zunehmende, weitere Verkotung


    (persönliches) Fazit zum Halter:

    Wer das Kaninchen über längere Zeiträume derartig sich selbst überlässt, hat anscheinend keine ausreichenden Kenntnisse über das Verhalten des Tieres :-(


    .

  • Hallo Martin,

    ganz nebenbei bei gesunden Tieren gibt es keinen verklebten After.

    Bei Jungtieren in Futterumstellung kann das mal vorkommen, aber nicht bei Alttieren.

    Ich sehe da meine Meinung zur Cocidiose bestätigt.


    LG Kai

    Fehler machen ist menschlich,
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    wer sie nur bei Anderen sucht, tut mir nur Leid.

  • ... bei gesunden Tieren gibt es keinen verklebten After.
    Ich sehe da meine Meinung zur Cocidiose bestätigt.


    Hallo Kai ... alles klar, das ist ein wertvoller Hinweis für mich als Laie.

    Allerdings, wie bereits geschrieben:

    Eine Bewertung hängt inzwischen nicht mehr von mir ab, weil der Tierschutz viel besser die fachliche Einordnung leisten kann und den Halter in die Verantwortung nehmen wird.

    Der blockiert inzwischen komplett.
    Er reagiert nicht mehr auf die Kontaktversuche deren Mitarbeiter und hat das kleine Jungtier ganz bewusst vom Hof entfernt. Er wollte sich damit offensichtlich der angekündigten Nachkontrolle entziehen.


    Ich hatte anfangs noch Zweifel, ob man das nicht ohne diese Eskalation hätte klären sollen. Aber je mehr ich mich damit auseinandersetze wird mir klar:


    Hier wäre es mit einem "Schuß vorn Bug" nicht getan.

    Mein Nachbar hat offenbar keinerlei Ahnung was er da überhaupt macht.
    Und es ist nur gut, wenn dem Ganzen nun ein konsequentes Ende gesetzt wird.


    .

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