Angoraschur, mit Bedacht, aber kein Hexenwerk

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  • Als ich 2013 mit der Zucht von Zwergwidder-Angora anfing, war ich noch unwissend, wie man Angora schert.


    Meine größte Sorge war, ob ich den zeitlichen Aufwand den die Schur bedeutet, überhaupt schaffen konnte und ich hatte auch Angst meine Tiere zu verletzen.


    Also musste ich erst einmal lernen und benötigte Ratschläge.


    Zum Glück war die damalige Angorazüchterin Marion Rädnitz bereit mich in die „Geheimnisse der Angoraschur“ einzuführen. Sie hat meine ersten Tiere geschoren und ich konnte von ihr lernen.


    Nach und nach sammelte ich dann meine eigenen Erfahrungen, bekam Ratschläge anderer Züchter und habe „meinen Weg“ für die Schur der Zwergwidder-Angora gefunden.


    Dauerte es am Anfang noch eine Stunde ein Tier zu scheren, konnte ich durch Routine und Weiterentwicklung diese Zeit auf 10- 15 Minuten optimieren. Dies ist auch für die Tiere angenehmer, wenn ich nicht so lange an ihnen „rumfummeln“ muss.


    Wichtig ist wie bei allen Arbeiten das richtige Handwerkszeug. In diesem Fall sind das die Schermaschinen. Es soll Zuchtfreunde geben, die ihre Tiere mit der Schere scheren, dies ist nicht mein Fall und gerade wenn man viele Tiere zu scheren hat, belastet dies auch die Handgelenke.


    Somit habe ich mir schon früh die erste Schermaschine gekauft. Meine Wahl fiel auf die „Moser Arco“, eine kleine, handliche Schermaschine die mit Akku betrieben wird. Als es noch wenige Tiere waren die „nackig gemacht“ werden mussten hat diese Maschine völlig ausgereicht. Der Tipp von Kerstin Rump, diese Maschine mit einem „Diamond Blad Scherkopf“ auszurüsten, machte die Schur noch wesentlich einfacher und steigerte die Langlebigkeit der Scherköpfe.


    Als die Anzahl der Tiere stieg, musste auch die Leistungsfähigkeit des „Schurparks“ gesteigert werden. Wie wohl fast alle Züchter von Angorakaninchen schaffte ich mit dann auch eine Aesculap Favorita II an und musste einige Zeit testen welche Scherköpfe für die ZwwA die geeignetsten sind.


    In der Zwischenzeit verwende ich fast nur noch den Scherkopf GT 736/1 der sich als Allroundmodell für meine Tiere eignet. Mit diesem schere ich die Tiere sowohl am Rücken, an den Flanken, der Brust und teilweise auch auf der Unterseite. An Läufen und „Intimzone“ wird aber immer noch die Moser eingesetzt.


    Bei der eigentlichen Schur ist es wichtig selbst ruhig zu bleiben, dies überträgt sich dann auch auf die Tiere. Mich verwundert es immer wieder, wie ruhig selbst die Jungtiere bei der ersten Schur bleiben. Sollte ein Tier einmal unruhig werden, wir eine kleine Pause eingelegt.


    Ich setze die Tiere erst einmal auf den Tisch und gebe ihnen Zeit sich daran zu gewöhnen, gerade bei der Jungtierschur kann es nicht schaden die Schermaschine laufend mit auf den Tisch zu legen, damit das Tier sich an die Geräusche gewöhnt. Noch eine kleine Streicheleinheit und die Schur kann beginnen.


    Ich weiß, dass viele alte Angorazüchterin „gegen den Strich“ scheren, dies klappt bei mir nicht so gut. Deswegen schere ich „mit dem Strich“. Die erste Schurreihe beginnt bei mir am Kopf, über die Krone und Rücken bis hin zur Blume. Es kann nicht schaden dabei den Scherkopf öfter ein wenig zurück zu führen, um so dichter kann man an der Fellhaut schneiden.


    Anschließend werden beide Flanken geschoren, immer von Kopf Richtung Blume.


    Nachdem der Körper soweit geschoren ist, schere ich die Brust der Tiere. Hierbei schere ich zuerst von beiden Seiten zur Mitte der Brust und noch einmal vom Kinn über die Brust, bis hin zu den Vorderläufen. An dieser Stelle wechsele ich nun oft zur Moser und schere Ohren und Kopf ein wenig nach. Wichtig ist es nicht die Spürhaare abzuschneiden, diese hält man zur Seite um die anderen Haare schneiden zu können. Viele Zuchtfreunde verwende für diese Problemzone auch eine Schere.


    Nachdem nun die Oberseite die Tiere geschoren ist, sind Bauch und Läufe dran.


    Hierzu lege ich meine Tiere zwischen meine Oberschenkel auf dem Rücken. Ein Zuchtfreund hat mir vor Jahrzehnten gezeigt, dass er auf diese Art die Krallen seiner Tiere schneidet. Ich habe festgestellt, dass es für die Angoraschur ebenso gut geht. Die Tiere bleiben entspannt liegen, ich habe beide Hände frei und kann in Ruhe arbeiten.


    Am Bauch beginne ich meist wieder mit der Aesculap die Tiere zu scheren, besonders bei Häsinnen schere ich nicht bis auf den Haarboden. Zwar ist der Scherkopf recht fein und die Gefahr die Zitzen zu verletzen ist sehr gering, aber lieber ein paar Millimeter mehr stehen lassen und mehr Sicherheit haben.


    Auch am Bauch schere ich mit der Strichrichtung von den Vorderläufen zu den Hinterläufen. Auch die Unterseite der Hinterläufe lässt sich bei der hohen Felldichte gut mit der Aesculap scheren.


    Für den Rest der Läufe und der Blume verwende ich wieder die handlichere Moser mit dem feineren Scherkopf.


    Nachdem die Tiere fertig geschoren sind, kann es nicht schaden, diese noch einmal mit einer feinen Bürste zu striegeln. Anschließend putzen sich die Tiere meist noch im Stall. Ich habe immer wieder das Gefühl, dass die Tiere nach der Schur wesentlich vitaler sind und sich anscheinend freuen den dicken Pelz los zu sein.


    Bei den Zwergwidder-Angora halte ich in der Zwischenzeit eine Schurintervall von ca. 70 Tagen ein.


    Dieser wird natürlich den Witterungsbedingen angepasst, bei hohen Temperaturen werden die Tiere wesentlich eher geschoren. Ich habe zwar noch kein Tier durch Hitzestau verloren, aber man sollte so etwas nicht herausfordern. Bei feuchter Witterung, fangen die Tiere manchmal vor dem Schurtermin an zu filzen, auch dann muss der Schurtermin vorgezogen werden. In den kalten Monaten schere ich die Tiere immer so, dass noch ein wenig Haar stehen bleibt, damit die Tiere nicht auskühlen.


    Ich kann Allen die zwar Interesse an Tieren mit Angora-Gen haben, sich aber wegen der Schur noch nicht getraut haben eine solche Rasse zu züchten raten, es einmal auszuprobieren. Gerne würden wohl alle Züchter sowohl von Angorakaninchen als auch der Zwergwidder-Angora weitere Zuchtfreunde in ihren Reihen begrüßen können. Gerne werden wohl die „erfahrenen Hasen“ mit Rat und Tat zur Seite stehen und helfen die Angorazucht und -schur zu erlernen.


    Ich hoffe, dass eine Zulassung der Zwergwidder-Angora nun auch bald geschieht und wir somit das Angora-Gen durch eine weitere Rasse in seinem Bestand sichern können.

    Bleibt noch die Frage, was macht man mit der Wolle?


    Ich gebe zu für mich persönlich hat diese keinen hohen Wert, mich interessieren mehr sie Tiere. Aber neben der herkömmlichen Verwendung zum Spinnen und Stricken, kann man mit Angorawolle auch noch Filzen, Seifen herstellen und selbst als Ersatz von Hornspänen zur Pflanzendüngung ist sie geeignet.



    Text: Kai Sander

    Bilder: Kerstin Rump, Carolin Taborsky; Kai Sander



    Fehler machen ist menschlich,
    dazu stehen zeugt von Größe,
    wer sie nur bei Anderen sucht, tut mir nur Leid.

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