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    Wie man am Samstagmorgen schon im Rkz-Forum lesen konnte machten sich einige Forenmitglieder zu Nachtschlafender Zeit um 05:17 Uhr schon voller Erwartung auf den Weg zum Rallye Hotel Sander. Kai begrüßte schon um kurz nach acht die ersten teilnehmenden Tiere von Thomas, kurz darauf kam auch schon Martin. Nachdem die Tiere gut untergebracht waren machte sich Thomas auf den Weg zu Ursula und Bernd Schnecke um hier ein neues Highlight für die LV Seiten zu erarbeiten. Kai und Martin nutzten die verbleibende Zeit um in Kais Stall über Mantelschecken und den Standard zu diskutieren.

    Gegen 13:00 Uhr machten wir uns auf den Weg zu Familie Vogel in Knetterheide, dort trafen wir dann auch die anderen Forenmitglieder Ursula, Tatjana, Kirstin, Johann, Tobias, Alex, und Andre, zu unserer Freude waren alle Mannschaftsteilnehmer pünktlich und gut in Knetterheide angekommen, übrigens hatte wohl die weiteste Anreise Tobias von rund 300 Km.
    Es trafen sich nun bei relativ durchwachsenem Wetter ca.: 50 oder auch mehr Zuchtfreunde die es auf insgesamt 20 Mannschaften mit jeweils 10 Tieren brachten. Jetzt hatten wir realisiert das die Forenmannschaften aus sehr vielen Exoten bestand die relativ Wahllos und nach gutem Gefühl von Kai zusammengestellt wurden doch einigten wir uns zunächst darauf „ Dabei sein ist alles“

    Kurz nach 14:00 wurde es dann auch ernst, es ging los, nach anfänglicher Hektik und fehlendem durchblick hatten wir dann auch nach der ersten viertel stunde den Durch- bzw. Überblick zum Ablauf der Rallye. Die Bewertungen liefen relativ zügig, man konnte den aktuellen Stand immer an den zeitnah aktualisierten Tafeln sehen, wie welche Mannschaft zum Zeitpunkt in den Punkten war, an den Tafeln entstand so auch immer eine Menge Disskusionsstoff, sowie ein hoffen und bangen.
    Gegen 18:00 wurden dann auch schon die Preise vergeben. Die beiden Forenmanschaften schafften trotz der unbekannten Tierqualität und der Exoten einen guten 13. und 15. Platz.
    Leider konnten nur die ersten zwölf Plätze mit Preisgeldern bedient werden, so blieb dann doch nichts für das Forum hängen, doch das wichtigste an der Rallye, war der Spaßfaktor und der war bei 100% und vor allen Dingen weiß ich jetzt, wie manche virtuelle Gegenüber in Natura aussehen.

    Zum gemütlichen Teil kann ich nur soviel sagen, der durfte nicht fehlen hier trafen wir uns alle am Abend in einer Gaststätte in Lemgo und hatten hier auch absolut keine Langeweile.
    Es wurde gut gegessen und viel gelacht... Tobias „Du hast wirklich was verpasst“

    Ich möchte mich nun noch mal im Namen der Forenmannschaften ganz herzlich für die gute Organisation bei der Familie Sander bedanken. Ach übrigens nächstes Jahr sind wir wieder dabei und greifen an...

    Nachfolgend nun einige Bilder.

    Kai und Ursula bei der Eröffnung der 8.lippischen Jungtierrally
    Tobias und Martin bei der Vergabe der Starnummern der Forentiere
    Der Preisrichtertisch Kirsten als Zuträgerin für ihren Verein
    Ausstellungsleiter Kai hatte immer den Überblick Tatjana und Johann
    Forenmitglieder im Gespräch Tatjana mit einem hochbewerteten Holländer
    Auch Preisrichter brauchen mal Pause
    Tobias mit den wertvollen Forenkaninchen Alex, Kirsten und Johann bei den Tieren von Tatjana
    Zufriedene Ursula Martin immer auf der Höhe der Bewertungen
    Tobias bei der Bewertung seiner Zwergwidder Zum Schluss halfen die Forenmitglieder noch beim Abbau der Pavillione damit alle schnell zur Fete kamen.
    Und so sah es dann aus. Alex sein 15 Bierchen ... und sein zweites Schnitzel.
    Angeregte Unterhaltung zwischen Tatjana und Birgit .... Andre und Kai
    Bis zum nächsten Forenevent
    Kai wie viel Bier hattest hier eigentlich schon ?

    Das Ergebnis:

    Mannschaft I

    1,0 Holländer jap.frb/w W56 3,5,3 sg6
    1,0 Holländer chin.frb/w W56 3,5,1 sg6
    0,1 Zww wild-/hasengrau P120 3,5,4 sg3
    1,0 Zww weiß RA P120 3,5,1 sg4
    1,0 Dklw blau-weiß R236 1,5,5 sg6
    1,0 Dklw blau R236 1,5,6 sg4
    0,1 Dklw blau-weiß W147 2,5,2 sg6
    1,0 WZww thüringerfrb. W532 3,5,22 sg6
    1,0 Neuseeländer, rot W555 2,5,7 sg6
    1,0 Dklw blau-weiß W147 3,5,14 sg6
    64/46

    Mannschaft II

    1,0 DklW rot-weiß W555 2,5,2 sg6
    0,1 DklW rot-weiß W555 2,5,8 sg4
    0,1 ZwW weiß RA P120 3,5,4 sg5
    1,0 Holländer, jap.frb. W56 3,5,5 sg7
    0,1 Holländer, chin.frb. W56 3,5,5 sg7
    0,1 DW rot-weiß W555 1,5,2 sg5
    0,1 Zww thüringer frb. W532 2,5,15 sg6
    0,1 MW gelb W147 2,5,3 sg5
    0,1 DklW wild-/hasengrau W504 2,5,21 sg5
    0,1 Zww wild-/hasengrau P120 2,5,2 sg4
    64/46





    Euer RKZ-Team

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    Rasse des Monats:

    Hasenkaninchen

    Erstellt von Helge Hill

    Eine besonders eindrucksvolle Rasse sind die Hasenkaninchen. Sie stammen von den belgischen Landkaninchen ab. Unter denen sich wahrscheinlich auch Verwandte des hasengrauen Riesen befanden. Mit dem Feldhasen haben sie außer dem Namen nichts gemein, schon allein deshalb, weil sich Hasen mit Kaninchen nicht verpaaren lassen. Der Name erklärt sich daraus, dass ihre Körper hasenähnlich aussehen, auch wenn er - rein anatomisch gesehen - die Skelettformen des Kaninchenkörpers aufweist. Das Ursprungsland der Rasse des Monats ist Belgien, aber erst in England wurde es zu einem Aufsehen erregenden Sportkaninchen mit ebenso hervorragenden wirtschaftlichen Qualitäten erzüchte. Die Hasenkaninchen wurden erstmals von Dr. F. Poppe kurz vor der Jahrhundertwende von England eingeführt. Er züchtete die Rasse und stellte sie im November 1900 zur Schau, wodurch er ihr viele Freunde auch bei uns gewann. Für diese lebhafte Rasse sind geräumige Käfige erwünscht denn die Tiere springen gerne herum, was für eine gute Entwicklung vorteilhaft ist. Vor allem ist in der Zucht auf die langen Vorderläufen und die entsprechend gebauten Hinterläufen zu achten, welche das Rassemerkmal der hohen Stellung erst begünstigen. Damit das Kaninchen auch auf der Ausstellung seine Hasenstellung zeigt, muss man sich viel mit ihm beschäftigen. Denn zutrauliche Tiere benehmen sich gutartig und gehen dann auch auf die Hilfen des Preisrichters ein, die er gibt, um die Stellung zu prüfen. Bis zu einem gewissen Grad kann man die Hasenkaninchen dressieren. Man setzt die Tiere auf einen mit Stoff bespannten Tisch, streichelt sie und hebt die Vorderhand durch sanften Zug an den Ohrspitzen nach oben, so dass die Vorderläufe ein wenig frei schweben. Die andere Hand erfasst einen der Vorderläufe und streicht ihn mehrmals von dem Schultergelenk aus nach unten. Hierdurch streckt er sich und tritt besser auf. Diese leichte Streckung, die keinerlei Schmerzen verursacht, wird bei dem anderen Vorderlauf in der gleichen Weise erreicht.

    HasenkaninchenHasenkaninchen

    Aussehen des Hasenkaninchen

    Das Hasenkaninchen ist mit langgestrecktem und schnittigem Körper zu beschreiben. Die dünnen Läufe sind lang und feingliedrig. Sie müssen in Harmonie zum übrigen Körper stehen. Die Vorderläufe werden vom Ellenbogen bis zu den Zehen gemessen und haben in der Regel eine Länge von mindestens 15 cm.

    Der Kopf der Rasse ist viel länger und gestreckter als bei den übrigen Rassen. Er wird auf einem hoch aufgereckten, deutlich sichtbaren Hals getragen. Die Häsin soll möglichst keine Wamme und der Rammler keinen Kinnknoten haben. Der Bauch ist hoch aufgezogen. Dazu kommt die hohe Stellung des Tieres. Man muss die Hand, hochkant gehalten, bequem unter dem Leib hindurchschieben können.

    Fellfarbe beim rotbraunen Hasenkaninchen

    Die Deckfarbe des Felles ist fuchsig rotbraun, namentlich an den Flanken und Hinterschenkeln und wird durch schwarze Haare abschattiert. Sie stehen in Wellen dicht zusammen. Das ähnelt beinahe einer Beraupung. Die flockige Schattierung tritt besonderst auf dem Rücken stark in Erscheinung. Die Ohren sind besonders an den Spitzen schwarz umrändert. Die schwarze Oberseite der Blume ist fuchsig durchsetzt, während ihre Unterfläche ebenso wie Schoßflecken, der Bauch und die Kinngegend heller, lohfarbig getönt sind. Die Unterfarbe ist in etwa einem Drittel der Haarlänge sattblau im Gegensatz zu der reinweißen Unterfarbe des Feldhasen. Die Zwischenfarbe ist leuchtend rost- bis rotbraun. Die Augen sind dunkelbraun, die Krallen dunkelhornfarbig.

    HasenkaninchenHasenkaninchen

    Fellfarbe beim weißen Hasenkaninchen

    Die Deckfarbe, mit guten gutem Glanz versehn, ist rein weiß und erstreckt sich ohne jegliche farbliche Abweichung über den ganzen Körper, Kopf und Ohren, Bauchseite und Läufe eingeschlossen. Ebenso weiß ist die Unterfarbe, die sich von der Deckfarbe nicht unterscheidet. Die Augen sind rot durchleuchtend,die Krallen sind pigmentlose (weiß).

    Lohfarbigen Hasenkaninchen

    Bei den Hasenkaninchen, schwarzlohfarbig handelt es sich um ein anerkannte Neuzüchtung. Es gibt diesen Farbenschlag bereits im Ausland als anerkannte Rasse. Diese Neuzüchtung wurde in Erfurt zur Bundesrammlerschau mit 9 Tieren von fünf Aussteller präsentiert.

    Zeichnung und Farbe dieser Neuzüchtung

    Die Kopfzeichnung besteht aus der Nasenlöchereinfassung, der Kinnbackeneinfassung, den Augenringen und der Ohreneinfassung. Die Nasenlöchereinfassung ist schmal und scharf abgegrenzt, gut lohfarbig. Die Kinnbackeneinfassung ist durchlaufend bis zum Genick und scharf abgegrenzt. Die Augenringe nicht zu breit, aber gut geschlossen, sollen kräftig in Erscheinung treten. Die Ohren sind stark lohfarbig eingefasst. Am Ohrenansatz treten zwei lohfarbige Flecken in Erscheinung. Die Rumpfzeichnung soll am ganzen Körper in scharfer Abgrenzung hervortreten. Die lohfarbige Brustzeichnung ist breit und verläuft unter dem Kinn beginnend zwischen den Vorderläufen in die Bauchfarbe. Der Bauch weist eine feurige Lohfarbe auf, welche bis auf den Haarboden reicht. Die Seitenzeichnung ist am Körper etwa 2 cm breit, soll scharf hervortreten. Entlang des Rumpfes etwa in 2/3 der Rumpfhöhe treten stark lohfarbig und gut abgegrenzt die Seitenspitzen in Erscheinung. Die Schoßflecken heben sich kräftig von der Bauchfarbe ab. Die Innenseite der Vorder- und Hinterläufe sind ebenfalls lohfarbig und scharf von der Deckfarbe getrennt. An den Vorderläufen treten die lohfarbigen Zehenpunkte deutlich abgegrenzt in Erscheinung. Der lohfarbige Genickkeil soll nicht zu groß, leicht abgerundet oder dreieckig und gut abgegrenzt sein. Die lohfarbigen Abzeichen treten am intensivsten bei den Schwarzloh hervor. Es ist aber auch bei den anderen Farbenschlägen auf eine intensive Lohfarbe der Abzeichen zu achten

    HasenkaninchenHasenkaninchen

    Preisrichterliche Betrachtung

    Ein sehr schöner Bericht, der mir fast keine Arbeit mehr über lässt. Das einzige, was mir noch einfällt, dadurch dass es sehr lebhafte Linien gibt muss man bei der Bewertung eines Hasen lieber immer ein Auge auf das Tier haben. Ich habe schon öfters mal überlegt „nur im Flug zu bewerten“ zu schreiben. Diese schöne, sportlich-grazile Rasse sehe ich als eine Bereicherung einer Schau, gerade um Besuchern auch mal andere Typen von Körperformen vorstellen zu können. Ein Auge sollten manche Züchter zum einen auf das Fell legen, da manche Schläge nach meine Meinung ein fast zu kurzes Fell haben und auch über wenig Unterwolle verfügen.

    Zum anderen ist bei solchen Schlägen auch die Breite der Unterfarbe im Auge zu behalten, laut Standard sollte diese 1/3 der Haarlänge ausmachen, ist aber oft wesendlich schmaler. Ansonsten haben wir es mit einer schönen, durchgezüchteten Rasse zu tun.

    Erbbiologische Betrachtung

    Betrachtet man das ursprüngliche Hasenkaninchen, rotbraun so ist erkennbar, dass viel Rot das äußere Erscheinungsbild beherrscht. Zwar sind dafür farbverstärkende Faktoren ausschlaggebend, aber es liegt auch anteilig an dem kürzeren Haar dieser Rasse im Vergleich zu den anderen Normalhaarigen der mittleren Größenordnung. Es ist kürzer, weil es die schnittige Form des Typs unterstützt. Und noch ein Umstand unterstützt die intensive, rote Farbgebung am Tier. Das A und O für eine gute Farbqualität ist eine kräftige, leuchtende eher rotbraune als rostfarbige Zwischenfarbe, die nicht zu schmal sein sollte. Hier muss an den vielgepriesenen und doch selten benannten Breitbandfaktor erinnert werden, dessen Wirkung gerade bei den rotbraunen Hasenkaninchen eine wichtige Rolle spielt. Zeigt es sich, dass sich in einzelnen Zuchten oder auch beim einzelnen Tier eine schmale Zwischenfarbe durchsetzt, wenn auf der Bewertungskarte eine diesbezügliche Bemerkung angegeben wird und/oder die Unterfarbe weit mehr als dieses in der preisrichterlichen Betrachtung besagte Drittel umfasst, muss züchterisch gegengesteuert werden.

    Das Problem stellt sich beim weißen Hasenkaninchen nicht. Es ist ein Albino und als solcher m. E. auch nur im ZDK anerkannt.

    Kurios ist hier, wie übrigens auch beim rotbraunen Ha, im Standard die Aussage „kurze Zehen bewirken den so genannten Katzentritt“. Hier ist nichts Absonderliches passiert und es hat auch keine Mutation stattgefunden, was das Skelett betreffen könnte. Richtiger wäre eine Aussage, dass durch ein geübtes Aufrichten die exakte Stellung und der deutliche Katzentritt gezeigt werden.

    Bei den als Neuzucht zugelassenen Hasenkaninchen, lohfarbig hätte ich mir gewünscht, dass zuerst ein paar Worte über den bis jetzt gegangenen Zuchtweg dargestellt werden. Wenn hier andere als schwarzlohfarbige Schläge benannt werden, so entzieht es sich meiner Kenntnis, dass auch braun- oder blaulohfarbige Hasen zur Neuzucht genehmigt sind.

    ;(c) Heidrun Eknigk

    HasenkaninchenHasenkaninchen

    Um ein intensives Schwarz zu erhalten, wird manchmal empfohlen, eine schwarze Häsin einzusetzen, damit die schwarze Farbe nicht verblasst. Dies kann aber nur gelten, wenn die Häsin viel Farbstoff besitzt, dies gilt aber auch für Typenschecken. Schwarze Tiere mit weißdurchsetzten Ohren bzw. weißdurchsetztem Fell bringen keine Farbverbesserung.

    Zu den Hasen ist ein kleiner Fehler passiert.
    Frank hat sich die Mühe gemacht noch ein wenig mehr über die Geschichte der Hasen herauszufinden. Leider ist dieser Teil nicht mit veröffentlicht worden.
    Übergangsweise hier der Text und die Bilder, in nicht gewohnter Qualität.
    Und Danke auch an Frank für seine Mühe.


    Zur Geschichte des Hasenkaninchens

    Name und Abstammung des Hasenkaninchens

    Das Hasenkaninchen ist dem Feldhasen ähnliche Kaninchenrasse. Sie zeigt das Bestreben, äußerlich sowie aber auch innerlich den Feldhasen nachzuahmen, was aber wohl nie Erfolg haben wird. Der wirkliche Name, den die Engländer der Rasse gegeben haben, ist Belgisches Hasenkaninchen(Belgian Hares). In Deutschland sagen wir kurz Hasenkaninchen.
    Die ersten Hasenkaninchen wurden von den Engländern anfangs der siebziger(1870 Anm. d. Autors) gezeigt, natürlich nicht in der Beschaffenheit als wie heute. Über die die eigentliche Herkunft können uns selbst die Engländer als Herauszüchter der Rasse keine genaue Auskunft erteilen. Jedoch sollen nach Aussagen alter
    [
    Hasenkaninchen aus dem Jahre 1875 sog. „Leporine“
    Mr. Lumb’s – Champion Empress (nach chasse et Peche, VIII Jahrg. Nr. 38)

    englischer Hafenzüchter von Belgien aus hasenähnlichen Kaninchen nach England als Schlachttiere gesandt worden sein und aus diesen Tieren sollen die Engländer das Hasenkaninchen herausgezüchtet haben. Es soll auch Schwarzlohblut mit eingekreuzt sein, um die Schattierung zu verbessern. Ob vielleicht auch etwas Feldhasenblut zugeführt ist, lässt sich nicht feststellen, dem dunkleren Fleisch kann es möglich sein. Auch nach letzen Berichten des Herrn Bahnmüller Ingolstadt soll



    Hasenkaninchen aus dem Jahre 1888
    Gezüchtet von Mr. J. Roger – Banburry – Oxon ( nach Fur end Feather).




    eine Kreuzung zwischen Feldhasen und Kaninchen gelungen sein. Der Feldhasentyp, welcher unseren Hasen eigen ist, wäre allein auf eine Kreuzung mit dem Feldhasen zurückzuführen, während die Farbe, Beschaffenheit des Felles und der Ohren ähnlich sind. Das den ersten Züchtungen viele Fehler anhafteten, ist wohl selbstverständlich. Ende der achtziger Jahre(1880 Anm. d. Autors) ist in englischen Blättern viel über die Farbe des Felles geschrieben worden und hat dies zur schnellen Verbreitung der Rasse beigetragen. Die Hasenkaninchen in der ungefähren Farbe und Form wie jetzt finden wir erst in den neunziger Jahren(1890 A. d. Autors). In Deutschland wurde diese Rasse erst um 1900 in liebenswürdiger Weise durch Herrn Dr. Poppe Leipzig eingeführt und haben die alten Züchter dieser Rasse viel mit dazu beigetragen, dass die Zucht des Hasenkaninchens so an Ausbreitung gewonnen hat.




    Literaturhinweis: W. Tänzer Das Hasenkaninchen O. Böttner Arnstadt ca. 1915-1918
    Zusammengetragen durch F. Waffen

    Im Standard vom Bund Deutscher Kaninchenzüchter Ausgabe 1908 war das Hasenkaninchen schon als anerkannte Rasse aufgeführt.

    Wir bedanken uns bei Helge Hill für diesen Bericht und die Fotos. Weiterer Dank gilt Tatjana Ruthmann, Kai Sander,Heiko Semmel und Siegfried Lübbert für Ihre Mitarbeit. Das Copyright liegt bei den jeweiligen Verfassern und beim Rassekaninchenzuchtforum e.V. Die Rechte der Grafiken liegen bei http://www.rkz-forum.com. Weitere Ergänzungen, Meinungen und Bilder zum Rassebericht bitte an webmaster@rkz-forum.de. Wir weisen nochmals ausdrücklich darauf hin, das die Bilder, Texte und Grafiken bestimmten Rechten unterliegen, und das wir Copyrightverletzungen strafrechtlich verfolgen lassen werden.

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    Liebe Forumianer In diesem Monat ist uns sehr schwer gefallen die Homepage des Monats auszuwählen. Es standen uns reichlich gute Seiten zur Auswahl, wie ja auch die Vorschläge gezeigt haben. Alle vorgeschlagenen Seiten haben es verdient die Homepage des Monats zu werden und wir werden bestimmt in nächster Zeit darauf zurückkommen. Uns ist aber noch eine Seite ins Auge gefallen, die nach unserer Ansicht noch eher einmal bedacht werden sollte. Es sollte bei der Homepage des Monats auf das Webdesign und den Inhalt ankommen, sie sollte informativ und immer möglich aktuell sein. Eine Seite, die in diesen Tagen ihren ersten Geburtstag feiert erfüllt diese Anforderungen im Besonderen. Sie ist immer auf den neuesten Stand und ist zu einem tollen Nachschlagewerk mit vielen Fachbeiträgen rund um die Rassekaninchenzucht geworden. Wir gratulieren dem Landesverband Westfalen - Lippe zur Homepage des Monats Juli. Was (Ursula) Schnecke und Thomas Neumann (Vantommes) da innerhalb kürzester Zeit auf die Beine gestellt haben ist eine kolossale Leistung. Wer sich einmal die Mühe macht, die Seite genau anzuschauen, wird feststellen, da wurde nicht nur reichlich Arbeit am Computer gemacht. Da sind viele Kilometer gefahren worden und zahlreiche Telefonate geführt worden um alle wichtigen Veranstaltungen im Landesverband und auch darüber hinaus, binnen kürzester Zeit ins Netz zu stellen. Diese Seite dürfte wohl das beste Verbandsorgan im Netz rund um die Rassekaninchenzucht sein, wo sich auch manch Anderer eine Seite von abschneiden könnte. Kurz gesagt „ Eine Internetplattform die Ihresgleichen sucht“ Macht weiter so, wir sind neugierig wie die Seite noch besser werden kann. Wir kennen Euch ja gut genug, um zu wissen, dass ihr Euch nicht auf dem erreichten ausruhen werdet.

    Zur Hompage--->>>

    Herzlichen Glückwunsch

    Das RKZ Team

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    Rasse des Monats:

    Deutsche Riesenschecken

    Erstellt von Joachim Heidrich

    Vergleichen wir heute ein Wildkaninchen mit einem Riesenschecken-Kaninchen, so wird uns die großartige züchterische Leistung unserer Vorfahren bewusst. Hier muss den Scheckenzüchtern der Vergangenheit ein großes Lob ausgesprochen werden. Inzwischen ist es möglich, Tiere mit einer 20er Form und vollendeten Rassemerkmalen zu züchten. Trotzdem sollten wir unsere Augen vor einer eventuellen Überzüchtung dieser schönen Rasse nicht verschließen. Es gibt zu viele Tiere mit schlechter Ohrenstellung, offenen Läufen, Missbildung der Geschlechtsteile, tränenden Augen, ausgeprägter Krankheitsanfälligkeit (Schnupfen), obwohl die Fruchtbarkeit gegenüber bestimmten Rassen gut ist.

    Zu Beginn des Jahres werden die Zuchttiere ausgesucht. Um einer drohenden Degeneration des Zuchtstammes zu begegnen und um den schlechter werdenden Umweltbedingungen Rechnung zu tragen, sollten die auserwählten Tiere völlig gesund und von robuster Natur sein. In diesem Zusammenhang ist es besser, mit wenig, aber gesunden Ausgangstieren ins neue Zuchtjahr zu starten. Hier begangene Fehler holen den Züchter immer wieder ein.

    Die Stallkapazitäten aller Scheckenzüchter können eigentlich nicht groß genug sein, dennoch muss man den erforderlichen Zeitaufwand mit der zur Verfügung stehenden Freizeit in Einklang bringen. 35 Boxen, 10 Zuchthäsinnen und 2-3 sehr gute Rammler bilden eine gute Basis und lassen unser Hobby nicht in Stress ausarten. Allerdings muss der Züchter bei relativ wenig Buchten ein Meister des Selektierens sein.

    Größe und Gewicht

    Das Normalgewicht der Riesenschecken liegt bei 6,0 kg und ist nach oben unbegrenzt. Damit es keine Gewichtsprobleme gibt, sollten Zucht- und Ausstellungstiere wenigstens 7,0 kg wiegen. Sie entsprechen eher der gewünschten Körperlänge von 65 bis 68 cm. Leider wird oft nicht genug auf die Körperlänge geachtet. Die Folge sind kleine, viel zu kurze Tiere. Gerade kurze, dicke Rammler zeigen oft breite Köpfe, kräftige Läufe und ein rundes Becken. Dieses imposante Erscheinungsbild lenkt oft von der erforderlichen Länge ab, so dass zu kurze Tiere oft nicht entsprechend bewertet werden. Es würde der Rasse sicherlich gut tun, wenn ab und zu der Zollstock benutzt würde. Was das Wachstum anbetrifft, so ist es bei guter Fütterung möglich, dass frohwüchsige Tiere mit 6 Monaten 6 kg wiegen, wobei die monatliche Zunahme jeweils 1 kg beträgt. Tiere mit Gewichtsproblemen sind oft ingezüchtet, so dass kurze und leichte Tiere fallen. Hier empfiehlt es sich, einen großrahmigen Rammler einzusetzen.

    Körperform und Bau

    Die Körperform entspricht in etwa der des Deutschen Riesen, wobei sie aufgrund des niedrigeren Vollgewichtes nicht ganz so wuchtig ist. Gewünscht wird eine gestreckte, hochgestellte Walzenform mit guter Bemuskelung und Knochenstärke. Wie durch die Länge bereits vorgegeben soll der Körper, bei entsprechender Breite und Tiefe, gestreckt sein. Etwas mehr Beachtung ist dabei der Breite zu schenken. Noch zu viele Tiere sind nach vorne verjüngt. Das Becken soll gut abgerundet sein. Hochstehende Beckenknochen sollten ganz aus den Zuchten verschwinden, da es genügend runde Tiere gibt. Die Läufe werden kräftig und gerade gefordert, denn so wird einem möglichen Durchtreten größtenteils vorgebeugt. Die Vorderläufe dürfen nicht zu kurz sein, denn sie geben dem Bauch die ausreichende Bodenfreiheit. Das bedeutet, die Riesenschecken sollen eine hohe, aber keine übertrieben hohe Stellung zeigen. Durch entsprechendes Dressieren erreicht man diese hohe Stellung nicht, denn die Stellung ist fast ausschließlich erblich bedingt. Diese hohe Stellung ist besonders bei Häsinnen wichtig, denn wenn sie sich auf dem Tisch schön zeigt, stört eine kleine Schwalbennestwamme kaum. Außerdem werden bei den Riesenschecken der Kopf und die Ohren in der Position Körperform beurteilt. Der Kopf ist entsprechend der Größe breit mit vollen Backen. Schon an der Kopfform sollten Rammler und Häsinnen klar erkennbar zu unterscheiden sein. Wer in seiner Zucht die Kopfform verbreitern möchte, sollte wissen, dass besonders die Mütter bei entsprechender Veranlagung ihren Söhnen den breiten Rammlerkopf vererben. Bei Jungrammlern sollte sich die breite Kopfform bereits mit dem vierten Monat andeuten. Allerdings verfügen Mütter mit dicken Köpfen über viele männliche Hormone, was sich oft auf Mutterinstinkte und Milchreichtum negativ auswirkt. Außerdem neigen Rammler mit extrem männlichem Kopf oft zu tränenden Augen und Hängehoden.

    Die Ohren stehen straff aufrecht, müssen recht kräftig, dickfleischig und gut behaart sein und in ihrer Länge und Breite der Größe des Tieres entsprechen. Weiter wird gewünscht, dass die Ohrhaltung einer römischen Fünf (V) entspricht. Hierbei ist zu beachten, dass sie im Ansatz eng aneinander stehen. Man kann dies am besten feststellen, wenn man den Finger zwischen die Ohren schiebt. Ein fest angesetztes Ohr wird niemals flatterig oder kippen. Wünschenswert ist eine Ohrlänge von 17 bis 19 cm. Auch hier sollte öfters der Zollstock zur Hilfe genommen werden – sowohl vom Züchter als auch vom Preisrichter.

    Leider ist oft zu beobachten, dass lange Ohren sehr breit getragen werden, was bei der Nachzucht zu einseitigen Kippohren führen kann. Ursache ist sicherlich die mangelnde Stabilität der Ohrwurzel. Hier gilt es für die Züchter etwas zu verbessern, was beim Deutschen Riesenkaninchen bereits erreicht ist. Erwähnenswert ist noch, dass Kälte das Längenwachstum der Ohren negativ beeinflusst. Wärme dagegen beschleunigt diesen Prozess. Hierbei ist oft zu beobachten, dass Jungtiere die Ohrenden leicht hängen lassen. Dies ist völlig unbedenklich und verschwindet wieder.

    Wer seine Nachzucht hinsichtlich der Form verbessern möchte, sollte bedenken, dass die Eltern den Nachkommen nicht mehr geben können, als sie selbst besitzen. Deshalb ist es besser, man verpaart „19 x 19“ als „18 x 19“, da sich so die gute Form einigermaßen im

    Zuchtstamm festigt. Auf eine sehr gute Form sollten alle Scheckenzüchter großen Wert legen, ehe sie an die Verbesserung der Rassemerkmale denken. Hochstehende Beckenknochen sollten der Vergangenheit angehören. Schwieriger ist es mit der Wamme.

    Deutsche RiesenscheckeDeutsche Riesenschecke

    Aber auch dieser Fehler kann ausgemerzt werden, wie es bei vielen Deutschen Riesen bzw. Riesenschecken zu sehen ist. Man sollte es mit einem Rammler probieren, der von einer wammenfreien Häsin abstammt und der fest im Fell sitzt. Mitunter wird behauptet, Wammenträger seien die besseren Mütter, was sich insbesondere durch großen Milchreichtum äußern soll. Kaninchen die schlecht fressen, neigen kaum zu einer großen Wamme. Mitunter zeigen sie sich auch wammenfrei. Sicherlich verfügen diese schlechten Futterverwerter über wenig Milch. Handelt es sich dagegen um ein wammenfreies Tier mit großem Appetit, so besteht gegenüber einem Wammenträger hinsichtlich der Milchergiebigkeit sicherlich kein Unterschied.

    Das lose Brustfell kommt oft durch mangelnde Bewegung und mit zunehmendem Alter. Das Alter ist zwar nicht aufzuhalten, aber für die Bewegung kann der Züchter etwas tun. Hier bietet sich in der Stallung ein Ruhebrett in halber Höhe an. Dieses wird von den Kaninchen gerne angenommen, denn sie sind von der Anatomie her Springtiere. Außerdem bewirkt dieses Ruhebrett eine kräftigere Bemuskelung und beugt durchgetretenen Läufen vor.

    Das Fell

    wird im Standard in einem Satz beschrieben. Es ist mittellang, gut und gleichmäßig begrannt und mit dichter Unterwolle versehen. Das größte Problem stellt dabei wohl die dichte Unterwolle dar. Da der Scheckenzüchter auf so viele Eigenschaften achten muss, wird das Fell gerne etwas vernachlässigt. Optisch am schönsten wirkt ein etwas kürzeres Fell, da so die Zeichnungsmerkmale gut zur Geltung kommen. Das Durchschnittsfell beim Riesenscheckenkaninchen erreicht 13,5 Punkte. Wer auf Ausstellungen den Vergleich mit anderen Tieren sucht, sollte bedenken, dass ein 14er Fell in der Zuchtgruppe gegenüber einem 13,5er Fell 2 Punkte Vorsprung bedeutet. Deshalb sollten Anstrengungen unternommen werden, damit das Fell besser wird. Ist der Züchter in einer Gegend

    beheimatet, wo überwiegend Reizklima vorherrscht, so wirkt sich dies auf die Felldichte äußerst positiv aus. Bei vielen Rassen ist ein 14er Fell normal und ein 14,5er Fell nicht selten. Dass ein 14,5er Fell auch für Riesenschecken erreichbar ist, zeigen viele Ausstellungen der Scheckenclubs.

    Die Kopfzeichnung

    Die Nase wird von dem Schmetterling beidseitig bogenförmig eingefasst. Auf der Mitte des Nasenrückens befindet sich leicht abgerundet ein Dorn. Wenn der Dorn fehlt, handelt es sich um einen schweren Fehler. Insgesamt betrachtet bereitet der Schmetterling einschließlich Dorn selten züchterische Probleme, soweit es sich um den Oberkiefer handelt. Mehr Schwierigkeiten bereitet die Unterkiefereinfassung. Der Schmetterling soll den Unterkiefer auf beiden Seiten schmal einfassen. Seit einigen Jahren ist die einseitig fehlende Unterkiefereinfassung nur noch ein leichter Fehler. Trotzdem sollten die Zuchttiere über eine breite Unterkiefereinfassung verfügen, denn es wird bei der Nachzucht eher weniger als mehr. Dass eine solche Verpaarung zur geschlossenen Unterkiefereinfassung führt, was ein Ausschlussfehler ist, kommt sehr selten vor. Ist die Einfassung etwas schmal, sollte man deswegen nicht unter 14 Punkte in der Bewertung geben, denn man sollte beim Bewerten dem enorm hohen Schwierigkeitsgrad dieser Zucht gerecht werden. Die Unterkiefereinfassungen werden zu oft unterschiedlich bewertet. Hier sollten sich die Preisrichter im Interesse der gleichmäßigen Bewertung absprechen, damit insbesondere Jungzüchter durch die unterschiedlichen Beurteilungen nicht verunsichert werden. Die Preisrichter sollten diesen Bericht zum Anlass nehmen, das Problem Unterkiefereinfassung zu erörtern.

    Deutsche RiesenscheckeDeutsche Riesenschecke

    Die Augen werden von den Augenringen umschlossen. Diese passen sich der Form des Auges an und sind etwas oval. Die Augenringe werden gleichmäßig breit und ohne Zacke gewünscht. Da fast alle Schecken zu dieser Zacke neigen, ist es nicht ganz einfach, die Augenringe zackenlos zu züchten. Wer dennoch den geschlossenen Augenring gezüchtet

    hat, bekommt nicht selten Probleme mit zu groben Augenringen, welche gern mit Ohrenansatz, Backenpunkt oder Schmetterling in Berührung kommen. Durch Geschick bei der Auswahl der Zuchttiere gepaart mit etwas Glück ist es möglich, den Augenring wunschgemäß zu züchten. U.a. wird ein kleiner, ovaler Augenring (eventuell auch ohne Zacke) erreicht, wenn ein Weißling in die Zucht eingesetzt wird.

    Ein weiteres Zeichnungsmerkmal sind die Backenpunkte. Sie stehen völlig frei unter den Augenringen. Hierbei ist es unerheblich, ob sie rund oder länglich sind. Schöner ist es aber, wenn beide die gleiche Form haben. Wobei längliche Backenpunkte bei der Nachzucht eher zu hängenden Backenpunkten führen als runde. Letztlich gehören die farbigen Ohren zur Kopfzeichnung. Der Ohrenansatz sollte an der Ohrwurzel scharf abgegrenzt sein. In der Regel wird man von zwei Elterntieren mit sauberen Ohrenansätzen auch Nachkommen mit sauberen Ohrenansätzen bekommen. Weiße Flammen und Spritzer am Kopf vererben sich weiter. Züchterisch ist es einfacher, eine saubere Kopfzeichnung als eine schöne Punktzeichnung im Zuchtstamm zu festigen.

    Die Rumpfzeichnung

    besteht aus dem Aalstrich und der Seitenzeichnung. Der Aalstrich beginnt im Nacken und läuft über den Rücken als ca. 3 cm breiter Streifen bis zur Blumenspitze. Oft zeigt sich der Aalstrich am Anfang und vor der Blumenspitze etwas dünner.

    Deutsche RiesenscheckeDeutsche Riesenschecke

    Die Seitenzeichnung besteht aus einer Gruppe freistehender Punkte von etwa 3 cm Durchmesser, auf Flanke und Hinterschenkel beidseitig möglichst gleichmäßig verteilt. Auf beiden Seiten werden etwa 6 bis 8 Punkte gewünscht. Vorhandene Punkte an Brust, Bauch und Läufen bleiben unberücksichtigt. Die Zuchttiere sollten freistehende Punkte haben oder zumindest aus schönen Zeichnungslinien abstammen. Tiere, die an der Bauchunterseite in Höhe der Zitzen beidseitig gleichmäßige Punkte aufweisen, versprechen als Nachzucht Tiere mit feiner Punktzeichnung. Sind die Bauchseiten verschieden stark gepunktet, so fallen eher Tiere mit ungleicher Seitenzeichnung. Oft hat sich schon gezeigt, dass zwei Elterntiere mit sehr guter Seitenzeichnung nicht ein Ausstellungstier bringen, dagegen wurden schon schöne Seitenzeichnungen erzielt, wenn Extreme verpaart wurden, d.h. „wenig Seitenzeichnung x vollgezeichnete Tiere“. Trotzdem ist die Seitenzeichnung vom Züchter sehr schwer zu beeinflussen. Eventuell kann man bei entsprechenden Ausgangstieren die Zeichnungsanlage durch eine mäßige Linienzucht etwas steuern. Vielen Züchtern ist es schon gelungen, Tiere mit 15er Seiten zu züchten. Sie sind der Lohn der züchterischen Arbeit. Manipulationen an den Zeichnungsmerkmalen von Neugeborenen sollten aus Gründen des Tierschutzes und des „Fair Play“ unterbleiben.

    Die Farbe

    Die Grundfarbe der Deck- und Unterfarbe ist ein reines Weiß. Die Farbenschläge Schwarz/Weiß und Blau/Weiß werden gezüchtet. Die Zeichnungsmerkmale sollen rein und nicht mit andersfarbigen Haaren durchsetzt sein. Bei schwarz-weißen Tieren sind die Augen brau, bei den blau-weißen blaugrau. Die Krallen sind farblos (weiß).

    Deutsche Riesenschecke

    Insofern kann zwischen schwarzen Tieren und Schecken keine generelle Unterscheidung getroffen werden. Farblich einwandfreie Tiere erkennt man an dem intensiven Schwarz der Blumenoberseite und an den schwarzen Ohrrändern. Erst die sehr gute Farbe bringt dem Riesenschecken-Kaninchen die vollendete Schönheit. Da man durch das Schaufertigmachen Möglichkeiten hat, auf diesem Gebiet züchterische Versäumnisse zu beheben, wird der Farbe nicht immer die entsprechende Aufmerksamkeit geschenkt. Bei der Bewertung sollten m. E. Kaninchen mit starker Pigmentierung aber leicht durchsetzten Zeichnungsmerkmalen besser abschneiden, als Tiere mit schwacher Pigmentierung, die aber hervorragend getupft sind. Denn die Pigmentierung bleibt, aber die weißen Haare kommen wieder.

    Das Schaufertigmachen

    ist oft für Kaninchen und Züchter eine Qual. Deshalb sollte man sich hierbei auf die wesentlichsten Punkte beschränken. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass Tiere, die auf Ausstellungen zum Verkauf angeboten werden nicht zu sehr frisiert sein dürfen, da sich ansonsten der Käufer später über auftretende Spritzer ärgern kann. Bei der Bewertung sollte mehr der züchterische Erfolg als das Frisörtalent bewertet werden.

    Die Zucht

    bei den Deutschen Riesenschecken ist relativ problemlos. Die Häsinnen nehmen allgemein leicht auf und ziehen die Jungtiere problemlos groß. Leider kommt der Züchter nicht immer an der Verringerung des Wurfes vorbei. Trotzdem sollten der Häsin 6 bis 8 Jungtiere belassen werden, auch wenn nicht alle ausgestellt werden können.

    Wenigstens alle Schecken sollte man aufziehen lassen, auch wenn das Platzprobleme gibt. Immerhin kann man dieDeutsche Riesenschecke weniger guten Schecken mit 5 bis 6 Wochen an Halter billig abgeben oder mit 14 bis 16 Wochen schlachten.

    Anschließend möchte ich nochmals erwähnen, dass bei der Verpaarung von zwei sehr guten Formen oder Fellen die Nachzucht in diesen Positionen einigermaßen gefestigt ist. Dann kann man die Verbesserung von Rassemerkmalen in Angriff nehmen. Hier bin ich dagegen der Meinung, dass bei der Verbesserung der Zeichnungsmerkmale eher eine Ausgleichspaarung Erfolg bringt. Wer Tiere von 95 Punkten ausstellt, kann zufrieden sein.

    Werden es mehr, dann umso besser. Die eigene Erwartungshaltung sollte nicht zu hoch sein, dann kann man sich auch noch über kleine Erfolge freuen. Die Problematik des Zusammenstellens von Zuchtpaaren unterscheidet den Halter vom Züchter. Hier hat es der Halter einfacher, aber dafür ist die Freude des Züchters größer, wenn er mit seiner Paarung den gewünschten Erfolg erzielt.

    Obwohl nicht alle Leser meine Meinung teilen werden, wünsche ich allen gute Zuchterfolge und Freude an den selbst gezogenen Deutschen Riesenschecken-Kaninchen.

    Es erscheint als erwiesen, dass es eine geraume Zeit nach der Zähmung von wilden auch gescheckte Kaninchen gegeben haben muß. Als in Deutschland nach dem Jahre 1870 die Kaninchenzucht aufzublühen begann, ließen sich da und dort größere scheckige Kaninchen beobachten.

    Vielfach herrscht die Ansicht, dass wir die Scheckenkaninchen von Belgien haben. Wohl ist es richtig, dass der um dDeutsche Riesenscheckeie Kaninchenzucht sich hochverdient gemachte westdeutsche Züchter Lorenz Todt einige gescheckte Tiere mit und ohne Schmetterlingszeichnung nach Deutschland brachte, doch steht dem gegenüber, dass vorher deutsche Züchter Schecken nach Belgien verkauften. Das unsere deutschen Schecken nicht von den wenigen eingeführten Tieren herrühren können, ist einleuchtend, den durch fortgesetzte Inzucht entartet ein Stamm. Eine Zuführung von fremden Blut ist unbedingt erforderlich. Durch die einsetzende geregelte Zuchtauswahl entstanden nach und nach Deutsche Riesenschecken in Ihrer heutigen Größe und herrlichen Fellfärbung, als ein Wahrzeichen deutscher Züchterfleißes. Bis zu Ihrer Zulassung wurden die Tiere auf Ausstellungen in der Schlachtzucht- und Kreuzungsklasse bewertet. In Gera tagte am 18.03.1907 der „Bund Deutscher Kaninchenzüchter“. Dort erhob man die Deutsche Riesenschecke zur Rasse, in dem man sie in den Standard des Bundes aufnahm.

    Quellen: Zur Zuchtgeschichte Auszüge aus dem Heft „Das Deutsche Riesenscheckenkaninchen“ (von H.Otto,6. Auflage ca. 1920,Verlag Dr.F.Poppe Leipzig), zusammengestellt von Frank Waffen.

    Erbbiologische Betrachtung

    Ich wollte Bravo rufen, als ich den Beitrag las!

    Zuchtfreund Heidrich beschreibt bei der Vererbung der Zeichnungsmerkmale gerade diese Schwierigkeiten, die sich durch alle Punktscheckenzuchten ziehen, indem er dankenswerterweise auf das Einbeziehen von Weißlingen in die Zucht hinweist. Wie richtig ist also der von mir schon oft gegebene Hinweis, dass nicht jeder Weißling durch seine genetische Anlage grundsätzlich zum Tode verurteilt ist? Ebenso gefällt mir, wenn sich der Zuchtfreund in seiner Praxis auf den Wert der einfarbigen Tiere besinnt, die eine Form- und Haarstrukturverbesserung versprechen.

    Diese Zuchtpraktiken sind beispielhaft und tragen auch dazu bei, die Meinung über die Letalität bei reinerbig vorhandener K-Scheckung zu revidieren.

    Noch etwas ist aus meiner Sicht lobenswert, nämlich die Liebe zu der Rasse, die Inkaufnahme der geringen Punktzahl und die Einstellung, mit Fingerspitzengefühl das genetische Potenzial bei solchen Tieren zu suchen/zu erkennen, die andere Züchter als bedeutungslos betrachten. Nicht die Pokaljagd ist das Ziel des Züchters Joachim Heidrich, sondern die Festigung, die wirkliche Schönheit und die Leistungsfähigkeit seiner Rasse. Deshalb finde ich es bemerkenswert und will auch darauf verweisen, wenn das Schaufertigmachen auf Perfektion der Zeichnung in diesem Beispiel eine zweitrangige Stellung einnimmt. Das bedeutet, hier wird mit Rücksicht auf einen eventuellen Käufer bewusst das phänotypische Tier ausgestellt. Es wird aber auch jede unnötige Belastung des Tieres durch Zupfen, Rupfen oder anderes Kaschieren von Fehlern vermieden. Das ist reell und verdient Anerkennung.

    Vergessen wir bei all dem Gelesenen nicht, dass es ein sehr schönes Kaninchen der großen Rassen ist, deren Proportionen beeindrucken, aber auch oftmals erst im Alter von ca. 7 bis 9 Monaten ihr perfektes oder weniger perfektes Körpermaß, -gewicht und die nahezu ideale Körperform (einschließlich die gesamte Ohrentwicklung) erreicht haben.

    (c) Heidrun Eknigk

    Preisrichterliche Betrachtung

    Auch ich kann nur Bravo sagen.

    Bei diesem Bericht wurde an alles gedacht, die Standardvoraussetzungen sind genauso ausreichend beschrieben wie die eigenen züchterischen Erfahrungen. Einfach toll !!!

    Oft hat man das Gefühl, dass mache Züchter nur die Zeichnungsmerkmale im Kopf haben, bei diesem Bericht wird sehr gut darauf hingewiesen, dass da noch mehr zu gehört. Nur auf eine Sache ist der Zuchtfreund nicht eingegangen, leider müssen nach dem Tierschutzgesetz immer einfarbige Elterntiere mit eingesetzt werden, es ist zwischenzeitlich verboten Typenschecke X Typenschecke zu verpaaren.

    Es gibt es Sorgen, dass so die Zeichnungsmerkmale langfristig verschlechtern. Wie es auch in diesem Bericht steht, ist es nun wirklich nicht so, das jeder Weißling auch den Letalfaktor trägt, aber die Gesetze sind nun einmal so. Entsprechende Bescheinigungen werden im Allgemeinen durch die Clubs von den Züchtern eingesammelt und an die Landesvereinigungen weitergegeben.

    Gerade die Riesenschecken sind eine Rasse die einen fast majestätischen Eindruck machen und auf jeder Schau besonders ins Auge springen. Leider sieht man sie nicht so oft wie es wünschenswert wäre, vielleicht kann ja dieser Bericht ein paar neue Begeisterte für die Rasse finden.

    Wir bedanken uns bei Joachim Heidrich für diesen Bericht und die Fotos. Weiterer Dank gilt Tatjana Ruthmann, Kai Sander,Heiko Semmel und Siegfried Lübbert für Ihre Mitarbeit. Das Copyright liegt bei den jeweiligen Verfassern und beim Rassekaninchenzuchtforum e.V. Die Rechte der Grafiken liegen bei http://www.rkz-forum.com. Weitere Ergänzungen, Meinungen und Bilder zum Rassebericht bitte an webmaster@rkz-forum.de. Wir weisen nochmals ausdrücklich darauf hin, das die Bilder, Texte und Grafiken bestimmten Rechten unterliegen, und das wir Copyrightverletzungen strafrechtlich verfolgen lassen werden.

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    Holländerkaninchen blau--gelb-weiss

    Holländer, japanerfarbigblau-gelb-weiß

    Ein Bericht von Heidi Eknigk

    Das erste blau-gelb-weiße Tier war eher ein Zufallsprodukt, gefallen in einer Holländerzucht, japanerfarbig-weiß und wurde durch Rückpaarung vermehrt. Diese ersten Tiere nahm vor ca. sechs bis acht Jahren der Zuchtfreund Veterinärrat Alexander Schiedung aus Sachsen in seine Obhut. Er dachte bis Dezember 2001 nicht daran, dass daraus einmal eine Neuzucht werden könnte. Dann erst wagte er den Schritt in die Öffentlichkeit und warb für diese bunte und aparte Kreation. Heidrun Eknigk las dies, besah sich die schon weit durchgezüchteten Tiere und verliebte sich in die Rasse und begann bereits 2002 mit ihrer Zucht. Inzwischen wissen wir auch, dass in einigen anderen Zuchten der Rasse H, japanerfarbig-weiß auch blau-gelb-weiße Tiere auftreten. Ursache dafür ist das unsinnige Einkreuzen blau-weißer Holländer.

    Holländer, japanerfarbigblau-gelb-weiß

    Erste Berichte über die Rasse erschienen von beiden Züchtern (Schiedung und Eknigk) im DKZ 13/2002, 19/2002 und 12/2003 sowie zeitnah ebenfalls in der Fachzeitung „Kaninchen“. Siehe auch: das „Blaue Jahrbuch 2003“, S. 188 ff. und „Kaninchenvererbung“, S. 178 ff. über den Zuchtweg. Weitere Infos über Holländerkaninchen gibt es unter http://www.ag-der-hollaenderzuechter.de.vu

    Persönliche Bemerkungen des Züchters:

    Wer ein Faible für „bunte“ Rassen sowie Erfahrung in der Holländerzucht hat oder die erforderliche Geduld, die für jede Neuzucht unbedingt gegeben sein muss, dürfte die auftretenden Schwierigkeiten nicht überbewerten. Für an der Zucht Interessierte sei auf den Beitrag „Erste Schritte in Deutschland“ (DKZ 19/2002, S. 8 ff.) verwiesen. Die Autorin beschreibt dort erste Erfahrungen. Die Musterbeschreibung dieses neuen Farbenschlags unterscheidet sich nicht wesentlich vom Standard der japanerfarbigen H. Lediglich die Forderungen an das Farbbild und an die Augenfarbe sind in Folge des genetischen Ansatzes für Blau abweichend. Eine blau-graue Iris ist analog der Augenfarbe der H, blau-weiß zu erwarten. Die Zeichnungsmerkmale (Kopf- und Rumpfzeichnung) sind identisch mit denen der japanerfarbigen H. Mit einer Ausnahme. Für die Zeit der Herauszüchtung bleibt eine leichte Durchsetzung der Unterfarbe in den Farbfeldern mit andersfarbigen Haaren unberücksichtigt.

    Holländer, japanerfarbigblau-gelb-weiß Holländer, japanerfarbigblau-gelb-weiß
    Diese Ausnahme ist störend für die Zucht, denn durch diese Abstriche, können sich bei der Auslese von Zuchttieren erheblich Fehler herausbilden und festigen, die später bestraft werden. Deshalb empfiehlt sich hier von Anfang an eine strenge Selektion.
    Da aber jeder Rasseanerkennung die Notwendigkeit der Ausstellungsteilnahme vorausgeht, muss hier der Züchter unter zwei Aspekten selektieren, nämlich in Ausstellungs- und Zuchttiere.

    Diese Neuzucht unterscheidet sich in keiner Weise von der Zucht der schwarz-gelb-weißen H. Die Bewertungsergebnisse im ersten Jahr der Neuzucht stimmen uns recht optimistisch. Jeder neue Zuchtfreund bekommt jede Unterstützung von uns, sowohl Ausgangstiere und Züchtungshinweise, Hinweise zum ZDK-Reglement für Neuzüchtung und wir stehen im ständigen Kontakt, sodass ein Erfahrungsaustausch auch telefonisch erfolgt.

    Holländer, japanerfarbigblau-gelb-weiß

    Weitere Interessante Ergänzungen zu dem Thema:


    Rasse des Monats Januar 2007 - Das Holländerkaninchen
    Wir bedanken uns bei Heidrun Eknigk für diesen Bericht und für die Fotos. Weiterer Dank gilt dem RKZ-Team für seine Mitarbeit. Das Copyright liegt bei den jeweiligen Verfassern und beim Rassekaninchenzuchtforum e.V. Die Rechte der Grafiken liegen bei Trägerverein Rassekaninchenzuchtforum e.V. Weitere Ergänzungen, Meinungen und Bilder zum Rassebericht bitte an webmaster@rkz-forum.de. Wir weisen nochmals ausdrücklich darauf hin, das die Bilder, Texte und Grafiken bestimmten Rechten unterliegen, und das wir Copyrightverletzungen strafrechtlich verfolgen lassen werden.

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    Rasse des Monats:

    Angora

    Erstellt von Maika

    Der Wert des Angorakaninchens und dessen "Angorawolle" waren frühzeitig, seit über 200 Jahren, geschätzt und bewundert worden. Es wird sogar angenommen, dass bereits im 14. Jahrhundert in England das Langhaar-Kaninchen bekannt war und die Menschen damals schon wussten, wie wertvoll die Wolle zur eigenen Verwendung war. Vermutlich brachten englische Matrosen um 1723 erstmals Langhaar-Kaninchen nach Bordeaux. Man nahm an, dass die Angora aus Südrussland stammten, doch ist diese Vermutung heute nicht mehr sicher. Längst bekannt und vorhanden war das englische langhaarige Seidenkaninchen im 17. Jahrhundert. Zu dieser Zeit waren fast alle Kaninchen wildfarbig und man nimmt an, auch das Angorakaninchen hatte noch keine weiße Farbe.

    Der Name sagte nichts über den über die Herkunft der Tiere aus. Der heutige Name entstand erst später aus der Bezeichnung des Angorismus, welches als Haarverlängerung bezeichnet wird, und nachdem in Angora (heute Ankara) die gezüchteten langhaarigen Ziegen auch bei uns als Angoraziegen bekannt wurden. Langhaarigkeit kennen wir bei fast allen Haustieren. Die Ursache wird als Mutation bezeichnet, die als sprunghafte Veränderung der Erbmasse keineswegs nur bei Haustieren vorkommt. In der Natur gibt es neben weißen Tieren auch langhaarige Wildkaninchen. Durch ihre Langhaarigkeit sind sie sehr eingeschränkt und haben nur geringe Chancen in freier Wildbahn zu überleben. Durch Nässe, Schmutz und Futterreste verfilzen die langen, weichen Haare. Ein solches verklumptes Tier wird in seiner Lebensweise stark beeinträchtigt. Bei einer längeren Flucht ist das Tier dann benachteiligt und wird schneller zur Beute. Die Wollbeschaffenheit der Langhaarkaninchen war im 18. Jahrhundert noch wenig ausgeprägt, es fehlten die typischen Ohr- und Stirnbüschel sowie das Backenhaar. In England bei den zu allen Zeiten bekannten Sportzüchtern entstand durch zielbewusste und züchterische Arbeit das weiße Angorakaninchen, die englische Zuchtrichtung.

    Von England nach Deutschland kamen 1777 die ersten Angora unter der Bezeichnung angorischen oder englischen Seidenkaninchen. Es war ein glücklicher Zufall, dass ein Herr v. Meyersbach, königlich-preußischer Beamter aus London, ein Pärchen dieser so genannten Seidenkaninchen mitbrachte. Meyersbach der sich häufig in Franken aufhielt, brachte einem Pastor Mayer diese Kaninchen mit und dieser vermehrte sie reichlich. In vielen Ländern wurde die hohe Nutzbarkeit der Wolle erkannt und der Staat hat damals viel zur Verbreitung dieser Kaninchen beigetragen, vor allen in Sachsen und Preußen. Die königlich-preußische Ober-Finanz-Kriegs- und Domänen-Direktion setzte Prämien für erfolgreiche Züchter aus. Pro 500 Gramm Wolle wurden 16 Groschen bezahlt, wenn mindestens 2 1/2 kg Wolle aus eigener Zucht verkauft wurden.

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    Erste Ausstellungen und Wollleistungen

    Die Liebhaber dieser Kaninchenrasse stellten 1885 auf der Kaninchenausstellung in Chemnitz ihre Angora aus und wurden nach ersten deutschen Bewertungsbestimmungen beurteilt. Neben der Feinheit der Wollhaare sollten die vorgestellten Tiere damals eine Haarlänge von bis zu 25 cm vorgewiesen haben. Diese Länge wurde gemessen und das Tier mit dem längstem Haar wurde das Siegertier. Aus den anfänglich züchterischen, leistungsorientierten Prüfungen von 1924 ist eine Wollleistung von ca. 200 gr. Wolle pro Tier und Jahr aufgezeichnet. In den folgenden Jahren (etwa 1932) führten die züchterischen Leistungen bereits zu einem Rekord von 200 - 400 gr. Wolle. Bei der 26. Angoraleistungsprüfung 1959 zeigten sich die Forschungsarbeiten auf diesem Gebiet überaus günstig und trotz seuchenbedingten Schwierigkeiten (Myxomatose) waren es bei 60 % der Häsinnen über 600 - 700 gr. Wolle. Innerhalb von nur 20 Jahren hatte sich die Wollleistung verdoppelt.

    Die Wollwertergebnisse zeigten, dass die deutsche Angorazucht weltweit die höchsten Leistungsverlangungen hatten. 1959 waren es noch durchschnittlich 625 gr. bei Rammlern und 693 gr. bei Häsinnen. Bei den geprüften Tieren wurden 1963 pro Kaninchen durchschnittlich 1243 gr. bei 1,0 und beachtliche 2008 gr. bei 0,1 gewogen. Im Jahr 2003 in Weser-Ems Kreis wurde der beste Rammler von Franz Heinks mit einem JWE (Jahreswollergebnis) von 2128 gr. und einem WRZ von 2055 gr. ermittelt. Die beste Häsin in Schleswig-Holstein präsentierte Günter Mahrt mit einem JWE von 2812 gr. und einer WRZ von 2637 gr.

    Weibliche Angorakaninchen erzeugen bis zu 30 % mehr Wolle als männliche Tiere. Die Wollleistung steigt bis zum Alter von 15 - 20 Monaten an, bezogen auf das Körpergewicht und fällt danach jährlich um etwa 10 bis 15 % ab, wobei auch hier die Minderung bei den männlichen Tieren größer ist als bei den weiblichen Angora.

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    Die Struktur und Besonderheit des Vlieses

    Die Angorawolle besteht aus drei Haararten: Grannenhaare, Vlieswolle (Flaumhaare) und Grannenflaum (Vlieshaare). Die Wollhaare haben einen Durchmesser von durchschnittlich 9 -14 Mikrometer, einen geringeren als z. B. das Feinwoll-Merinoschaf mit 18-20 Mikron, rauwollige Milchschafe, Heidschnucken und andere sogar 35 - 45 Mikron.

    Das Warmhaltevermögen von Angorawolle ist um das Zwei- bis Dreifache größer als andere Wollarten. Dies ist einmal zurückzuführen auf die Feinheit der Haare im Faden und im Gewebe, größere Lufteinschlüsse und es wird noch dadurch unterstütz, dass sich im Angorahaar Luft befindet, was zur optimalen Zirkulation der Wärmeisolierung führt. Wenn wir ein Angora mit vielen Grannenhaaren haben, nennen wir das ein Haartier, wie z. B. das französische Angora. Ein Angora mit zu wenig oder keinem Grannenhaaren oder nur mit überwiegendem Vlieshaar wird als Wattetier oder Filzer bezeichnet.

    Die Notwendigkeit einer regelmäßigen Schur

    Die erste so genannte Nestschur wird im Alter von ca. 6 - 8 Wochen durchgeführt., da sonst durch die erschwerte Regulierung der Körpertemperatur, die Futteraufnahme und folglich das Wachstum beeinträchtigt werden. Für die Zuchtwertschätzung eignet sich am besten die Schur zwischen dem 7 - 8 Lebensmonat. Die durchschnittliche Nutzungsdauer für die Wollerzeugung beträgt unter dem Verlust der abnehmenden Wollleistung 3 - 4 Jahre.

    Die neuen Faktoren zur Errechnung des JWE sind: Schurergebnis x 4,35. Für die WRZ sind: 1. Sorte x 4,35, 2. Sorte x 3,26 und Filz x 1.

    Die neuen Schurintervalle sind von 91 auf 84 Tage gesenkt worden, weil festgestellt wurde, dass bei fortgeschrittenem Wollwachstum eine abnehmende Futteraufnahme der Tiere erfolgt, die zu Nährstoffmangel führt und dadurch die Wollmenge und Wollqualität beeinträchtigt wird. Oft ist bedingt durch die Regulierung der Körpertemperatur, die Fortpflanzungsleistung des Angorakaninchens nur etwa halb so hoch, wie bei den Normalhaarkaninchen. Der Geschlechtstrieb der Rammler ist manchmal weniger ausgeprägt und die Bereitschaft zur Duldung des Deckaktes ist bei der Häsin geringer. Die Zuchthäsinnen werden deshalb vor dem Tag des Deckens geschoren, sie werden bereitwilliger, hitziger. Der Zuchtrammler wird ca. alle 4 Wochen, geschoren.

    Anmerkung zum Wollnutzen:

    Die weißen Angorakaninchen liefern eine wolle die mit jeder Farbe bearbeitet werden kann. Das ist ein Vorteil gegenüber den farbigen Tieren die in allen anerkannten Farben, einfarbig zugelassen sind. Farbige Wolle ist für die Industrie nur dann geeignet, wenn sie in schöner Gleichmäßigkeit der Durchfärbung und in größerer Menge vorhanden ist.

    Andere Langhaarige

    Zu den verschieden langhaarigen Kaninchen gehören die anerkannten Rassekaninchen in Deutschland: das Fuchskaninchen und das Jamora, die jedoch nicht zur Wollgewinnung gezüchtet werden. Das sind die Langhaar-Kaninchen mit geringem Wollwachstum und mit einem hohen Anteil an Grannenhaaren. Bei diesen Kaninchen wirkt sich der ganz natürliche, jahreszeitlich bedingte, abstoßende Haarwechsel aus, und die Tiere müssen daher nicht geschoren werden.

    Arten der Angora-Kaninchen

    Wir unterscheiden derzeit vier Arten von Angorakaninchen, die wegen der Wollproduktion gezüchtet werden. Das französische Angora soll eine ausgesprochen grannenreiche Wolle besitzen, dadurch wird naturgemäß der Verfilzung vorgebeugt. Dieses Wolltier stößt nach ca. 4 Monaten seine Wolle ab. Diese wird durch abzupfen, geerntet, wobei hier eine Länge von 8 bis 16 cm erreicht werden kann. Es kann aber auch geschoren werden. Die vom französischen Angora erhaltenen langen Wollhaare eignen sich ganz besonders zur Herstellung flauschig weicher Strickwaren. Dazu kann auch das farbige Angorakaninchen mit seiner Wolle verwendet werden.

    Das deutsche Angora ist ganz auf Wollleistung gezüchtet. Das Wollvlies ist sehr fein und kann nach ca. 8 - 10 Wochen gewonnen werden. Die Wolle vom deutschen Angora wird für die Anfertigung von natürlicher Thermowäsche (Gesundheitswäsche) verwendet. Aus Angorawolle hergestellte Textilgewebe nehmen besser die von der Haut abgegebene Feuchtigkeit (Schweiß) auf als Schafwolle und synthetische Fasern. Es lassen sich daraus auch feine Strickwaren für die Bekleidung herstellen. Das deutsche Angorakaninchen wurde aus dem englischem Angora erzüchtet.

    Das englische Angora war ein kleineres, zierliches Kaninchen mit besonders feiner und auch langsamer nachwachsender Wolle, mit stark betonten Ohr-, Stirn- und Backenhaaren.

    Der damals als Schönheitsideal angesehene starke Kopf und Ohrenbehang ist nicht mehr erwünscht. Die Abgabe der durch den Stoffwechsel anfallenden Wärme wird behindert und durch den Kopfbehang wird eine Bindehautentzündung der Augen begünstigt.

    Diese Begleiterscheinungen, so genannte Pudelköpfe, sind im Hinblick auf ein gesundes und vitales Angorakaninchen und aus tierschutzrechtlicher Bestimmung bedenklich. Danach darf das Wohlbefinden eines Tieres nicht ohne zwingenden Grund (Qualzucht) nicht eingeschränkt werden.

    Farbenzwerge luxfarbigFarbenzwerge luxfarbig

    Das Thanghang-Angora ist eine chinesische Weiterzüchtung des deutschen Angora und ist größer als die Ausgangstiere. In den Jahren 1960/70 hat China rund 30 000 deutsche Angora aufgekauft und nach China eingeflogen. Dort wurden die deutschen Angora mit den chinesischen und französischen Angoras gekreuzt, um ganz bewusst ein schweres und mit grannenreicherer Wolle versehenes Angorakaninchen zu produzieren. Das wird derzeit den Wünschen der Textil verarbeitende Industrie gerecht und rund 95 % der weltweit anfallenden Angora-Rohwolle stammte im Jahr 2000 aus China.

    Ein "Außenseiter" in Deutschland

    Das Satin-Angora ist ein Kreuzungstier aus normalhaarigem Satinkaninchen mit französischem Angora und eine besonders hübsche Zuchtrichtung bei den Angorakaninchen. In verschiedenen Ländern ist das Satin-Angora als weitere Variante bereits anerkannt. Die Wolle von diesem Tier ist glänzend wie beim Satinkaninchen. Die Rasse wird gerne von Züchtern gehalten, die die gewonnene Satinwolle selbst verarbeiten wollen. In der Industrie ist die Satin-Angorawolle noch nicht angekommen, vielleicht weil sie überwiegend von farbigen Satin-Angoras stammt.

    Sie soll eine wertvolle Kaninchenrasse bleiben

    Durch die etwas aufwendigere Pflege der Angorakaninchen (4 - 5 Schuren jährlich) und die nicht mehr rentable Wollgewinnung (importierte Angorawolle aus dem Ausland, vor allem aus China, konkurrenzlos, billiger) ist diese schöne und wirtschaftlichste (Wolle und Fleisch) und somit das wertvollste Rassekaninchen überhaupt, ins Abseits gedrängt worden. Seit einigen Jahren schon steht es auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Nutztierrassen.

    Vielleicht und gerade deshalb ist das Angorakaninchen ein immer beliebteres Liebhaber- und Hobbyzucht-Kaninchen, zum Leidwesen mancher Herdbuchzüchter, die ihre Tiere lieber an Leistungszüchter abgeben, damit ihre Zuchtarbeit weitergeführt wird.

    Das Normalgewicht beim Angora ist 3,5 kg und das Höchstgewicht 5,25 kg. Am Kopf sollen die Tiere kurz sein, Stirn und Schnauze sind breit und die Backen voll entwickelt. Die Augenfarbe ist bei allen Albinos farblos und erscheinen rot, bei den leuzistischen A handelt es sich um weiße Angora mit blauen Augen. Die einfarbigen Angora haben die Augenfarbe, wie ihr Ausgangsrassen. Die Ohren sind fleischig, normal behaart, werden aufrecht getragen und sollen in richtiger Länge zum Körper erscheinen.

    Der Körper beim Angora ist leicht gestreckt, breit und geschlossen. Diese Merkmale kann man am besten am geschorenen Tier erkennen. Die Körperform wird bei der Bewertung abgetastet. Der Rumpf wird walzenförmig gewünscht, dazu passend, tief und breit. Hals und Nacken treten nicht in Erscheinung, der Rücken soll breit und die Flanken gut ausgefüllt, sein.

    Die Rückenlinie verläuft im Ebenmaß und die Hinterpartie ist gut abgerundet. Die Tiere stehen auf mittellangen und kräftigen Läufen, die bedingt durch den Behang, kürzer wirken. Wegen der übrigen Wolle sieht das Angora im Vergleich zu normalhaarigen Kaninchen kurz und gedrungen aus. Weiße Kaninchen besitzen farblose Krallen, bei den farbigen Typen entspricht die Krallenfarbe den Ausgangsrassen.

    Die Wolldichte und -länge muss sehr gut und dicht entwickelt sein, so dass man nicht auf den Haarboden (Fellhaut) sehen kann. Je dichter das Wollvlies, desto wertvoller ist das Tier. Die Wolllänge soll im Stapel beurteilt werden und 6 cm betragen, bei Ausstellungstieren und in den Leistungsklassen wird eine Mindestlänge von 3,5 cm verlangt. Die Ausgeglichenheit der Wolle soll am ganzen Körper gleichmäßig und dicht sein. Das mischwollige Vlies das aus den drei Haartypen besteht, muss eine gesunde, kräftige, nicht zur Filzbildung neigende Struktur besitzen.

    Die Unterwolle besteht aus dem fein gekräuselten, seidenweichem Wollhaar, das sich durch ein gutes Längenwachstum auszeichnet. Gewünscht wird ein mittelfeines, gleichmäßiges Wollhaar, das regelmäßig und kurz gewellt ist und einen seidigen Glanz besitzt. Der Grannenflaum vermittelt in seiner Qualität zwischen der Unterwolle und dem Grannenhaar. Er ist länger und grober gewellt und endet in einer feinen grannenartigen Spitze.

    Farbenzwerge luxfarbigDas Grannenhaar überragt als ein etwas stärkeres, gerade durchgehendes Haar das Wollvlies. Die Grannespitze ist kräftig. In der Regel besitzen die Häsinnen eine stärkere Grannenbildung als die Rammler, im besonderen maße ältere Häsinnen.

    Der Wert der Wolle bestimmt die Dichte der Unterwolle in Verbindung mit einem gut ausgebildeten Grannenflaum und dem an Länge überragenden, stärkeren Grannenhaar. Häsinnen sehen bis auf die geschlechtbedingten Merkmale gleich aus wie die Rammler, größere Wammen sind unerwünscht.

    Besondere Merkmale sind beim Angorakaninchen sind die Ohr- und Stirnbüschel, der Backenbart sowie der Behang an den Vorder- und Hinterläufen. Beim Rammler können diese Merkmale stärken ausgeprägt sein. Neben den weißen Angora sind alle einfarbigen Tier zugelassen. Sie sollen eine reine Farbe zeigen, so dass die Farbbestimmung der Ausgangsrasse zu Geltung kommt. Besonders fällt bei den farbigen auf, dass die kürzeren Haarpartien farbintensiver erscheinen als das lange Vlies am Rumpf. Dies gilt besonders für die Ohren, das Gesicht und die Läufe.

    Schon immer hat mich das etwas andere, eigenartige und majestätische Aussehen des Angorakaninchens fasziniert. Und nach dem ich vor Jahren entdeckt habe, dass diese schöne Kaninchenrasse auf der Roten Liste stand, entschloss ich mich für diese so liebenswürdige und im Wesen so ruhige, angenehme Kaninchenrasse. Durch meinen Beruf als Hundefriseurin vorbelastet und an den Umgang mit Tieren und Schere bzw. Schermaschine gewöhnt, war es diese Rasse, die ich hegen, pflegen und züchten wollte - und zwar aus Überzeugung.

    Diese Kaninchen sind es wert wieder mehr Verbreitung und Beachtung zu finden. Ist es doch das wirtschaftlich wertvollste Kaninchen und das schon zu Lebzeit, durch die Wollgewinnung und das für viele Jahre. Das Angorakaninchen ist eine Herausforderung an die Züchter und Liebhaber, die diese Rasse erhalten und verbessern wollen.

    Angora sind wie schon erwähnt nicht immer sonderlich fruchtbar, sie habe oft Probleme mit der Befruchtung, sie sind dann nur scheinträchtig. Haben sie einen Wurf, sind sie jedoch ruhige Muttertiere die ohne weiteres Nestkontrollen dulden. Die Anzahl der gesetzten Säuglinge schwankt stark in den einzelnen Linien und liegt bei 3 - 10 Jungen pro Wurf, die im Normalfall gut gesäugt und aufgezogen werden. Hier sollte vielleicht noch mehr Zuchtarbeit geleistet werden und nicht nur Wert auf eine immer höhere Wollleistung gelegt werden, da die Wolle schon lange nicht mehr die Nachfrage hat wie in den 60er und 70er Jahren, als für das Kilo Wolle nicht selten bis zu 120 DM bezahlt wurden.

    Es macht auch Spaß, außer weiße auch farbige Angora zu züchten, die sich gerade bei Liebhabern dieser Rasse durchsetzen und eine willkommene Abwechslung fürs Auge bieten. So sollten wir Angorazüchter und Liebhaber die Zeit nutzen, weiterhin gesunde, schöne und zur hoher und guter Aufzuchtsleistung fähige Kaninchen züchten, die wieder ihr Ansehen und ihre Verbreitung erfahren dürfen.

    Das Haus- und Heimtier

    Das Angorakaninchen eignet sich auch als Haustier/Heimtier. Bedingt durch sein ruhiges, freundliches Wesen und durch seine Haltung auf Stroh ist es sehr sauber und ohne Geruch. Es kann somit auch von Tierfreunden gehalten werden, wenn nur die rassebedingten Bedürfnisse eingehalten werden. Selbst zur Stubenreinheit kann es wie jedes andere Kaninchen erzogen werden und bei entsprechender Fürsorge und Beschäftigung ist dieses robuste, mittelgroße Kaninchen (Gewicht 3,5 - 5 kg) ein richtiger Freund und Kamerad der freundlich, zutraulich und geräuschlos ist.

    Angoras sollten nicht in zu kleinen Ställen gehalten werden, da sie in voller Wolle ein beachtliches Volumen in Hinblick auf ihren Leibesumfang erreichen können. Weiterhin ist es Pflicht das Angorakaninchen 4 - 5 mal im Jahr ca. alle 8 - 10 Wochen zu scheren - im Sommer kürzer, im Winter länger. Nach der Schur haben wir ein schlankes, agiles und mitunter temperamentvolles Tier, das für ein paar Wochen nur noch die Hälfte ist. Bei guter Pflege erfreut uns das Angora durch langjährige Gesundheit, da es wenig erblichbedingte Krankheiten hat.

    Durch die Vorstellung des Angorakaninchens hoffe ich, das nötige Interesse für diese nur noch von wenigen gezüchtete Rasse, wieder ein bisschen ins Licht gerückt zu haben und vielleicht der eine oder andere Tierfreund sich dieser wertvollsten Kaninchenrasse annimmt.

    Preisrichterliche Betrachtung

    Erst einmal Danke an Maika für diesen schönen Beitrag.

    Wie viele der anderen Rassen über die wir hier berichten, kommen sie einem Preisrichter auf den Schauen nur sehr selten auf dem Tisch, deshalb freut es mich um so mehr wenn sich hier immer wieder Züchter finden die aus ihrer Sicht einen Bericht schreiben. Ich möchte mir nicht anmaßen, nach den paar Angora die ich in den letzten Jahren bewertet habe eine umfassende Betrachtung zu schreiben.

    Es ist etwas ganz anderes ein Langhaarkaninchen zu bewerten, anstelle einer anderen Kaninchenrasse. Wo man bei jedem anderen Tier einmal über den Rücken streicht, muß man bei den Angora, wie schon von Maika geschrieben ertasten, ob das Tier rund oder eckig ist, ob die Schenkel abstehen u.s.w. Wenn man heute mal Angora auf einer Schau , so haben sie meistens eine sehr hohen Leistungsstand, Filzbildung sieht man sehr selten. Wie schon am Anfang gesagt, eine sehr schöne Rasse, die man leider viel zu selten sieht.

    Erbbiologische Betrachtung

    Der Bericht über die Angorakaninchen ist mit sehr viel Fleiß umfassend und detailliert geschrieben worden. Er könnte ohne jegliche Zusatzbetrachtungen hier stehen, weshalb ich mich auch sehr kurz halte. Hört man das Wort Angorakaninchen, so hat man zuerst das traditionelle weiße, rotäugige Wuscheltier vor Augen. Dieser albinotische Typ (a - - - - v/a - - - - v) ist der Inbegriff für die freundlichen Wollespender.

    Inzwischen sind lt. Standard alle Farbenschläge der einfarbigen Normalhaarrassen anerkannt. Russenfarbige A hingegen sind m. E. noch in der Phase der Neuzüchtung. Diese Erbformeln hier alle aufzulisten, würde den einen oder anderen User langweilen. Fragen zu den farbigen A werden hier aber gern beantwortet.

    (c) Heidrun Eknigk

    Wir bedanken uns bei Maika für diesen Bericht und die Fotos. Weiterer Dank gilt Tatjana Ruthmann, Kai Sander,Heiko Semmel und Siegfried Lübbert für Ihre Mitarbeit. Das Copyright liegt bei den jeweiligen Verfassern und beim Rassekaninchenzuchtforum e.V. Die Rechte der Grafiken liegen bei http://www.rkz-forum.com. Weitere Ergänzungen, Meinungen und Bilder zum Rassebericht bitte an webmaster@rkz-forum.com.de. Wir weisen nochmals ausdrücklich darauf hin, das die Bilder, Texte und Grafiken bestimmten Rechten unterliegen, und das wir Copyrightverletzungen strafrechtlich verfolgen lassen werden.

    (C) 2008 RKZ-Forum.com

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    Rasse des Monats:

    Zwergwidder siamfarbig-gelb

    Erstellt von Jürgen Hölter

    Ein Bericht von Jürgen Hölter, 46325 Borken-Burlo

    20 Jahre Erfahrung in der Zucht der Zwergwidder !!!

    Zusammen mit meiner Frau Beate Hölter züchten wir seit 20 Jahren Zwergwidder, sind im Kaninchenzuchtverein W 175 Südlohn u. Umgebung e. V. Wir möchten über unsere Erfahrungen berichten, um Züchtern zu helfen, die neu mit der Zucht beginnen, kleine Hinweise über positive und negative Erfahrungen sollen dazu beitragen, schnell und erfolgreich Zwergwidder zu züchten. Dieser Beitrag soll zeigen, dass man auch in einer kleinen Zucht mit viel Erfolg Zwergwidder züchten kann. Unsere Zuchtanlage umfasst 33 Buchten, und in der Regel sind zwei Farbenschläge in unserer Zuchtanlage anzutreffen. Zurzeit sind es die Zwergwidder, siamgelb und die Zwergwidder, weiß Rotaugen. Die Zwergwidder, siamgelb haben wir seit fünf Jahren. Wir sind sehr erstaunt, welche züchterischen Fortschritte wir mit einer sehr schönen, jedoch schwierigen Rasse in kurzer Zeit verzeichnen konnten. Wir züchten pro Farbenschlag mit 5 Häsinen und 2 Rammler. Alle Zuchttiere müssen gute Vertreter ihrer Rasse sein. Körperform, Rassewerte (Kopf u. Behang) und natürlich ist es auch gut, wenn die Ausgangstiere noch ein gutes Fell haben. Bei den Zwergwiddern, siamgelb ist man jedoch schon stolz, wenn man gute Rassewerte, Körperform und die passende Zeichnung hat.

    Ganz wichtig in der Zucht ist jedoch die Wurfstärke und das Aufzuchtverhalten der Häsinnen. Hier merzen Häsinnen sofort aus der Zucht aus, die dieses Kriterium nicht erfüllen. Die Wurfstärke bei den Zwergwiddern, siamgelb liegt im Durchschnitt bei 5 Jungtieren pro Wurf. Im Zuchtjahr 2004 wurden von Häsinnen sogar Würfe mit 8 Jungtiere großgezogen.

    Bereits im Alter von sechs Wochen werden die ersten Jungtiere selektiert. Bei den Zwergwiddern, siamgelb bevorzugten wir den helleren Typ, obwohl viele Züchter die Meinung haben, das nur hell mit dunkel verpaart werden solle. Die ersten zwei Jahre haben wir uns auch daran gehalten. Ab dem dritten Jahr haben wir jedoch Zeichnungs-Typ mal Zeichnungs-Typ verpaart.

    Nachteile bei der Verpaarung dunkel mal Zeichnungs-Typ:

    Sehr viele dunkle Tiere, wenige typisch gezeichnete Tiere. Alle dunklen Tiere sind keine Ausstellungstiere und zeigen deutliche Thüringer-Abzeichen. Leider sieht man auf den Ausstellungen noch viele gut bewertete Tiere, die nach meiner Meinung nichts mit der Zeichnung des Siamgelb zu tun haben.

    Verpaarung Zeichnungs-Typ, siamgelb mal Zeichnungs-Typ:

    Sehr viele typgezeichnete Tiere, die sogar mit 6 Monaten eine gute Zeichnung zeigen, sehr wenig dunkele Tiere, jedoch im Verhältnis 1/3 der Jungtiere sind weiß RA.

    Hiermit möchte ich nicht sagen, dass die dunklen Tiere in der Zucht nicht benötigt werden. Bin jedoch der Meinung, dass in manchen Zuchten zuviel dunkle Tiere eingesetzt werden. Im Zuchtjahr 2004 haben wir die Erfahrung gemacht, dass wir bei 6 hellen Häsinnen und zwei Rammlern ein heller ein dunkler Typ, bei der Verpaarung (Zeichnungs-Typ mal Zeichnungs-Typ) bedeutend mehr Zeichnungs-Typ Tiere gezogen haben als umgekehrt. Als Anfänger dieses schönen Farbenschlages, sollte man sich pro Zuchtjahr auch nur ein Ziel setzen, um dieses möglichst zu erreichen. Wir haben z. B. in den ersten beiden Jahren unsere Zuchtziele auf Größe und Rassemerkmale (Kopf u. Ohren) beschränkt. Diese, so konnte man bei der Bewertung der Tiere auf den Ausstellungen feststellen, wurden positiv verbessert. Für die nächsten Jahre möchten wir die Zeichnung der siamgelb-farbigen Zwergwidder deutlich verbessern. Für die Rasse wäre es bestimmt gut, wenn man sich in einer Interessen-Gemeinschaft mit möglichst vielen Züchtern wenigstens einmal pro Jahr austauscht. Dieses wurde bereits von uns versucht, jedoch mussten wir feststellen, nicht angenommen.

    Man sollte eine Interessen-Gemeinschaft nicht wie einen Verein oder einen Club sehen, dieses sollte einfach nur eine Zusammenkunft mit Zuchtfreunden sein, die als Zuchtziel die Verbesserung der Rasse im Kopf haben. Schön wäre auch, wenn auf unseren Ausstellungen von den Preisrichtern eine möglichst gleiche Sprache gesprochen würde. So muß man immer wieder feststellen, dass Tiere ohne Rückenstreifen gut bewertet werden, obwohl dieses lt. Standard ein schwerer Fehler ist.

    Wer sich auf der Bundesschau in Stuttgart die großen Vertreter - die Siamesen - angesehen hat, musste feststellen, dass diese zeichnungsmäßig schon super waren gegenüber den Zwergwiddern. Sogar die Farbenzwerge, siamgelb waren von der Zeichnung schon sehr ansprechend. Bei den Zwergwiddern waren auch einige sehr schön gezeichnete Tiere, aber auch viele, die mit dem Farbenschlag, siamgelb nichts zu tun haben. Eine Zucht auch im kleinen Maße, kann nur funktionieren, wenn man ein gutes Auge hat und gezielt selektieren kann. In unserer Zucht mit den Zwergwiddern haben wir bereits alles gewonnen, vom Europameister, Europasieger, Bundesmeister, Bundessieger, Landes-, Club-, Kreis- und Vereinsmeister.

    Allen Züchtern der Zwergwidder, siamfarbig-gelb wünschen wir viel Freude an ihren Tieren und auf den Ausstellungen den gewünschten Erfolg. Über Anregungen oder eigene Erfahrungen würden wir uns sehr freuen.

    Meine Adresse: Jürgen Hölter, Fahrenbrink 6, 46325 Borken-Burlo

    Mitglied im Kaninchenzuchtverein W.175 Südlohn
    Im Kreisvorstand Obmann für Öffentlichkeitsarbeit.

    Preisrichterliche Betrachtung

    Ein sehr schöner Bericht, der besonders auf die Position 6 festlegt. Da wir ja auch schon in vorhergehenden Berichten die andern Positionen besprochen haben ist das auch gut so. Natürlich ist der Rassestand in den Positionen zwar ein unterschiedlicher aber die Anforderungen die selben.

    Ich finde es richtig, wenn man zur Verbesserung seiner Zucht einen Punkt nach dem anderen angeht, ohne natürlich das ganze aus dem Auge zu verlieren. Zu der gleichen Sprache der Preisrichter muss ich sagen, gerade mit dem neuen Standard und den leichten und schweren Fehlern nach jeder Position hat sich nach meiner Ansicht die Standardkommission bemüht dafür den Weg zu ebnen, leider gibt es immer noch regionale Unterschiede, die aber durch intensive Schulungen in den Preisrichtergruppen und Landesverbänden hoffentlich langsam ausgebügelt werden.

    Nun zu den Siamgelben ich selber habe schon Tiere auf dem Tisch gehabt wo wir, wegen dem schwachen Rückenstreifen mit mehreren Preisrichtern überlegt haben Ausschluss oder nicht? Zum Wohl der Verbreitung einer solch seltenen Rasse haben wir uns nur für einen größeren Abzug in Position 6 ausgesprochen. Auf der Widder-AG-Schau im folgendem Jahr hat die Rasse auch schon einen Fortschritt in die richtige Richtung gemacht. Man muss nach meiner Ansicht dem Züchter Fehler aufzeichnen, aber ich halte es nicht für richtig ihnen jede Illusion zu nehmen.

    Nun noch einige Detail zu Farbe und Abzeichen:

    Die Deckfarbe soll hellgelblich mit leicht bräunlichen Anflug. Die Abzeichen umfassen die Maske, die etwa bis zur Augenhöhe reicht, den gefärbten Ohren, Läufe und Blume, die Übergänge zur Deckfarbe sollen fließen und nicht zu scharf abgegrenzt sein. Auch die hellere Stirn und die Backenpunkte gehören zu den Abzeichen. Auf dem Rücken zeigt sich ein ca. 8 cm breiter, etwas dunkeler Streifen der ebenfalls nicht scharf abgegrenzt sein darf. Die Unterseite der Blume ist cremfarbig.

    Wir haben es also mit einem Farbenschlag zu tun, der bestimmt seine Liebhaber finden wird und es ist zu hoffen, das er sich weiter verbreitet.

    Erbbiologische Betrachtung

    Nach diesem Rassebericht erscheinen einige Hinweise zur Vererbung unbedingt erforderlich. Züchter dieser recht imposanten Rasse mögen sich mit den Anforderungen an dieses interessante Farbbild bestens auskennen und nach diesem Bild auch Zucht- und Ausstellungstiere erfolgreich selektieren. In der Beschreibung wird deutlich, dass Grundlagen der Vererbung manchmal dazu beitragen können, Zusammenhänge leichter zu erkennen.

    Der Siamese - als Vorbild Zwergwidder, siamgelb - ist im Grund seiner erbbiologischen Anlage noch ein Stückchen des Thüringerkaninchens. Erst ein Pigmentabbau analog des Marderkaninchens, brau und einer verminderten Einlage dunklen Pigments im Haar führt dazu, dass das interessante hellgelbliche Farbenspiel mit den markanten, dunklen Rassemerkmalen (Abzeichen) entstehen kann.

    Und diese Abzeichen müssen in ihrer Tönung neben der verhältnismäßig hellen Deckfarbe (abgesehen von dem etwas dunkleren Rückenstreifen) kräftig erscheinen. Betrachtet man die erwähnten Rassen im Einzelnen, so wird erkennbar, wie sich die Siamfarbe überhaupt entwickelt und mit der Reduzierung des dunklen Pigments einfach heller darstellen muss.

    So, verehrte Zuchtfreunde, rein in die Genetik!

    Zwergwidder, siamgelb (im Folgenden spreche ich nur von Siamesen) mit der Erbformel ambCDg/anbCDg = das typische Ausstellungstier, das man auch gut und gerne Gelbmarder nennen könnte, den als Rasse direkt jedoch nicht gibt. Und hier der symbolische Vergleich zum Thüringerkaninchen: AbCDg/AbCDg.

    In den Abzeichen (Rassemerkmale, die im Standard klar definiert sind) ähneln sich beide Rassen, nur der farbliche Unterschied am Körper ist doch recht markant. Und im Bereich der Formel wird dies auch schon angezeigt. Die Kombination am/an verweist weiterhin darauf, hier sind zwei Dinge zu beachten:

    1. Das typische und auch standardisierte Tier (Ausstellungstier) ist ein spalterbiges Mittelding zwischen einem Russen (an/an) und dem reinerbigen Marder (am/am).

    2. Beide Faktoren (Marder- und Russenfaktor) gehören zur so genannten Albino-Serie, was erklärbar macht, dass Farbverluste eintreten müssen. Nun gut, der Gedanke mag schwerfallen, wenn man an die im Beitrag erwähnten dunklen Typen denkt.

    Wenn ich im weiteren Verlauf den Marder und Russen erwähne, so bezieht sich das auf die bereits genannten Faktoren am und an. Den farblichen Unterschied habe ich soweit genannt, das Erbverhalten bei Siamesen und Siamfarbigen ist analog der Marderrassen zu verstehen.

    Widmen wir uns nun dem Erbverhalten der Siamesen, das dem intermediären Erbgang unterliegt (inter lat. = zwischen, medium lat. Mitte, also zwischenliegend oder ein Zwischenglied bildend).

    Ich nannte den Russenfaktor an/an den Partner des Dunkelsiamesen am/am, um aus einem gemeinsamen genetischen Zusammenspiel den so genannten Typsiamesen (am/an) zu erhalten. Wir erkennen die Faktorenunterschiede (Marder und Russen) der Erbformel, folglich ist der ausstellungswürdige Bastard spalterbig, wie ich bereits erwähnte.

    Damit es zu keinen Missverständnissen bei dem Begriff "Russen" kommt: Natürlich ist nicht das kleine Russenkaninchen der Partner im Erbgeschehen der Rasse des Monats. Nennen wir sie in der weiteren Beschreibung deshalb "Russenfarbige" oder auch "russenfarbige Siamesen".

    Frisch ans Werk, verehrte Zuchtfreunde, nun wird wieder einmal gearbeitet.

    Wir verpaaren nun den reinerbigen (homozygoten) russenfarbigen Siam, thüringerfarbig mit dem Dunkelsiam, der ja ebenfalls reinerbig ist.

    Vater

    Russen(th)farbiger

    Mutter

    Dunkelsiam

    anbCDg/anbCDg

    X

    ambCDg/ambCDg

    Tochtergeneration

    ambCDg/anbCDg

    25 % Typsiam, gelb

    amBCDg/anBCDg

    25 % Typsiam, gelb

    amBCDg/anBCDg

    25 % Typsiam, gelb

    amBCDg/anBCDg

    25 % Typsiam, gelb

    In der F1 (1. Tochtergeneration) erhalten wir eine 100-prozentige Nachkommenschaft des Ausstellungstyps, die bei Übereinstimmung mit allen Anforderungen des Standards auch die Ausstellungstiere wären. Nach Mendel ist dies die Regel 1, die eine Uniformität zur Folge hat.

    Nun praktizieren wir das gängigste Zuchtverfahren und verpaaren zwei Typsiam miteinander.

    Vater

    Typsiam

    Mutter

    Typsiam

    ambCDg/anbCDg

    X

    ambCDg/anbCDg

    Tochtergeneration

    ambCDg/ambCDg

    25 % Dunkelsiam, reinerbig

    ambCDg/anbCDg

    25 % Typsiam, gelb, spalterbig

    ambCDg/anbCDg

    25 % Typsiam, gelb, spalterbig

    anbCDg/anbCDg

    25 % russen-thür.-farbig, reinerbig

    Wir erleben hier die theoretische Aufspaltungsmöglichkeit im Verhältnis 1 : 2 : 1, das heißt es besteht die Möglichkeit, dass 50 Prozent der Jungtiere ausstellungsberechtigte Typsiam und jeweils 25 Prozent reinerbige dunkle Siam und russenfarbige Siam (mit der Anlage für Thüringer, nicht Gelb) zu erwarten sind.

    Die 50 Prozent so genannter Typsiam stellen wieder den standardisierten, ausstellungsfähigen Typ dar. Die Dunkelsiam und Russenfarbigen können durchaus in der Zucht verbleiben, wie das Kreuzungsbeispiel Russenfarbiger X Dunkelsiam belegt. Ein Züchter wird sich immer dann für ein Verbleiben der beiden reinerbigen Nebenprodukte im Zuchtgeschehen entscheiden, wenn er an diesen Tieren positive Merkmale erkennt, die er für eine Rasseverbesserung nutzen kann und möchte.

    Hinweis: Anders als bei den Punktschecken (z. B. Englische Schecke, Deutsche Riesenschecke) ist hier die russenfarbige Nachzucht grundsätzlich weiter verwendbar, das heißt, sie ist nicht dem gefürchteten Letalfaktor (letal = zum Tode führend, tödlich, todbringend) unterlegen.

    Wenn im Beitrag des Zuchtfreundes die Rede davon ist, dass in den Zuchten rotäugige Zwergwidder fallen, so ist dies ein Ereignis, das auch bei den Marderrassen vorkommt. In dem Fall sind es Tiere, die bereits Farbanlagen gänzlich verloren haben, also Vollalbino sind. Bei der Farbanlage der Siamesen und siamesenfarbigen Rassen ist diese Tatsache jedoch bedenklich, da auch die Farbreduzierung von B (dunkles Pigment) zu b (Gelb) mehr zu helleren Tieren führt. Nun kommt der Pigmentverlust des Albino hinzu (am/a) und das kann durchaus dazu führen, dass die Zeichnungsmerkmale heller erscheinen/ausfallen und folglich mit Punktabzügen gestraft werden.

    (c) Heidrun Eknigk

    Wir bedanken uns bei Jürgen Hölter für diesen Bericht und die Fotos. Weiterer Dank gilt Tatjana Ruthmann, Kai Sander,Heiko Semmel und Siegfried Lübbert für Ihre Mitarbeit. Das Copyright liegt bei den jeweiligen Verfassern und beim Rassekaninchenzuchtforum e.V. Die Rechte der Grafiken liegen bei http://www.rkz-forum.com. Weitere Ergänzungen, Meinungen und Bilder zum Rassebericht bitte an webmaster@rkz-forum.de. Wir weisen nochmals ausdrücklich darauf hin, das die Bilder, Texte und Grafiken bestimmten Rechten unterliegen, und das wir Copyrightverletzungen strafrechtlich verfolgen lassen werden.

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    Rasse des Monats:

    Zwergwidder siamfarbig-gelb

    Erstellt von Jürgen Hölter

    Ein Bericht von Jürgen Hölter, 46325 Borken-Burlo

    20 Jahre Erfahrung in der Zucht der Zwergwidder !!!

    Zusammen mit meiner Frau Beate Hölter züchten wir seit 20 Jahren Zwergwidder, sind im Kaninchenzuchtverein W 175 Südlohn u. Umgebung e. V. Wir möchten über unsere Erfahrungen berichten, um Züchtern zu helfen, die neu mit der Zucht beginnen, kleine Hinweise über positive und negative Erfahrungen sollen dazu beitragen, schnell und erfolgreich Zwergwidder zu züchten. Dieser Beitrag soll zeigen, dass man auch in einer kleinen Zucht mit viel Erfolg Zwergwidder züchten kann. Unsere Zuchtanlage umfasst 33 Buchten, und in der Regel sind zwei Farbenschläge in unserer Zuchtanlage anzutreffen. Zurzeit sind es die Zwergwidder, siamgelb und die Zwergwidder, weiß Rotaugen. Die Zwergwidder, siamgelb haben wir seit fünf Jahren. Wir sind sehr erstaunt, welche züchterischen Fortschritte wir mit einer sehr schönen, jedoch schwierigen Rasse in kurzer Zeit verzeichnen konnten. Wir züchten pro Farbenschlag mit 5 Häsinen und 2 Rammler. Alle Zuchttiere müssen gute Vertreter ihrer Rasse sein. Körperform, Rassewerte (Kopf u. Behang) und natürlich ist es auch gut, wenn die Ausgangstiere noch ein gutes Fell haben. Bei den Zwergwiddern, siamgelb ist man jedoch schon stolz, wenn man gute Rassewerte, Körperform und die passende Zeichnung hat.

    Ganz wichtig in der Zucht ist jedoch die Wurfstärke und das Aufzuchtverhalten der Häsinnen. Hier merzen Häsinnen sofort aus der Zucht aus, die dieses Kriterium nicht erfüllen. Die Wurfstärke bei den Zwergwiddern, siamgelb liegt im Durchschnitt bei 5 Jungtieren pro Wurf. Im Zuchtjahr 2004 wurden von Häsinnen sogar Würfe mit 8 Jungtiere großgezogen.

    Bereits im Alter von sechs Wochen werden die ersten Jungtiere selektiert. Bei den Zwergwiddern, siamgelb bevorzugten wir den helleren Typ, obwohl viele Züchter die Meinung haben, das nur hell mit dunkel verpaart werden solle. Die ersten zwei Jahre haben wir uns auch daran gehalten. Ab dem dritten Jahr haben wir jedoch Zeichnungs-Typ mal Zeichnungs-Typ verpaart.

    Nachteile bei der Verpaarung dunkel mal Zeichnungs-Typ:

    Sehr viele dunkle Tiere, wenige typisch gezeichnete Tiere. Alle dunklen Tiere sind keine Ausstellungstiere und zeigen deutliche Thüringer-Abzeichen. Leider sieht man auf den Ausstellungen noch viele gut bewertete Tiere, die nach meiner Meinung nichts mit der Zeichnung des Siamgelb zu tun haben.

    Verpaarung Zeichnungs-Typ, siamgelb mal Zeichnungs-Typ:

    Sehr viele typgezeichnete Tiere, die sogar mit 6 Monaten eine gute Zeichnung zeigen, sehr wenig dunkele Tiere, jedoch im Verhältnis 1/3 der Jungtiere sind weiß RA.

    Hiermit möchte ich nicht sagen, dass die dunklen Tiere in der Zucht nicht benötigt werden. Bin jedoch der Meinung, dass in manchen Zuchten zuviel dunkle Tiere eingesetzt werden. Im Zuchtjahr 2004 haben wir die Erfahrung gemacht, dass wir bei 6 hellen Häsinnen und zwei Rammlern ein heller ein dunkler Typ, bei der Verpaarung (Zeichnungs-Typ mal Zeichnungs-Typ) bedeutend mehr Zeichnungs-Typ Tiere gezogen haben als umgekehrt. Als Anfänger dieses schönen Farbenschlages, sollte man sich pro Zuchtjahr auch nur ein Ziel setzen, um dieses möglichst zu erreichen. Wir haben z. B. in den ersten beiden Jahren unsere Zuchtziele auf Größe und Rassemerkmale (Kopf u. Ohren) beschränkt. Diese, so konnte man bei der Bewertung der Tiere auf den Ausstellungen feststellen, wurden positiv verbessert. Für die nächsten Jahre möchten wir die Zeichnung der siamgelb-farbigen Zwergwidder deutlich verbessern. Für die Rasse wäre es bestimmt gut, wenn man sich in einer Interessen-Gemeinschaft mit möglichst vielen Züchtern wenigstens einmal pro Jahr austauscht. Dieses wurde bereits von uns versucht, jedoch mussten wir feststellen, nicht angenommen.

    Man sollte eine Interessen-Gemeinschaft nicht wie einen Verein oder einen Club sehen, dieses sollte einfach nur eine Zusammenkunft mit Zuchtfreunden sein, die als Zuchtziel die Verbesserung der Rasse im Kopf haben. Schön wäre auch, wenn auf unseren Ausstellungen von den Preisrichtern eine möglichst gleiche Sprache gesprochen würde. So muß man immer wieder feststellen, dass Tiere ohne Rückenstreifen gut bewertet werden, obwohl dieses lt. Standard ein schwerer Fehler ist.

    Wer sich auf der Bundesschau in Stuttgart die großen Vertreter - die Siamesen - angesehen hat, musste feststellen, dass diese zeichnungsmäßig schon super waren gegenüber den Zwergwiddern. Sogar die Farbenzwerge, siamgelb waren von der Zeichnung schon sehr ansprechend. Bei den Zwergwiddern waren auch einige sehr schön gezeichnete Tiere, aber auch viele, die mit dem Farbenschlag, siamgelb nichts zu tun haben. Eine Zucht auch im kleinen Maße, kann nur funktionieren, wenn man ein gutes Auge hat und gezielt selektieren kann. In unserer Zucht mit den Zwergwiddern haben wir bereits alles gewonnen, vom Europameister, Europasieger, Bundesmeister, Bundessieger, Landes-, Club-, Kreis- und Vereinsmeister.

    Allen Züchtern der Zwergwidder, siamfarbig-gelb wünschen wir viel Freude an ihren Tieren und auf den Ausstellungen den gewünschten Erfolg. Über Anregungen oder eigene Erfahrungen würden wir uns sehr freuen.

    Meine Adresse: Jürgen Hölter, Fahrenbrink 6, 46325 Borken-Burlo

    Mitglied im Kaninchenzuchtverein W.175 Südlohn
    Im Kreisvorstand Obmann für Öffentlichkeitsarbeit.

    Preisrichterliche Betrachtung

    Ein sehr schöner Bericht, der besonders auf die Position 6 festlegt. Da wir ja auch schon in vorhergehenden Berichten die andern Positionen besprochen haben ist das auch gut so. Natürlich ist der Rassestand in den Positionen zwar ein unterschiedlicher aber die Anforderungen die selben.

    Ich finde es richtig, wenn man zur Verbesserung seiner Zucht einen Punkt nach dem anderen angeht, ohne natürlich das ganze aus dem Auge zu verlieren. Zu der gleichen Sprache der Preisrichter muss ich sagen, gerade mit dem neuen Standard und den leichten und schweren Fehlern nach jeder Position hat sich nach meiner Ansicht die Standardkommission bemüht dafür den Weg zu ebnen, leider gibt es immer noch regionale Unterschiede, die aber durch intensive Schulungen in den Preisrichtergruppen und Landesverbänden hoffentlich langsam ausgebügelt werden.

    Nun zu den Siamgelben ich selber habe schon Tiere auf dem Tisch gehabt wo wir, wegen dem schwachen Rückenstreifen mit mehreren Preisrichtern überlegt haben Ausschluss oder nicht? Zum Wohl der Verbreitung einer solch seltenen Rasse haben wir uns nur für einen größeren Abzug in Position 6 ausgesprochen. Auf der Widder-AG-Schau im folgendem Jahr hat die Rasse auch schon einen Fortschritt in die richtige Richtung gemacht. Man muss nach meiner Ansicht dem Züchter Fehler aufzeichnen, aber ich halte es nicht für richtig ihnen jede Illusion zu nehmen.

    Nun noch einige Detail zu Farbe und Abzeichen:

    Die Deckfarbe soll hellgelblich mit leicht bräunlichen Anflug. Die Abzeichen umfassen die Maske, die etwa bis zur Augenhöhe reicht, den gefärbten Ohren, Läufe und Blume, die Übergänge zur Deckfarbe sollen fließen und nicht zu scharf abgegrenzt sein. Auch die hellere Stirn und die Backenpunkte gehören zu den Abzeichen. Auf dem Rücken zeigt sich ein ca. 8 cm breiter, etwas dunkeler Streifen der ebenfalls nicht scharf abgegrenzt sein darf. Die Unterseite der Blume ist cremfarbig.

    Wir haben es also mit einem Farbenschlag zu tun, der bestimmt seine Liebhaber finden wird und es ist zu hoffen, das er sich weiter verbreitet.

    Erbbiologische Betrachtung

    Nach diesem Rassebericht erscheinen einige Hinweise zur Vererbung unbedingt erforderlich. Züchter dieser recht imposanten Rasse mögen sich mit den Anforderungen an dieses interessante Farbbild bestens auskennen und nach diesem Bild auch Zucht- und Ausstellungstiere erfolgreich selektieren. In der Beschreibung wird deutlich, dass Grundlagen der Vererbung manchmal dazu beitragen können, Zusammenhänge leichter zu erkennen.

    Der Siamese - als Vorbild Zwergwidder, siamgelb - ist im Grund seiner erbbiologischen Anlage noch ein Stückchen des Thüringerkaninchens. Erst ein Pigmentabbau analog des Marderkaninchens, brau und einer verminderten Einlage dunklen Pigments im Haar führt dazu, dass das interessante hellgelbliche Farbenspiel mit den markanten, dunklen Rassemerkmalen (Abzeichen) entstehen kann.

    Und diese Abzeichen müssen in ihrer Tönung neben der verhältnismäßig hellen Deckfarbe (abgesehen von dem etwas dunkleren Rückenstreifen) kräftig erscheinen. Betrachtet man die erwähnten Rassen im Einzelnen, so wird erkennbar, wie sich die Siamfarbe überhaupt entwickelt und mit der Reduzierung des dunklen Pigments einfach heller darstellen muss.

    So, verehrte Zuchtfreunde, rein in die Genetik!

    Zwergwidder, siamgelb (im Folgenden spreche ich nur von Siamesen) mit der Erbformel ambCDg/anbCDg = das typische Ausstellungstier, das man auch gut und gerne Gelbmarder nennen könnte, den als Rasse direkt jedoch nicht gibt. Und hier der symbolische Vergleich zum Thüringerkaninchen: AbCDg/AbCDg.

    In den Abzeichen (Rassemerkmale, die im Standard klar definiert sind) ähneln sich beide Rassen, nur der farbliche Unterschied am Körper ist doch recht markant. Und im Bereich der Formel wird dies auch schon angezeigt. Die Kombination am/an verweist weiterhin darauf, hier sind zwei Dinge zu beachten:

    1. Das typische und auch standardisierte Tier (Ausstellungstier) ist ein spalterbiges Mittelding zwischen einem Russen (an/an) und dem reinerbigen Marder (am/am).

    2. Beide Faktoren (Marder- und Russenfaktor) gehören zur so genannten Albino-Serie, was erklärbar macht, dass Farbverluste eintreten müssen. Nun gut, der Gedanke mag schwerfallen, wenn man an die im Beitrag erwähnten dunklen Typen denkt.

    Wenn ich im weiteren Verlauf den Marder und Russen erwähne, so bezieht sich das auf die bereits genannten Faktoren am und an. Den farblichen Unterschied habe ich soweit genannt, das Erbverhalten bei Siamesen und Siamfarbigen ist analog der Marderrassen zu verstehen.

    Widmen wir uns nun dem Erbverhalten der Siamesen, das dem intermediären Erbgang unterliegt (inter lat. = zwischen, medium lat. Mitte, also zwischenliegend oder ein Zwischenglied bildend).

    Ich nannte den Russenfaktor an/an den Partner des Dunkelsiamesen am/am, um aus einem gemeinsamen genetischen Zusammenspiel den so genannten Typsiamesen (am/an) zu erhalten. Wir erkennen die Faktorenunterschiede (Marder und Russen) der Erbformel, folglich ist der ausstellungswürdige Bastard spalterbig, wie ich bereits erwähnte.

    Damit es zu keinen Missverständnissen bei dem Begriff "Russen" kommt: Natürlich ist nicht das kleine Russenkaninchen der Partner im Erbgeschehen der Rasse des Monats. Nennen wir sie in der weiteren Beschreibung deshalb "Russenfarbige" oder auch "russenfarbige Siamesen".

    Frisch ans Werk, verehrte Zuchtfreunde, nun wird wieder einmal gearbeitet.

    Wir verpaaren nun den reinerbigen (homozygoten) russenfarbigen Siam, thüringerfarbig mit dem Dunkelsiam, der ja ebenfalls reinerbig ist.

    Vater

    Russen(th)farbiger

    Mutter

    Dunkelsiam

    anbCDg/anbCDg

    X

    ambCDg/ambCDg

    Tochtergeneration

    ambCDg/anbCDg

    25 % Typsiam, gelb

    amBCDg/anBCDg

    25 % Typsiam, gelb

    amBCDg/anBCDg

    25 % Typsiam, gelb

    amBCDg/anBCDg

    25 % Typsiam, gelb

    In der F1 (1. Tochtergeneration) erhalten wir eine 100-prozentige Nachkommenschaft des Ausstellungstyps, die bei Übereinstimmung mit allen Anforderungen des Standards auch die Ausstellungstiere wären. Nach Mendel ist dies die Regel 1, die eine Uniformität zur Folge hat.

    Nun praktizieren wir das gängigste Zuchtverfahren und verpaaren zwei Typsiam miteinander.

    Vater

    Typsiam

    Mutter

    Typsiam

    ambCDg/anbCDg

    X

    ambCDg/anbCDg

    Tochtergeneration

    ambCDg/ambCDg

    25 % Dunkelsiam, reinerbig

    ambCDg/anbCDg

    25 % Typsiam, gelb, spalterbig

    ambCDg/anbCDg

    25 % Typsiam, gelb, spalterbig

    anbCDg/anbCDg

    25 % russen-thür.-farbig, reinerbig

    Wir erleben hier die theoretische Aufspaltungsmöglichkeit im Verhältnis 1 : 2 : 1, das heißt es besteht die Möglichkeit, dass 50 Prozent der Jungtiere ausstellungsberechtigte Typsiam und jeweils 25 Prozent reinerbige dunkle Siam und russenfarbige Siam (mit der Anlage für Thüringer, nicht Gelb) zu erwarten sind.

    Die 50 Prozent so genannter Typsiam stellen wieder den standardisierten, ausstellungsfähigen Typ dar. Die Dunkelsiam und Russenfarbigen können durchaus in der Zucht verbleiben, wie das Kreuzungsbeispiel Russenfarbiger X Dunkelsiam belegt. Ein Züchter wird sich immer dann für ein Verbleiben der beiden reinerbigen Nebenprodukte im Zuchtgeschehen entscheiden, wenn er an diesen Tieren positive Merkmale erkennt, die er für eine Rasseverbesserung nutzen kann und möchte.

    Hinweis: Anders als bei den Punktschecken (z. B. Englische Schecke, Deutsche Riesenschecke) ist hier die russenfarbige Nachzucht grundsätzlich weiter verwendbar, das heißt, sie ist nicht dem gefürchteten Letalfaktor (letal = zum Tode führend, tödlich, todbringend) unterlegen.

    Wenn im Beitrag des Zuchtfreundes die Rede davon ist, dass in den Zuchten rotäugige Zwergwidder fallen, so ist dies ein Ereignis, das auch bei den Marderrassen vorkommt. In dem Fall sind es Tiere, die bereits Farbanlagen gänzlich verloren haben, also Vollalbino sind. Bei der Farbanlage der Siamesen und siamesenfarbigen Rassen ist diese Tatsache jedoch bedenklich, da auch die Farbreduzierung von B (dunkles Pigment) zu b (Gelb) mehr zu helleren Tieren führt. Nun kommt der Pigmentverlust des Albino hinzu (am/a) und das kann durchaus dazu führen, dass die Zeichnungsmerkmale heller erscheinen/ausfallen und folglich mit Punktabzügen gestraft werden.

    (c) Heidrun Eknigk

    Wir bedanken uns bei Jürgen Hölter für diesen Bericht und die Fotos. Weiterer Dank gilt Tatjana Ruthmann, Kai Sander,Heiko Semmel und Siegfried Lübbert für Ihre Mitarbeit. Das Copyright liegt bei den jeweiligen Verfassern und beim Rassekaninchenzuchtforum e.V. Die Rechte der Grafiken liegen bei http://www.rkz-forum.com. Weitere Ergänzungen, Meinungen und Bilder zum Rassebericht bitte an webmaster@rkz-forum.de. Wir weisen nochmals ausdrücklich darauf hin, das die Bilder, Texte und Grafiken bestimmten Rechten unterliegen, und das wir Copyrightverletzungen strafrechtlich verfolgen lassen werden.

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    Rasse des Monats:

    Zwergwidder schwarzgrannenfarbig

    Ein Bericht von Hans Höhne

    Aus meiner Zucht der Zwergwidder weißgrannen-schwarz der Jahre 1998 - 1999 fiel immer wieder einmal ein fehlfarbenes" Tier, das ich zunächst immer als Spielhäschen weggab. Eines Tages kam Zuchtfreund und Preisrichter Erich Bauer bei mir vorbei, der meinte, dass es sich um schwarzgrannenfarbige Tiere handeln würde, die im Ausland - vermutlich Holland und Frankreich - bereits zugelassen seien. Er riet mir, einen Zuchtversuch zu unternehmen. Da mir die Tiere mit ihrem weißen Fell und den dunklen Augen sehr gut gefielen, befolgte ich seinen Rat. Innerhalb von drei Zuchtgenerationen hatte ich dann einen kleinen Bestand reinerbiger Tiere in meinem Stall, die ich oft an andere Zuchtfreunde weiter gab, da eine Ausstellung noch nicht möglich war.

    Das änderte sich jedoch, als im Deutschen Kleintierzüchter Nr. 9 vom 12. Mai 2000 die ZDK-Standardkommission u. a. die Genehmigung der Neuzucht dieses Farbenschlags der Zwergwidder, schwarzgrannenfarbig bekannt gab. Der Weg war frei, denn die Landesverbände konnten nun - entsprechend § 12 ABB - auf Antrag die entsprechenden Genehmigungen zur Zucht und zur Kennzeichnung mit „N“ erteilen mit der Maßgabe, dass der Geschäftsstelle der ZDK-Standardkommission in jedem Einzelfall eine Rückmeldung zuzustellen ist.

    Am 14. Mai 2000, also zwei Tage nach der Veröffentlichung im Deutschen Kleintierzüchter, stellte ich den entsprechenden Antrag. Mit Datum vom 16. Mai 2000 (!) erteilte mir der Kaninchenzüchterverband Württemberg und Hohenzollern e.V. die Genehmigung der Neuzüchtung „Widderzwerge, schwarzgrannenfarbig“.

    Die 12. Landesrammlerschau am 21.01.2001 in VS-Schwenningen war dann der erste offizielle „Auftritt“ meiner schwarzgrannenfarbigen Zwergwidder. Beide ausgestellten Tiere wurden mit „sehr gut“ bewertet. Auch bei den folgenden Landes-und Bundesschauen präsentierte ich meine Tiere. Bei der Bundesrammlerschau in Kassel traf ich dann den Zuchtfreund Karl-Heinz Sanders aus Hörstel bei Münster, der sehr gute schwarzgrannenfarbige Zwergwidder herausgezüchtet und ausgestellt hatte. Von ihm erwarb ich auf dieser Ausstellung einen Rammler, den ich erfolgreich in meine Zucht einsetzte. Von ZF Sanders erhielt ich dann auch eine „Musterbeschreibung Widderzwerge, schwarzgrannenfarbig“. Karl-Heinz Sanders ist - wie ich - enttäuscht darüber, dass eine endgültige Anerkennung unserer Rasse bzw. unseres Farbenschlags bisher versagt blieb, wogegen die schwarzgrannenfarbigen Deutschen Kleinwidder, die zur gleichen Zeit als Neuzucht genehmigt wurden, und auch die Farbenzwerge bereits anerkannt waren. Die Gründe für die bisherige Nichtanerkennung sind nicht bekannt geworden, doch für den Fall, dass die Zahl der Züchter dieser Spezies zu klein war, habe ich kräftig geworben und allein in meinem züchterischen Umfeld vier Freunde gefunden, die sich für den Farbenschlag begeistern und die Genehmigung zur Neuzucht beantragten. Der neue Kaninchen-Standard war die große Hoffnung, dass unsere ZwW dort aufgenommen werden, aber wir wurden wieder enttäuscht. Auf den kommenden Landes- und Bundesrammlerschauen in Fellbach und Erfurt werden unsere Neuzüchtungen wieder zu sehen sein. Sollte danach wieder die endgültige Zulassung versagt bleiben, werde ich meinen Bestand zu Gunsten meiner anderen Farbenschläge deutlich reduzieren. Es ist schon traurig, dass man schöne Tiere im Stall hat und diese praktisch nur zweimal im Jahr präsentieren kann.

    Rassebeschreibung:

    Die Erbformeln für Farbe und Zeichnung sind, wie bei den Farbenzwergen, die gleichen wie für die betreffenden Urrassen mit dem Zusatz Dwdw. Die seit 1973 hier anerkannten Zwergwidder sind seit längerer Zeit bereits in anderen Ländern bekann. Mindestgewicht 1,0 kg, Normalgewicht 1,4 kg, Höchstgewicht 2,0 kg, wobei das Idealgewicht mit dem neuen Standard auf 1,5 kg bis 1,9 kg festgelegt wurde.

    Der breitschultrige Körper ist kurz gedrungen, mit schöner Rückenlinie und breiten, abgerundetem Becken, kurzem kräftigem Nacken ohne sichtbaren Hals. Die kurzen Läufe sind mittelstark. Die etwas feiner gebaute Häsin ist frei von jeglichem Wammenansatz.

    Sowohl Rammler als auch Häsin zeigen einen typischen, ausgeprägten Widderkopf, der kurz und kräftig ist. Der Kopf zeigt eine breite, gut entwickelte Schnauzpartie mit starken Kinnbacken, breiter Stirn und eine schöne Ramsnase. Häsinnen sind dennoch etwas feingliedriger als Rammler. An den Ohrenansätzen werden beim Behang ausgeprägte Wulste (die Krone) sichtbar. Der Behang ist fleischig und voll behaart, wird hufeisenförmig mit der Schallöffnung nach innen zum Kopf getragen und ist an den Enden gut abgerundet. Die Behanglänge beträgt 24 cm bis 28 cm. Das in der Unterwolle besonders dichte Fell hat eine gute gleichmäßige, nicht zu harte Begrannung. Die Haarlänge beträgt ca. 2 cm. Für die Deckfarbe gelten die gleichen Bedingungen wie bei der Ursprungsrasse „Schwarzgrannen“. Anerkannt sind alle Farbenschläge der übrigen Rassen, einschließlich der Russen- Zeichnung und der Thüringerfarbe. Die Mantelzeichnung wie beim Deutschen Widder ist erlaubt, wogegen die typische Punktscheckung oder Holländerscheckung nicht erlaubt sind.

    Leicht Fehler (allgemein): Gestreckter Körper, sichtbarer Hals, lockere Fellhaut, schwache Kopfbildung, flache Kronen und schwebender Behang. Bei der Beurteilung der Deck- und Unterfarbe sind die aufgeführten Mängel der zugelassenen Farbenschläge zu beachten. Bei gezeichneten Tieren ungleichmäßige, nicht zusammenhängende Zeichnung. Schnauzflecke, viel Weiß, weiße Flecke in der Mantelzeichnung. Durchsetzung mit weißen Haaren.

    Schwere Fehler (allgemein): Gänzliches Fehlen des Widdertyps, zeitweises Aufrechttragen eines Ohres. Weniger als 24 cm Behanglänge und über 28 cm Behanglänge. Völlig schwarzer Kopf bei dunkel- und eisengrauen Tieren, sichtbar weiße Abzeichen in der Deckfarbe. Zweierlei oder weiße Krallen bei dunkelfarbigen Tieren. Vorherrschen der weißen Farbe bei der Mantelzeichnung sowie Wammenansatz bei allen Tieren.

    Literaturhinweise:

    Karl Weißenberger, Kaninchenrassen, Landbuch-Verlag GmbH Hanover, 1994

    Auszug aus der Musterbeschreibung:

    6. Deckfarbe und Gleichmäßigkeit, Unterfarbe:

    Die Deckfarbe ist ein zart abgetöntes Weiß, das mit einen feinen, leicht rußartigen Anflug von heller bis mittlerer Intensität überzogen scheint, dieser wird hervorgerufen durch dunkel gespitzte Grannenhaare, die das Deckhaar überragen und gleichmäßig über den ganzen Körper verteilt sind. An den kürzer behaarten Körperstellen - Kopf, Ohren und Läufen, und auf der Oberseite der Blume - erscheint der Anflug etwas intensiver. Die Ohrenränder dürfen farblich leicht gesäumt sein.

    Rein weiß erscheinen demgegenüber der Wildfarbigkeitszonen Bauch, Unterseite der Blume, Innenseite der Läufe, Kinnbackeneinfassung, Augenringe und Nackenteil. Die Augen sind dunkelbraun, die Krallen hornfarbig. Die Unterfarbe ist am ganzen Körper rein weiß, die Unterfarbe an der Blumenoberseite bleibt unberücksichtigt.

    Bekannte Züchter der Widderclub AG:

    Reitenauer Walter Finkenweg 6, 86637 Wertingen
    Gerberding Jutta Echternstraße 11, 32831 Springe
    Höhne Hans Im Gigis 7, 71711 Murr
    Linke, Axel Berlin (LV Berlin-Brandenburg, lt. LV-Katalog 2002 und 2003)
    Wegner, Horst Berlin (LV Berlin-Brandenburg, lt. LV-Katalog 2003)
    Dr. Balzer, Marko Brieske-Ost (LV Berlin-Brandenburg, lt. LV-Katalog 2003)
    Zgm Dobslaff Hamm, LV Westfalen Lippe
    Walter Hornung Münster, LV Westfalen

    Preisrichterliche Betrachtung:

    Ein sehr schöner Bericht bei dem man wieder einmal herausliest mit wie viel Elan die Züchter seltener Rassen und Farbenschläge an die Zucht gehen.Ein paar Anmerkungen zu dem Bericht habe ich aber doch: Nach dem neuen Standard sind die WzW schwarzgrannenfarbig anerkannt im Gegensatz zu den DklW schwarzgrannenfarbig. Bei den Gewichten ist wie bei den Zwergen auch nach oben eine Zwischengrenze eingezogen worden, d.h. von 1900 bis 2000g gibt es 19 Pkt, erst darüber hinaus gibt es NB.

    Die Behanglänge hat sich nach dem neuen Standard auch geändert, es ist nun eine Behanglänge zwischen 22 bis 28 cm vorgegeben, wobei die Größe des Tieres im Verhältnis zur Behanglänge gesetzt wird, d.h. wenn ein Tier von 1600g einen idealen Behang trägt reicht z.B eine Behanglänge von 23cm um die volle Punkzahl zu erlangen bei einem großrahmigen Tier das bei 1900-2000g liegt sollte der Behang schon eher an der Obergrenze der erlaubten Länge sein.

    Der Position Farbe ist ausrechend und genau beschrieben, da sich auch die Ausgangsrasse sehr gut verbreitet hat, kann ich mir gut vorstellen, dass bei den Zwergwiddern dieser Farbenschlag sich großer Beliebtheit erfreuen wird.

    Was mich, der selbst Züchter eines ausgefallenem Farbenschlages ist, schwer fällt zu schreiben, man darf bei allen Widderrassen nicht vergessen, dass bei der Position Farbe oft nur 1 Punkt Unterschied zwischen einem guten und schlechten Farbträger liegt und man die Position Körperform, Fell, Kopf und Ohr nicht außer auch lassen darf, da dort oft Punkte verschenkt werden.

    Wir bedanken uns bei Hans Höhne für diesen Bericht und die Fotos. Weiterer Dank gilt Tatjana Ruthmann, Kai Sander,Heiko Semmel und Siegfried Lübbert für Ihre Mitarbeit. Das Copyright liegt bei den jeweiligen Verfassern und beim Rassekaninchenzuchtforum e.V. Die Rechte der Grafiken liegen bei http://www.rkz-forum.com. Weitere Ergänzungen, Meinungen und Bilder zum Rassebericht bitte an webmaster@rkz-forum.com.de. Wir weisen nochmals ausdrücklich darauf hin, das die Bilder, Texte und Grafiken bestimmten Rechten unterliegen, und das wir Copyrightverletzungen strafrechtlich verfolgen lassen werden.

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    Rasse des Monats:

    Farbenzwerge Schwarzsilber

    Erstellt von Peter Rolfes

    Soweit mir bekannt ist, verdanken wir die Herauszüchtung der Farbenzwerge schwarz-silber dem Zuchtfreund Franz Kugler. Der Weg dorthin war nach seinen Angaben aber nicht so einfach wie man es sich vielleicht vorstellt. Er begann mit einer sehr kleinen Kleinsilber, schwarz Häsin und einem stark weiß durchsetzten Farbenzwerge, schwarz Rammler. Die Silberung aber war da natürlich noch nicht perfekt und es dauerte dann noch einige Jahre bis die ersten "Schwarz-Silberzwerge" 1972 auf einer Ortsschau standen. Von dort an gingen sie ihren Weg und blieben bis heute erhalten.

    Ich hoffe, mit meinem Bericht etwas Licht in die Zucht von Farbenzwergen, schwarz-silber zu bringen. Es ist bestimmt nicht so schwierig, wie manch ein Altzüchter behauptet.

    Schon vor meinem Beginn als Jungzüchter wurde mir von Farbenzwergen abgeraten, es hieß immer, die "Kleinen" kriegen nur kleine Würfe. Aber das hat mich nicht davon abgehalten, 1986 die Zucht mit den Farbenzwergen, schwarz zu beginnen. Seit 1993 züchte ich auch die Farbenzwerge, schwarz-silber. Bis 1995 war ich zufrieden, wenn 2-3 Junge im Nest lagen. Im Jahre 1996 bin ich eines Besseren belehrt worden: In diesen Jahr bekam ich eine Häsin aus Sachsen, sie warf 8 Junge und zog sie auch auf. Seitdem habe ich meine Zucht umgestellt und nehme nur noch Rammler mit einem Gewicht um 1200 g und Häsinnen bis zu 1800 g in die Zucht. Besonders positiv fiel mir auf, dass die Jungtiere einigermaßen gleich groß sind und nur noch selten kleine Tiere zur Welt kommen. In die Zucht nehme ich nur Elterntiere, die aus großen und gut aufgewachsenen Würfen stammen. Man hat nun zwar mehr mit "Langohren" zu tun, wenn man aber von 6-8 Jungtieren zwei mit langen Ohren abzieht, bleiben immer noch 4-6 Junge, die dann aber schön gleichmäßig sind. Da ich keine Standardbeschreibung machen möchte, werde ich nur die für mich wichtigen Punkte erwähnen:

    Ein Farbenzwerg sollte vorne wie hinten gleichmäßig breit sein und auf kräftigen, aber nicht zu langen Vorderbeinen stehen. Einen Farbenzwerg sollte man nicht nur nach der Hinterpartie beurteilen!

    Ich achte in meiner Zucht besonders auf die Stellung der Hinterläufe. Bei Rammlern sowie bei Häsinnen müssen sie parallel zueinander und mindestens zwei bis drei Finger breit auseinander stehen, ansonsten kommt es meiner Meinung nach zu einer Verengung des Geburtskanals und die Häsin hat bei der Geburt der Jungen Schwierigkeiten.

    Das Fell sollte kurz und dicht sein und eine gute Granne haben. Die Grannenhaare sind als Silberungsspitzen notwendig. Die Felle sollten nicht zu lang werden, weil sonst der Glanz verloren geht, und die Farben verwaschen.

    Der Kopf ist für mich eine heikles Thema. Das Messen der Kopfbreite über den Augen ist meiner Meinung nach überflüssig, seitdem das Gewicht auf 1350 Gramm erhöht wurde. Man sollte den Kopf im Verhältnis zum Körper betrachten. Ein Züchter oder Preisrichter kann nicht von einem Rammler mit 1150 g, der vom Typ eher klein ist, einen genauso großen Kopf wie bei einem Rammler mit 1350 g verlangen. Kopf und Größe des Tieres müssen zusammen passen.

    Ebenso die Ohren: Ein großes Tier mit einem markanten Kopf darf ruhig 6 cm lange Ohren haben, während ein kleineres Tier dementsprechend kürzere Ohren haben sollte.

    Bei den Köpfen gehen die Meinungen sowieso auseinander. Manche Züchter sagen, eine Häsin dürfte einen Rammlerkopf haben und umgekehrt. Ich weiß aber aus eigener Erfahrung, dass Häsinnen mit überdimensionalen Köpfen kleinere Würfe und schlechtere Muttereigenschaften haben, was darauf hindeutet, dass diese Tiere einen erhöhten Anteil an männlichen Hormonen haben. Dadurch werden die Eigenschaften, die eine Häsin haben sollte schwächer oder sogar verdrängt.

    Bei meinen Silberzwergen wird das Jungtier schwarz geboren. Es fängt ungefähr nach 3-4 Wochen an am After zu silbern. An der Bauchunterseite geht sie weiter über den Rücken zum Kopf und zuletzt zu den Ohren.

    Die erste Silberung ist nach ungefähr 3 Monaten abgeschlossen. Sie ist dann aber noch nicht fertig. Meistens ändert sich die Silberung nach der zweiten Haarung noch und wird ein wenig heller. Bei der Silberung habe ich so meine Schwierigkeiten. Im Standard heißt es, es gibt drei Arten von Silberung: Hell, Mittel und Dunkel. Die mittlere Silberung sollten die Kaninchen haben, aber was die mittlere Silberung ist konnte mir noch keiner sagen. Wenn ich meine Würfe durchsehe, können 6 Jungtiere 6 verschiedene Silberungen haben.

    In meiner Zucht habe ich nicht nur "schön" gesilberte Tiere, sondern auch welche, die zu hell oder zu dunkel sind. Dabei darf man aber nicht den Farbenzwerg an sich vergessen, denn was nützt die schönste Silberung, wenn der Typ nicht passt. Entgegen allen Aussagen paare ich auch ganz helle mit ganz dunklen Kaninchen und es fallen nicht nur Jungtiere mit einer flockigen Silberung, sondern überwiegend welche mit sehr guter Silberung. Meistens nehme ich für die Zucht aber die Häsinnen und Rammler mit einer meiner Meinung nach mittleren Silberung. Es ist trotzdem sehr schwierig, die Silberung gleichmäßig zu bekommen. Vor allem am Kopf, an den Läufen und an der Blume lässt die Silberung manchmal zu wünschen übrig. Denn je dunkler das Tier ist um so weniger sind Silberungspigmente vorhanden.

    Bei diesen Tieren ist es schwierig, eine gleichmäßige Silberung zu bekommen. Es sieht immer so aus, als hätten diese Tiere dunkle Köpfe und Läufe. Schaut man aber genau hin, ist immer noch Silberung vorhanden.

    Wenn wir diese Tiere nicht mehr zur Ausstellung bringen können, ohne dass wir

    "zerrissen" werden, dann wage ich es zu bezweifeln, dass wir neue Züchter für diese Rasse begeistern können.

    Es sollte von Seiten der Preisrichter darauf geachtet werden, dass auf den Ausstellungen die flockigen und heller gesilberten Tiere mit klaren Punktabzügen bestraft werden.

    Die Unterfarbe ist leider immer noch sehr schwach, vor allem am Haarboden ist sie oft hell. Man sollte schon bei der Silberung darauf achten, das nur die Haarspitzen weiß sind, weil sonst die Unterfarbe zu hell wird. Falls noch jemand Fragen zu den Silberzwergen hat, kann er mich gerne anrufen.

    Peter Rolfes: 04442/7389269

    Preisrichterliche Betrachtung

    Es liegt hier wieder ein sehr schöner und Umfassender Bericht einer seltenen Rasse vor.Als letzter in der Reihe habe ich der Sache nichts mehr zuzufügen. Bei der Bewertung muß man immer mit Fingerspitzengefühl vorgehen. Bei dieser Rasse in diesem Farbenschlag ist es nicht einfach dies in den Positionen der Rassemerkmale zusammenzufassen. Gerade in Position 5 von Silberung und Deckfarbe zusammen bewertet werden müssen, muß man sehr vorsichtig vorgehen. Leider bekommt man als Preisrichter viel zu selten solche Rassen auf dem Tisch. Denn die Reichhaltigkeit an Rassen und Farben macht eine Schau erst richtig interessant.

    Erbbiologische Betrachtung

    Zuchtfreund Rolfes liefert mit diesem Beitrag nicht nur eine exzellente Beschreibung seiner Rasse, vielmehr werden auch die aktuellen Fragen und Möglichkeiten in der Zucht der Farbenzwerge hinsichtlich der Verringerung der „Zwergenmortalitätsrate“ bestens beschrieben.

    Es ist ein Erfahrungsbericht, der bei genauer Betrachtung augenblicklich keine Fragen offen lässt, indem er sowohl der Zwergkaninchenzucht dient als auch dem von Züchtern skeptisch betrachteten und vielfach gefürchteten Tierschutzanliegen Rechnung trägt.

    Interessant wäre es, nach bestimmten Zeitabständen vom Zuchtfreund Peter Rolfes zu erfahren, wie konstant die weitere Zucht hinsichtlich des Verhältnisses „Langohren zu Kurzohren“, Größenrahmen und Leistungsfähigkeit nach der Umstellung durch Einsatz größerer Häsinnen tatsächlich ist.

    Vergleichsweise sind selbstverständlich auch Erfahrungen anderer Zuchtfreunde der Zwergrassen von Interesse. Denn wie sagt man so schön? „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.“ Um zu schlüssigen Ergebnissen zu kommen, benötigen wir viele Informationen, wie der Typzwerg unter den etwas neueren Zuchtbedingungen/-anforderungen hinsichtlich der Verpaarung typischer mal weniger typischer „Zwerge“ zu bewahren ist. Erinnert sei hier nochmals an ähnliche Erfahrungen, die uns im Beitrag der Rasse des Monats Oktober „FbZw, luxfarbig“ von Harald Rieger (korrekt: Zuchtgemeinschaft Alexandra und Harald Rieger) mitgeteilt wurden. Über die allgemeine „Größenvererbung“ wird also noch gesprochen werden müssen!

    Zur Farbe und Silberung der FbZw, schwarz, silberfarbig

    Es handelt sich um Kaninchen der Gruppe Zwergkaninchen mit einer grundlegend schwarzen Fellfarbe. Ihre ganz spezielle Rasseschönheit ergibt sich aus der Modifikation zur gewollten Durchsetzung mit silbrigem Haar. In eine Erbformel gesetzt, heißt das: ABCDgPDw/ABCDgPdw

    Zur Erklärung: Das Symbol P steht für die Silberung schlechthin. Für die unterschiedlichen Grade der Silberungstärken ergänzen wir gewohnheitsgemäß dieses Symbol den Zahlen 1 bis 3 oder mit Punkten (P...), was unterstreichen soll, dass hier je nach Grad der Silberung auch unterschiedliche Schattierungen gegeben sind. Zuchtfreund Rolfes nennt in seinem Bericht die zulässigen Schattierungsgrade, die hier mit P, P1 oder P2 ergänzend zu bezeichnen sind. FbZw, schwarz, silberfarbig sind also nicht in der hellsten Schattierung analog der Hellen Großsilber zugelassen, wofür dann ein P3 stünde.

    Der Autor sagt zur den Silberungsgraden aus: “Hell, Mittel und Dunkel. Die mittlere Silberung sollten die Kaninchen haben, aber was die mittlere Silberung ist konnte mir noch keiner sagen.“ Hierzu wieder die Unterscheidungsmöglichkeit: In diesem Fall, wo wir es nicht mit extremhellen Silberrassen zu tun haben, entspricht dieses „Hell“ nur einem etwaigen P2-Wert, „Mittel“ einem P1-Wert und „Dunkel“ einem einfachen P-Wert. Was nun in welchen Bereich einzuordnen ist, ist tatsächlich schwierig, denn selbst in einer Einzelzucht sind, wie Peter Rolfes auch beschreibt, unterschiedliche Tendenzen anzutreffen. Überwiegend darf man fast davon ausgehen, dass es sich bei dem dunklen Typ um eine Zwischenstufe von P zu P1 handelt, weil hier erst eine Silberung an den kürzer behaarten Körperteilen zu erwarten ist.

    Eine das ganze Haar betreffende Silberung gibt es nicht. Bedenken wir also, dass die Silberung nur ein Drittel des oberen Einzelhaares erfasst, darf uns klar sein, wie schwer es gerade bei Zwergrassen sein kann, eine ausgeglichene Schattierung am Kopf, an den Läufen und Ohren sowie der Blume so zu erzüchten, damit auch diese Schattierung zu der des gesamten Körpers passt.

    (c) Heidrun Eknigk

    Wir bedanken uns bei Andreas Hesselbrock für diesen Bericht und die Fotos. Weiterer Dank gilt Tatjana Ruthmann, Kai Sander, Heiko Semmel und Siegfried Lübbert für Ihre Mitarbeit. Das Copyright liegt bei den jeweiligen Verfassern und beim Rassekaninchenzuchtforum e.V. Die Rechte der Grafiken liegen bei http://www.rkz-forum.de. Weitere Ergänzungen, Meinungen und Bilder zum Rassebericht bitte an webmaster@rkz-forum.de. Wir weisen nochmals ausdrücklich darauf hin, das die Bilder, Texte und Grafiken bestimmten Rechten unterliegen, und das wir Copyrightverletzungen strafrechtlich verfolgen lassen werden.

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    Rasse des Monats:

    Rheinische Schecken

    Bei den Rheinischen Schecken (RhSch) macht das Farbenspiel die Besonderheit der Rasse aus und ist bei kleineren Ausstellungen stets ein Anziehungspunkt für Jung und Alt. Sicher sind die RhSch züchterisch keine der leichten oder problemlosen Rassen, aber sie hält die Züchter meist ein Leben lang gefangen. Wer einmal sein Herz an die Rasse verloren hat, der kommt nur schwer wieder vor ihr los.

    Zur Geschichte der Rheinischen Schecken ist zu sagen, dass bereits im Jahr 1902 von Josef Heinz der Grundstein zu dieser Rasse gelegt wurde. Im Jahr 1905 legte er seinen Antrag auf Anerkennung der Rasse dem Delegiertentag des Westdeutschen Verbandes vor und wurde auch genehmigt. Die Rasse erhielt den Namen „Heinzsche Schecke“. Als Ausstellungstier war damals nahezu jedes Scheckentier geeignet, wenn es nur drei Farben hatte. Während des Krieges trat die Zucht der Schecken in den Hintergrund, da nur die Zucht von Wirtschaftsrassen gefördert wurde. Seit 1945 beschäftigten sich die Liebhaber der RhSch wieder mit den gleichen Problemen in der Zucht und versuchten das Idealbild der Schecken durch kontinuierliche Züchtung zu erreichen. Noch 1970 hatten die Züchter mit der Plattenscheckung zu kämpfen, um so erfreulicher ist der Zuchtfortschritt in den Jahren danach zu verfolgen. In nur wenigen Jahren hat sich das Bild gründlich gewandelt. Heute ist eine erfreuliche Einheitlichkeit des Erscheinungsbildes der Rheinischen Schecken zu verzeichnen, die sich bei nationalen und internationalen Ausstellungen in bestechend schönen Tieren wiederspiegelt. Nimmt man das Jahr 1902 als Entstehung der Rheinischen Schecken, so werden alle Züchter dieser Rasse in ca. 2 Jahren das Jubiläum einer der schönsten und farbenfrohesten Rassekaninchen feiern können.

    Erfahrungsbericht der ZGM Ursel und Roland Best

    Für die Rheinischen Scheckenzüchter sind wir aus den Schaukatalogen der letzten Jahre sicher vom Namen her bekannt. Für alle die uns nicht kennen dürfen wir uns kurz vorstellen:
    ZGM Ursel und Roland Best, wohnhaft in Büttelborn, wir züchten schon lange Rassekaninchen in unserer Zuchtanlage, die ca. 140 Einzelbuchten und einen Freilauf umfasst. Die Rheinischen Schecken züchten wir seit 10 Jahren, mit dieser Rasse belegen wir ca. 63 der insgesamt zur Verfügung stehenden Einzelbuchten. Vom DKZ wurde die Bitte an uns herangetragen, über die Erfahrungen mit der Zucht dieser Rasse zu berichten. Wir kommen diesem Wunsch gerne nach. Möchten unseren Ausführungen jedoch vorausschicken, dass sich unsere niedergeschriebenen Erfahrungen über die Zucht von den Rheinischen Scheckenkaninchen auf von uns gewonnenen Erkenntnissen stützen und keinesfalls den Anspruch erheben als Idealrichtlinie gelten zu sollen.

    Beginn einer anspruchsvollen Kaninchenzucht

    Diese nicht weit verbreitete Rasse zu züchten, entschloss ich mich nach einem längeren Krankenhausaufenthalt, bei dem ich Gelegenheit hatte, sämtliche Ausgaben des DKZ zu studieren. In einem Beitrag über die Rheinischen Schecken war ich von dieser Rasse so begeistert, dass ich mich an die Züchtung dieser schwierigen Rasse heranwagte. Vom Krankenhaus aus telefonierte ich mit einigen Scheckenzüchtern, von denen ich Zuchttiere erwerben wollte. Unter anderem sprach ich mit dem besten Scheckenzüchter Deutschlands, der auch damals vor 10 Jahren schon als einer der teuersten galt.
    Unsere Zucht begannen wir schließlich mit Zuchttieren aus Bobenheim-Roxheim von Dorothea Hemmerle. Bei einem Besuch der Bundesrammlerschau in Saarbrücken lernten wir Paul Osterbrink kennen und schätzen. In der Scheckenzucht gilt er als erfahrener Züchter und nicht als Anfänger so wie wir. Er lud uns zu sich nach hause ein und erklärte uns die Feinheiten in der Zucht der Rheinischen Schecken, die wir auch heute noch anwenden. Als wir unseren Nachhauseweg antraten, hatten wir im Kofferraum 2 Rammler und 6 Häsinnen, mit denen wir unsere Zucht jetzt intensiv starten konnten. Im gleichen Jahr lernten wir auch unseren Zuchtfreund Jens Jadischke kennen und besuchten ihn in Brelingen bei Hannover. Bei intensiven Zuchtgesprächen beschlossen wir die Zucht der RhSch gemeinsam zu betreiben und zu fördern. Wir traten beide in den Scheckenclub ein, er in Hannover und wir in Hessen-Nassau. Von nun an versuchten wir unseren Zuchtstamm ständig durch Einkreuzen seiner und unserer Tieren zu verbessern.

    Man liest in Berichten oftmals, dass man beim Einkreuzen fremder Tiere möglichst auf Häsinnen zurückgreifen soll. Diese Aussage halten wir für völlig falsch. Wir haben in unserer Zucht fremde Rammler eingekreuzt und begründen unsere Einstellung folgendermaßen: Wie aus einschlägiger Literatur bekannt ist geben männliche und weibliche Tiere ihr Erbgut zu gleichen Teilen auf ihre Nachkommen weiter. Bedingt durch die natürlichen Voraussetzungen kann man durch Zukauf eines guten Rammlers eine Zucht schneller verbessern als beim Zukauf einer guten Häsin, was vor allem in der Zuchtaufbauphase einen großen Vorteil darstellt. Der Züchter kann selbst entscheiden, wie viele Häsinnen er vom fremden Rammler belegen lässt, während er mit einer fremden Häsin maximal drei bis vier Würfe pro Zucht- und Ausstellungsjahr aufziehen kann.
    Hinzu kommt, dass es wesentlich einfacher ist, einen Spitzenrammler als eine Spitzenhäsin zu erwerben. Die besten Tiere gehen bei den meisten Züchtern in die eigene Zucht und hierzu werden bekanntlich mehr Zuchthäsinnen als Zuchtrammler benötigt. Um eine Zucht, die auf hohem Niveau steht, nicht zu gefährden, halten wir das Einkreuzen eines fremden Rammlers bei zunächst höchstens einem Fünftel der zur Verfügung stehenden Häsinnen für vertretbar.
    Viel entscheidender als die Frage nach dem Zukauf von Rammlern oder Häsinnen ist die Frage, nach welchen vorrangigen Kriterien man die Zuchttiere aussucht. Hier haben wir die Erfahrung gemacht, dass man die Körperform, das Fell und die Farbe durch gezielte Einkreuzungen in wenigen Jahren verbessern kann, während bei der Farbverteilung keine stabile Festigung festzustellen ist.
    Wir konnten feststellen, dass bei bestimmten Paarungen die Nachzucht bis zu 75 % schwarz und nur zu 25 % gelb oder umgekehrt gezeichnet war. Da der gesamte Wurf möglichst die Farbverteilung 50 % schwarz und 50 % gelb zeigen sollte, ist unbedingt darauf zu achten, dass auch die Elterntiere gleiche Farbanteile zeigen. Sonst sollte der Schwerpunkt bei der Auswahl der Zeichnungstiere auf Körperform, Fell und Farbe gelegt werden. Gerade bei diesen Positionen bestehen in vielen Zuchten noch gravierende Mängel. Zu oft werden Tiere mit hochbewerteten Rassemerkmalen und Gesamtpunktzahlen, die aber Mängel in Form und Fell aufweisen, zur Zucht eingesetzt. Solche Tiere schließen wir aus unserer Zucht aus. Form und Fell und möglichst auch die Farbe müssen hervorragend sein, nur damit kann man seinen Zuchtstamm verbessern.


    Als wichtige Voraussetzung für dauerhafte Zuchterfolge sehen wir es auch an, gute Zuchttiere über mehrere Jahre zur Zucht einzusetzen. Die Fütterung, vor allem der älteren Häsinnen, muss genau abgestimmt werden, damit sie nicht zu früh verfetten und zuchttuntauglich werden. Wir setzen gute Häsinnen so lange in die Zucht ein, wie sie in der Lage sind, mindestens noch sechs Jungtiere zu werfen und aufzuziehen. Dies ist in der Regel bis zu einem Alter von fünf Jahren der Fall. Ständige Vergleiche mit der Nachzucht können auch dazu führen, dass Häsinnen früher aus der Zucht genommen werden oder eine ganze Zuchtlinie ausgemerzt werden muss, wenn sich in der Nachzucht gravierende Mängel einstellen. Bei Form, Fell und Farbvergleich von mehrjährigen oder abgesäugten Häsinnen muss natürlich ein Altersbonus, vor allem hinsichtlich Wamme und Glanz der Farbe, zugestanden werden.
    Wir züchten mit ca. 20 bis 25 Zuchthäsinnen und 6 Zuchtrammlern, so ist zwar schon annähernd die Hälfte der zur Verfügung stehenden Boxen mit Alttieren belegt, auf deren erprobte Zuchttauglichkeit wir aber nicht verzichten können. Das Zusammenstellen der Zuchtpaare erfolgt nach den gleichen Kriterien wie bei allen anderen Rassekaninchen auch. Hiernach sind niemals zwei Tiere mit den gleichen Fehlern zu verpaaren. Idealpaarungen mit Garantie zur Festigung der erwünschten Rheinische Scheckenzeichnung gibt es nicht. Eine Paarung, die uns im ersten Wurf sechs Jungtiere mit schöner Kopf- und Rumpfzeichnung brachte, konnte bei späteren Würfen nicht über den üblicherweise zu erwartenden Durchschnitt der ausstellungsfähigen Tiere pro Wurf hinauskommen. Rheinische Schecken sind spalterbige Tiere und bringen bei der Nachzucht im Durchschnitt 25 % Weißlinge (Chaplin), 25 Jungtiere mit Japanerzeichnung und 50 % Jungtiere mit Rheinischer Scheckenzeichnung.

    Gewicht

    Gewichtsmäßig sind die Rheinischen Schecken bei den kleineren Mittelrassen angesiedelt. Ihr Normalgewicht liegt über 3,75 kg, als Mindestgewicht sind 2,75 kg angegeben und das Höchstgewicht soll 4,5 kg nicht überschreiten. Die Gewichte sind vorrangig für die Beurteilung bei den Ausstellungen, nicht aber für die Zucht interessant. Für Häsinnen, die in die Zucht eingesetzt werden, sollte ein Gewicht von ca. 3,9 bis 4,0 kg angestrebt werden. Beim Zuchtrammler kann die 4,5 kg Grenze durchaus überschritten werden, so hat man bei den Nachkommen keinerlei Gewichtsprobleme zu verzeichnen.

    Fütterung

    Keine besonderen Ansprüche stellen die Rheinischen Schecken an die Fütterung, im Gegenteil, sie können bei Futterumstellungen sogar als relativ unempfindlich bezeichnet werden. Kritisch ist allerdings die Zeit unmittelbar nach dem Absetzen der Jungtiere. In dieser Zeit ist Vorsicht geboten und konsequent auf die Fütterung zu achten. Besonders problematisch wird es, wenn die Jungtiere nach dem Absetzen sofort in Einzelbuchten gesetzt werden. Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, die Jungtiere nach dem Absetzen (ab einem Alter von ca. 6 Wochen) noch ca. 6 Wochen zusammen in einem Stall zu belassen.
    Wichtig bei der Fütterung ist, dass stets gutes Heu und ausreichend Wasser zur Verfügung stehen. Zur Vorbeugung von Darmerkrankungen durch Bakterien, die sich im Wasserbehälter bilden, ergänzen wir den täglichen Wasserbedarf mit einem kleinen Schuss Obstessig. In guten Zuchtstämmen und bei entsprechenden Zuchttieren erreichen die Jungtiere mit sechs bis sieben Monaten das Normalgewicht. Bei einer sehr gehaltvollen und reichhaltigen Fütterung kann das Normalgewicht schon früher erreicht werden. Allerdings ist dies der Körperform oft nicht besonders zuträglich. So ist es ratsam, etwa ab dem vierten oder fünften Monat die Fütterung zu dosieren. Dadurch lässt sich die leider noch häufige Wammenbildung bei den Häsinnen einige Zeit hinausschieben. Wir praktizieren bei der Fütterung unserer Tiere eine unterschiedliche Futtermenge für Häsinnen und Rammler. Die Rammler erhalten die doppelte Menge an Pellets gegenüber den Häsinnen.

    Aufzuchtsvermögen

    Ein anderes Problem der Scheckenzucht liegt im Aufzuchtsvermögen der Häsin. Die Rheinischen Schecken bringen zahlenmäßig recht große Würfe. Diese großen Würfe sind aber schon unter Berücksichtigung der gesetzlichen Spalterbigkeit besonders wichtig, weil sie uns die Möglichkeit eröffnen, wenigstens einige ausstellungsfähige Jungtiere im Wurf zu haben. Als nachteilige Folge auf die Reduzierung ausschließlich ausstellungsfähiger Jungtiere stellt sich oft ein eingeschränktes Aufzuchtsvermögen der Häsin ein. Werden die Würfe ständig auf ausstellungsfähige Jungtiere reduziert, kann es möglich sein, dass eine Häsin mit sechs oder acht ausstellungsfähigen Jungtieren, nicht in der Lage ist, diese zufriedenstellend aufzuziehen. Wir belassen unseren Zuchthäsinnen grundsätzlich sechs bis acht Jungtiere um das grundsätzlich gute Aufzuchtsvermögen zu erhalten. Bei dieser Aufzuchtsmethode fallen zwangsläufig für die Ausstellung unbrauchbare Tiere an, die wir an Halter abgeben oder selbst mästen und mit ca. drei bis vier Monaten abschlachten.

    Allgemeines Erscheinungsbild

    Für Scheckenzüchter ist es kein Geheimnis, dass das äußere Erscheinungsbild oft nur wenig mit dem Erbbild zu tun hat. Der Zuchtrammler und die Zuchthäsin sollen eine saubere Kopfzeichnung und einen geraden gleichmäßigen Aalstrich mitbringen. Die Seitenzeichnung wird weniger berücksichtigt, nur sollten beide Tiere nicht die gleichen Fehler mitbringen. Der Standard fordert den Körper leicht gestreckt und walzenförmig. Eine deutliche Aussage, die leider bei der Beurteilung der Tiere nicht immer umgesetzt wird. Im Gegenteil, die etwas kurzen, walzenförmigen und gedrungenen Tiere werden bei der Bewertung in der Regel vorgezogen. Diese Bewertung könnte aus Sicht der Wirtschaftlichkeit vertreten werden, nur werden die Rheinischen Schecken nicht aus wirtschaftlichen Gründen gezogen, sondern wegen ihrer Schönheit in der Rassekaninchenzucht gezüchtet. Gerade bei den Rheinischen Schecken wirkt das Zeichnungsbild auf leicht gestreckten Tieren schöner und kommt besser zur Geltung. Weiterhin fordert der Standard einen Körper, der vorn und hinten gleich breit sein soll, diese Forderung lässt sich bei einer leicht gestreckten Form nur schwer vollendet erfüllen.
    Bei älteren Häsinnen ist eine kleine, gut geformte Wamme zulässig. Sicherlich ist es noch nicht möglich, ausschließlich mit völlig wammenfreien Häsinnen zu züchten, trotzdem sollte dieses Zuchtziel nie aus den Augen verloren werden. Der Kopf soll kräftig und breit sein und dicht am Rumpf ansetzen. Betreffend der Kopf- oder besser Stirnbreite sind überzogene Forderungen abzulehnen. Bei den Spitzentieren sind die Köpfe durchaus breit genug. Außerdem sollten Rammler und Häsin deutlich am Erscheinungsbild des Kopfes zu unterscheiden sein. Für die Ohren gilt die Forderung einer kräftigen Struktur und eine Länge von ca. elf bis zwölf Zentimeter, sowie eine gute Behaarung. Erfüllen die Ohren die Längenangabe stimmt in der Regel auch die Struktur und die Haltung der Ohren.

    Fell

    Bei allen Scheckenrassen kann die Fellqualität ein Problem darstellen. Aus verständlichen Gründen steht die Körperform und Zeichnung bei der Bewertung im Vordergrund, dabei kann die Fellqualität schon einmal auf der Strecke bleiben. Jedoch fordert der Standard ein dichtes Fellhaar, das gleichmäßig, aber nicht zu lang begrannt ist. Von besonderer Wichtigkeit sind das dichte Fellhaar und die Begrannung bzw. das überstehende Grannenhaar für das Zeichnungsbild. Ein klares und feines Zeichnungsbild wird erreicht, wenn die Grannenhaare das Deckhaar kaum überragen.

    Kopfzeichnung

    Die Rassemerkmale beginnen mit der Kopfzeichnung, die aus verschiedenen Zeichnungsmerkmalen besteht. All diese Zeichnungsmerkmale müssen, mit Ausnahme der Backenpunkte zweifarbig schwarz und gelb sein, dabei spielt es keine Rolle ob die Farbe meliert oder fleckig ist. Beginnen wir mit der Ohrenzeichnung, die oft nur im Bereich des Ohrenansatzes Probleme bereitet. Dieser soll möglichst scharf auf der Stirn und an den Seiten abgegrenzt sein. Hier finden wir an den Seiten die so genannten Flammen, die weiß und unregelmäßig in die Ohrenfarbe hineinreichen und kleinere Spritzer vor dem Ohrenansatz auf der Stirn. Tiere mit Flammen an den Ohren sollten nicht in die Zucht eingesetzt werden. Ein kleiner Ausläufer bzw. Stirnpunkt etwa in der Mitte der Stirn direkt am Ohrenansatz sollte bei der Bewertung nicht als Kopfspritzer oder unreiner Ohrenansatz bestraft werden. Genetisch bedingt weisen alle gut gezeichneten Tiere diesen kleinen Ausläufer bzw. Stirnpunkt auf.
    Ein weiteres Zeichnungsmerkmal sind die Augenringe. Der Standard fordert geschlossene und gleichmäßig breite Augenringe. Als Fehler gelten ungleichmäßige und grobe Augenringe, insgesamt eine recht dürftige Beschreibung. Die Folge sind entsprechend unterschiedliche Auslegung bei der Bewertung. Anzustreben sind möglichst gleichmäßig breite Augenringe ohne Zacken und jegliche Ausläufer. In der Regel aber sind die Augenringe ohne Zacken etwas breiter und grober und meist zusätzlich etwas unregelmäßig. Häufig werden diese dann berechtigt mit Punktabzug bestraft. In manchen Fällen werden Tiere mit sehr großen Zacken bei der Bewertung sogar hervorgehoben. Der Mittelweg sollte das Zuchtziel sein und auch entsprechend beurteilt werden.
    Die Backenpunkte sitzen seitlich am Kopf und sollen völlig frei stehen, dabei spielt es keine Rolle ob sie rund oder oval sind. Bei der Auswahl unserer Zuchttiere achten wir darauf, das die Backenpunkte möglichst weit von den Augenringen entfernt sind. Es ist zwar nicht erklärbar, aber die Backenpunkte kommen mit jeder Generation näher an die Augenringe, wenn dies in der Zucht nicht beachtet wird.
    Bleibt noch die Zeichnung des Schmetterlings. Er soll gleichmäßig sein und volle Flügel haben. In der Mitte über der Nase befindet sich ein nicht zu großer und schön abgerundeter Dorn. Größere Unregelmäßigkeiten sind mit Ausnahme des Dorns recht selten.
    Etwas schwieriger gestaltet sich die zum Schmetterling gehörende Unterkiefereinfassung. Wenn die Unterkiefereinfassung einseitig fehlt bedingt dies einen leichten Fehler. In der Zucht sollte man darauf achten, dass die Unterkiefereinfassung vollständig vorhanden ist.
    Bei der Bewertung der Kopfzeichnung sollte grundsätzlich berücksichtigt werden, dass z. B. ein unreiner Ohrenansatz, grobe Augenringe, schiefer Dorn oder einseitig fehlende Unterkiefereinfassung nur leichte Fehler sind und leichte Fehler grundsätzlich mit jeweils einem halben Punktabzug geahndet werden.

    Rumpfzeichnung

    Die Rumpfzeichnung besteht aus verschiedenen Merkmalen die zusammen das Zeichnungsbild des Rheinischen Schecken ergeben. Zum einen handelt es sich um den Aalstrich, der sehr unterschiedlich in Erscheinung treten kann. Als Ideal gilt der Aalstrich wenn er in einer Breite von ca. 2 cm gleichmäßig vom Genick bis zur Blumenspitze verläuft. Im Bereich des Genicks bildet der Aalstrich eine Art unregelmäßigen Keil. Versuche diesen Keil wegzuzüchten sind keinesfalls sinnvoll, da die Folge mehr oder weniger große Aalstrichunterbrechungen bedingen.
    Ein weiteres Merkmal der Seitenzeichnung sind die Seitenflecken. Der Standard fordert sechs bis acht freistehende Zeichnungspunkte auf jeder Seite. Sie verteilen sich im Idealfall auf die Schenkel und Flanken, also auf die hintere Hälfte des Rumpfes vom Kaninchen. Es hat sich gezeigt, dass dieses Zuchtziel durchaus erreichbar ist. Leider wird bei der Reinzucht im Hinblick auf völlig freistehende Flecken die Anzahl der Flecken geringer. In manchen Zuchten zeigt sich ab und zu zwischen den Flanken und Schenkeln ein breites freies Feld ohne Flecken. Diese Zeichnung ist unerwünscht und sollte auch als leichter Fehler bestraft werden.

    Farbe

    Zur Farbe bleibt folgendes zu sagen. Die Grundfarbe in der Decke und Unterfarbe ist rein weiß. Die Zeichnungsfarben sind schwarz und gelb. Die Zeichnungsfarbe soll möglichst rein sein und nicht mit weißen Haaren durchsetzt sein. Die Augen sind braun und die Krallen farblos.
    Die Zeichnungsfarbe bedarf noch einiger Anmerkungen. So wird die Unterfarbe der Zeichnungsfarbe bei der Bewertung kaum berücksichtigt oder gar nicht beachtet. Der Standard verlangt dies auch nicht ausdrücklich. Die Züchter sollten dies aber in ihrer Zucht dennoch beachten. Die schwarzen Zeichnungsmerkmale haben eine dunkelblaue Unterfarbe, je satter die Unterfarbe, desto deutlicher und klarer wird die Deckfarbe. Bei den gelben Zeichnungsmerkmalen ist die Unterfarbe ebenfalls gelb und sollten bis zum Haarboden reichen. Auch hier bedingt eine gute Unterfarbe eine satte Deckfarbe. Dabei ist die Unterfarbe der gelben Zeichnungsmerkmale noch wichtiger als bei den schwarzen. Durch eine schlechte Unterfarbe, die automatisch eine schlechtere Deckfarbe bedingt, wird die Farbe meist etwas hell und der Kontrast im Zeichnungsbild geht verloren. Insgesamt ist es sicher sinnvoll eine satt gelbe bis ins fast rötlich erscheinende Farbe anzustreben. An den Schenkeln wird die Farbe ohnehin stets etwas heller sein und nur bei sehr intensiv gelben und schwarzen Farben, erscheint auch hier noch ein sattes Zeichnungsbild.

    Wir finden, dass alles, was wir in der Rassekaninchenzucht tun, sinnvoll für die Zucht einer Rasse und förderlich für ein Idealtier sein soll. Alle Anstrengungen zur Zuchtverbesserung und Erhaltung einer Rasse müssen gegenüber der Öffentlichkeit vertretbar sein. In diesem Zusammenhang befürworten wir, wenn der ZDK in Eigeninitiative überlegt, ob die endgültige Zulassung der Zuchtgruppe 3 zumindest für Scheckenrassen bei den Ausstellungen förderlich sein kann. Wenn der Wert dieser Zuchtgruppe bei einfarbigen Tieren auch umstritten ist, gibt sie den Scheckenzüchtern mit wenigen Zuchttieren auch die Möglichkeit am Sammlungswettbewerb gleichgestellt teilzunehmen. Die Zuchtgruppe 3 gewährleistet für alle Aussteller die gleichen Startbedingungen und garantiert einen weitgehend ehrlichen Wettbewerb.

    Preisrichterliche Betrachtung:

    Dieser Bericht steckt schon beim Lesen durch die Begeisterung für diese Rasse an. Aufgefallen sind mir nur einigen Kleinigkeiten: Ein sogenannter Stirnpunkt ist als Spritzer zu bewerten, wenn es ein einzeln stehender Punkt ist. Ein leichter Ausläufer vom Ohrenansatz kann noch toleriert werden. Das leichte Fehler immer zu einem Punktabzug von ½ Punkten führen ist nicht richtig, da es leichte Fehler in verschiedenen Gewichtungen gibt liegt es im Ermessenspielraum des Preisrichter wie stark der Punktabzug ausfällt, z.B.: wie grob oder ungleichmäßig sind die Augenringe. Als letzter Punkt: im oberen Bereich der Augenringe kommt es oft zu einem weißen Einläufer, der sogenannten Scheckenzacke (Augenringzacke), es ist am schönsten wenn sie nicht vorhanden ist, sie bleibt aber bei der Bewertung unberücksichtigt.
    Wir bedanken uns bei ZGM Ursel und Roland Best für diesen Bericht und Jens Jadischke die Fotos.. Weiterer Dank gilt Tatjana Ruthmann, Kai Sander für Ihre Mitarbeit. Das Copyright liegt bei den jeweiligen Verfassern und beim Rassekaninchenzuchtforum e.V. Die Rechte der Grafiken liegen bei http://www.rkz-forum.com. Weitere Ergänzungen, Meinungen und Bilder zum Rassebericht bitte an webmaster@rkz-forum.com.de. Wir weisen nochmals ausdrücklich darauf hin, das die Bilder, Texte und Grafiken bestimmten Rechten unterliegen, und das wir Copyrightverletzungen strafrechtlich verfolgen lassen werden.

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    Rasse des Monats:

    Farbenzwerge Lux

    Erstellt von ZGM. Rieger

    Zwei Rassen sind im Standard verzeichnet, die eigentlich nur zwei Farbenschläge einer einzigen Kaninchenrasse sind. Oder wenn man den Rassebegriff so sieht, dass die Farbe des Fellhaares ein Merkmal zur Rassebegründung ist, wäre es ein sehr großer Strauß bunter Rassen die sich nur in Typ, Form und Fellhaar ähnlich sind.Tatsache ist aber, dass gerade bei diesen verbindenden Merkmalen der Hermelin und Farbenzwerge der Zuchtstand sehr unterschiedlich ausfällt. Natürlich gibt es einzelne Farbenschläge bei den FbZw, die den bereits gut durchgezüchteten Hermelin in jeder Hinsicht das Wasser reichen können, aber auch solche, die diesem Vergleich nicht standhalten.

    Viel ist nicht bekannt über die Herauszüchtung der ältesten Zwergkaninchenrasse, dem Hermelin. Belegt werden kann, dass sie in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in England durch Selektion aus den damals im sächsischen Erzgebirge verbreiteten so genannten „ Polnischen Kaninchen „ herausgezüchtet worden sind. Ob sie bereits über den Zwergenfaktor (dw) wie unsere heutigen Tiere verfügten oder einfach nur klein waren, lässt sich leider heute nicht mehr klären. Aber bereits damals strebten die Engländer bei ihren ersten Musterbeschreibungen eine kurze und gedrungene Kopfform mit großen kecken Augen an.

    In der Literatur erstmals erwähnt wird der Zwergenfaktor um 1918. Aufgetreten sein soll er zu dieser Zeit an verschiedenen Stellen, sowohl in Deutschland aber auch in England und Amerika. Eine besondere Beliebtheit hatten von Anfang an die Hermelinkaninchen in Deutschland, wo sie gegen Ende der zwanziger Jahre bereits eine erste Blütezeit erlebten. Leider wurde die Zucht jedoch immer mehr auf eine extreme Verzwergung ausgerichtet und so forderten die Bewertungsbestimmungen von 1931 nur noch ein Gewicht von 750g. Den Administratoren der damaligen Zeit wurde es mit diesen Extremforderungen und den daraus resultierenden starken Vitalitätseinbußen leicht gemacht eine Aberkennung der Rasse auszusprechen. Den Rest für den Niedergang der einstmals so erfolgreichen deutschen Hermelinzucht erledigte der zweite Weltkrieg.

    Farbenzwerge luxfarbigFarbenzwerge luxfarbig

    Überraschend zügig vonstatten ging der Wiederaufbau der Hermelinzucht nach dem Krieg. Zu den blau- und rotäugigen Hermelin gesellten sich noch Farbenzwerge aus Holland zur bunten Familie der Zwergkaninchen hinzu. Aber auch über deren Herauszüchtung ist relativ wenig bekannt, weil sie mit der turbulenten Vorkriegszeit in der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre zusammen fiel.

    Erste Zuchtversuche, bei denen Hermelin und Wildkaninchen verpaart wurden, führte der holländische Schmied Hoefmann aus Brielle durch, der gleichzeitig auch als Herauszüchter der Farbenzwerge gilt. Zur Entstehung der Farbenzwerge haben, etwa zur gleichen Zeit, neben ihm die Preisrichter J.H. de Jong und Fr. C. Schaedler beigetragen. Im Jahr 1938 standen erstmalig Farbenzwerge bei der holländischen Bundesschau. Gezeigt wurden 10 Graue, 1 Blauer und 1 Schwarzsilberner.
    Zu dieser Zeit galten noch 2 Kg als Höchstgewicht. Und wieder war es der Krieg, der 1940 diese vielversprechenden Anfänge in Holland stoppte.
    Aber die unermüdlichen Züchter nahmen gleich nach Kriegsende im Jahr 1945 ihr Bestreben wieder auf und nach ca.10 Jahren intensiver Zuchtarbeit konnte man in Holland bereits qualitativ hochwertige Zwergkaninchen in einer Reihe von Farbenschlägen bewundern. Ein Erfolg der für sich spricht.

    Gerade deutsche Züchter aus dem Rheinland entlang der holländischen Grenze wurden vermehrt aufmerksam auf diese „possierlichen Tiere“ und begannen nach der Beschaffung des geeigneten Tiermaterials mit der Zucht. Aber auch in Bayern genauer - gesagt in Augsburg - entwickelte sich das Interesse für die Hermelin- und Farbenzwerge-Zucht, als Beweis hierfür gibt es eine Clubstandarte, mit dem eingestickten Gründungsjahr 1947, die sich im Besitz des Hermelin und Farbenzwerge Clubs Bayern, Sektion Schwaben befindet. Leider ist das Protokollbuch aus den Anfangsjahren abhanden gekommen, so dass auch hier leider nichts Näheres berichtet werden kann.

    Der riesigen Nachfrage nach holländischen Zuchttieren standen leider nicht genügend Abgabetiere gegenüber und so gingen die deutschen Züchter dann auch schon sehr früh daran auf eigenem Wege Farbenzwerge herauszuzüchten.
    Die Anerkennung der Farbenzwerge im Deutschen Einheitsstandard erfolgte bereits 1956 auf Antrag von Erich Bergfeld aus dem Rheinland. Für Hermelin und Farbenzwerge in Deutschland werden seit dieser Zeit in allen Merkmalen mit Ausnahme der Fellfarbe die gleichen Forderungen geltend gemacht.

    1. Gewicht

    Normalgewicht über 1,1 bis 1,35 kg. Mindestgewicht 1,0 kg, Höchstgewicht 1,5 kg. Die Farbenzwerge sind ausgesprochene Zwergkaninchen. Um einerseits einer allzu intensiven Verzwergung vorzubeugen und andererseits den Typus eines Zwergkaninchens vollend zu erhalten, gilt als Normalgewicht ausgewachsener Zuchttiere ein solches zwischen 1,1 und 1,35 kg.

    2. Körperform, Typ und Bau

    Als ausgesprochene Zwergkaninchen weichen die Farbenzwerge im Typ ganz erheblich von den übrigen Rassen ab. Die Körperform ist gedrungen, walzenförmig, vorne und hinten gleichmäßig breit. Der Rumpf ist kurz und die Hinterpartie gut abgerundet. Die kurzen Läufe sind dem Zwergtyp angepasst. Die Blume ist klein und liegt fest am Körper an. Der Körper der Häsin unterscheidet sich von dem des Rammlers kaum und ist wie der des Rammlers von jeglichem Wammenansatz frei.

    3. Fellhaar

    Das Fellhaar der Farbenzwerge unterscheidet sich in seiner Struktur von dem der anderen Rassen. Es ist kurz und dicht und fühlt sich infolge seiner feinen Struktur etwas weicher an. Die Begrannung ist fein, gleichmäßig und ohne deutlich überstehendes grobes Grannenhaar. Die Ohren sind gut behaart.

    4. Kopf und Ohren

    Im Verhältnis zur Kleinheit des Tieres ist der Kopf groß und tritt markant in Erscheinung. Er ist kurz und kräftig, Stirn und Schnauzpartie sind breit (Stirnbreite beim Rammler in Augenhöhe etwa 5,5 cm, bei der Häsin ca. 5 cm). Der Kopf sitzt dicht am Rumpf. Die Augen sind groß und treten etwas hervor. Der Kopf der Häsin tritt ebenfalls markant in Erscheinung; er ist jedoch – v. a. infolge der weniger ausgeprägten Backenbildung – insgesamt etwas feiner.
    Die Ohren sind, der Zwergform entsprechend, relativ kurz, sollen aber dennoch in einem harmonischen Verhältnis zur Größe des Kopfes und des Rumpfes stehen. Als Ideal gilt eine Ohrenlänge von ca. 5,5 cm je nach Größenrahmen des Tieres. Die Mindestlänge beträgt 4,5 cm, die Höchstlänge 7 cm. Die Ohren sollen zusammenstehend, nach oben leicht v-förmig geöffnet getragen werden. Sie sollen, der Zwergrasse entsprechend, kräftig und fest im Gewebe und oben schön abgerundet sein.

    5. Deckfarbe und Gleichmäßigkeit

    Die Deckfarbe ist auf der Oberseite des Körpers ein lichtes Blau mit silbrigem Glanz und mit einer von der Zwischenfarbe her schwach durchscheinenden braunroten Tönung. Der Keil im Genick ist schwach ausgeprägt und durchgehend braunrot. Die Augenringe sind etwas heller, die Kinnbackeneinfassung ist weiß. Die Bauchdeckfarbe, die innere Seite der Vorder- und Hinterläufe sowie die Unterseite der Blume sind hell bis weiß. Die Augen sind graublau, je nach Lichteinfall leicht rötlich durchleuchtend. Die Krallen sind hornfarbig. (Die Anforderungen der Ausgangsrasse ist mit Rücksicht auf das kürzere Fellhaar der Farbenzwerge sinngemäß anzuwenden)

    6. Zwischen- und Unterfarbe

    Die Zwischenfarbe ist fuchsig rotbraun, 6-8 mm breit und besonders zur Unterfarbe hin deutlich abgegrenzt. Die Unterfarbe ist auf dem Rücken und allen sichtbaren Teilen des Körpers reinweiß; sie ist auf dem Rücken etwa 1 cm breit und scharf abgegrenzt. Beim Hineinblasen in das Fell muß ein kleiner Farbtrichter in Erscheinung treten. Die Bauchunterfarbe ist bläulich. Die Unterfarbe an der Blumenunterseite bleibt unberücksichtigt. (Die Anforderungen der Ausgangsrasse ist mit Rücksicht auf das kürzere Fellhaar der Farbenzwerge sinngemäß anzuwenden)

    7. Pflegezustand

    Nur in hervorragendem Pflegezustand werden Tiere zur Bewertung zugelassen. Es obliegt deshalb dem Züchter, seine Tiere mit Fleiß und Geschick gebührend vorzubereiten. Hierzu gehören: saubere Läufe, Ohren und Geschlechtspartie, gut beschnittene und reinliche Krallen usw.

    Farbenzwerge luxfarbigFarbenzwerge luxfarbig

    Wie für uns alles begann

    Begeistert vom Farbspiel des Luxfelles reifte bei uns im Jahr 1995 der Gedanke diesen Farbenschlag bei den Farbenzwergen zu züchten, da er ja vom Standard her zugelassen war. Aber da für meine Frau und mich die Kreuzung mehrerer Farbenschläge aus Platzgründen nicht in Frage kam, machten wir uns Deutschland weit auf die Suche nach Züchtern, die diesen seltenen Farbenschlag in Ihren Stallanlagen haben.

    Doch dies erwies sich schwieriger als gedacht. Auf keiner Ausstellung die wir besuchten, war ein FbZw, luxfarbig zu sehen. Auch Gespräche mit uns bekannten Züchtern aus Deutschland sowie Anfragen in den Niederlanden ergaben keinen Erfolg. Sollte es wirklich keinen Züchter geben, der sich mit diesem Farbenschlag beschäftigt? Also, was sollten wir machen. Doch die Genehmigung auf die Kreuzungszucht beantragen oder weiter suchen. Wir waren enttäuscht und ratlos. Also blieben wir beim Altbewährten und züchteten weitere zwei Jahre unsere FbZw, schwarz, ohne aber den Gedanken im Hinterkopf zu verlieren.

    Ein Bericht in der Ausgabe 05/97 von der ZGM. Guder über fehfarbige FbZw ließ uns neue Hoffnung zukommen. Hier ein Textauszug des Berichts von Bernd Guder: (Zitat)
    „Da unsere grauen Zwerge gelegentlich aufspalteten (blaugrau, schwarz, braunwildfarbig, havannafarbig usw.) diese jedoch vor allem in den Positionen 2, 3 und 4 sehr gute Leistungen brachten, wollten wir die neuen Farbenschläge hauptsächlich unter Verwendung der eigenen Nachzucht, ohne Zukauf vieler fremder Tiere züchten. So reifte der Entschluß, es mit den beiden wohl seltensten Zwergrassen zu versuchen, die damals bekannt und zugelassen waren, den FbZw luxfarbig und fehfarbig. FbZw luxfarbig wurden vereinzelt in den neuen Bundesländern gezüchtet. Da die erforderlichen genetischen Kenntnisse vorhanden waren, befanden sich bereits nach relativ kurzer Zeit fehfarbige Tiere in ansprechender Qualität in unserer Zucht, die zurückgepaart an einen heterozygot-blauwildfarbigen Zwerg, zum geringen Anteil spalterbig-fehwildfarbige Tiere, also Luxzwerge ( Phänotyp ) brachten. Die Chance zum Erhalt eines luxfarbigen Zwerges betrug bei der damals zur Verfügung stehenden Kombination von Ausgangstieren, nach der mendelschen Lehre, theoretisch 1 zu 64.
    Im Verlauf der nächsten Jahre entwickelten sich die Luxzwerge recht gut, so dass wir 1991 die ersten größeren Schauen beschicken konnten. Parallel hierzu bevölkerten jedoch auch die fehfarbigen Zwerge unsere Stallanlage, was bei einer Buchtenzahl von 22 schnell zu einigen Platzproblemen führte. So kam es, dass wir die Luxzwerge im Frühjahr 1994 an Zuchtfreund Jürgen Schwarzer aus Rüsselsheim mit der Bitte abgaben, den Farbenschlag in Ehren zu halten und für seine Verbreitung zu sorgen.“


    Viele Telefonanrufe, jede Menge Geduld und ca. 1500 km Wegstrecke waren unsererseits nötig bis wir die ersten Farbenzwerge, luxfarbig unser Eigen nennen durften. Aber letztendlich wurden wir belohnt und fanden zwei Züchter, die Tiere für uns hatten. Zwischen Oktober ´98 und März ´99 fanden 1,1 FbZw, luxfarbig aus der Zucht von Andreas Todter (Owen/Teck) und 3 Häsinnen von Jürgen Schwarzer (Rüsselsheim) in unserer Zuchtanlage ein neues Zuhause.

    Unsere Zucht

    Ab diesem Zeitpunkt bevölkerten 1,4 FbZw, luxfarbig unsere Stallungen. Die Zucht konnte beginnen. Im Jahr 1999 haben wir dann 17 Tiere als Nachzucht gezogen. Diese Tiere waren der Grundstock für unsere heutige Zucht. In den ersten zwei Jahren unserer Zucht vielen in den Würfen außer luxfarbigen auch fehfarbige und selten perlfehfarbige Tiere. Auch von fehlfarbigen Tieren wurden wir nicht verschont, so dass sich sogar Jungtiere mit silbergrauer Deckfarbe und bläulicher Unterfarbe im Wurf befanden. Doch diese Phase der Aufspaltung konnten wir durch strenge Selektion sehr gut entgegenwirken. Insgesamt haben bis zum heutigen Zeitpunkt 165 FbZw, luxfarbig das Licht der Welt in unserer Zuchtanlage erblickt.

    Unsere Zuchthäsinnen werfen zwischen 2 und 8 Jungtiere und ziehen diese mit guter bis sehr guter Milchleistung auf. Wir achten bei der Verpaarung darauf, dass wir großrahmige Häsinnen mit typischen Rammlern verpaaren. Und so können wir uns jedes Jahr immer wieder über Jungtiere freuen, die vom Typ her einen kurzen, gedrungenen Körperbau aufweisen und hinten schön abgerundet sind. Weiterhin haben sich eine schöne Kopf- und Ohrbildung in unserer Zucht gefestigt. Auch zeigen unsere Nachzuchttiere einen hervorragenden Stand.

    Schwieriger ist es schon die ideale Färbung zu züchten. Ist der schleierartige Überzug der Deckfarbe in unserer Zucht schon sehr gut vorhanden, sieht es bei den Unterfarben ganz anders aus. Hier kann bei den Jungtieren erst ab dem ca. 5. bis 6. Monat über die Qualität entschieden werden. Die Unterfarbe am Rücken sowie an allen sichtbaren Teilen des Körpers kann im Jungtieralter noch bläulich erscheinen und erst nach der Haarung weiß werden. Auch die Bauchunterfarbe ist nicht einfach zu handhaben,
    – da sie oftmals durch Abwesendheit glänzt oder
    – nur zum Teil oder zu schwach vorhanden ist und
    – in gewisser Weise auch abhängig von der Zwischenfarbe ist, die bräunlich rot und scharf abgegrenzt sein soll und mal mehr oder weniger vorhanden ist. Und gerade diese Zwischenfarbe ist entscheidend für das Farbspiel der Luxfarbe. Ebenso wirkt sich das kürzere Fellhaar auf die Farbe aus. Und das Wichtigste ist wie bei allen Rassen jede Menge Glück.
    Also, man sieht schon, es sind sehr viele Faktoren, die hier mitwirken, um ein idealgefärbtes Tier zu erhalten. Aber genau das ist es, was den Reiz an den Tieren ausmacht. Punktejägern und Pokalfetischisten können wir von einer Zucht dieses Farbenschlags nur abraten, denn der schnelle Erfolg ist mit diesen Tieren nicht zu erreichen. Vielmehr sind Geduld und Ausdauer gefragt, um die Farbenzwerge luxfarbig in ihrem Erscheinungsbild dem Standard näher zu bringen und sie vor allem in Europa zu verbreiten. Bis jetzt haben wir an insgesamt 14 Züchter aus Deutschland, Österreich und Tschechien Tiere abgegeben wobei nicht alle dem Farbenschlag treu geblieben sind.

    Haltung und Fütterung

    Unsere Zuchtanlage (Innenstallung, Ziegelbauweise mit Holzanbau) besteht heute aus 42 Einzelbuchten teils selbstgebaut, teils gekauft (Kirschstein, Piehler). Davon sind 16 Buchten in der Größe „60 cm x 70 cm“ und 26 in der Größe „60 cm x 60cm“. Die Tiere sitzen in Kunststoffwannen auf Tiereinstreu und Stroh. Auch bei den Kirschsteinställen, die ja bekanntlich mit Rosten ausgestattet sind, wird mit Stroh aufgestreut. Als Fütterungsmethode bevorzugen wir die einmalige abendliche Fütterung. Das Hauptfutter besteht aus Wasser, Heu und Pellets (Ovator Soli Plus) und getrockneter Petersilie. Zusätzlich füttern wir Mohrrüben und frische Petersilie. Gelegentlich gibt es noch getrocknetes Brot und ab Juni/Juli Topinambur. Häsinnen mit Jungtieren bekommen zweimal wöchentlich Multivitamin über das Trinkwasser verabreicht.

    Weitere Züchter

    Kurt Hölbing, Jena (LV Thüringen), Franz Göbel, Edertal (LV Kurhessen), Dieter Müller, Neckarsteinach (LV Baden), Stanislav Kulanda, Krasna Hora (Tschechien), Erich Wimmer, Brunn im Gebirge (Österreich), ZGM. Rieger, Aystetten (LV Bayern)

    Erbbiologische Betrachtung

    Lesen wir eingehender die Zuchtgeschichte und den zitierten Beitrag, so erkennen wir, wie nahe sich die erwähnten Farbenschläge perlfehfarbig, luxfarbig und fehfarbig aus genetischer Sicht stehen. Wohlbemerkt aus genetischer nicht aus züchterischer Sicht! Den Züchter hat nur der eine Farbenschlag zu interessieren, der gerade von ihm gezüchtet wird. Weshalb?

    Gucken wir uns die drei Fellfarben einmal genauer an. Am besten gelingt der Vergleich anhand von Formeln, weil wir da deutlich sehen, welche Unterschiede sich infolge der Kombinationen von Farbanlagene bei den Herauszüchtungen der Ursprungsrassen herauskristallisiert haben. Die genetische Grundlage der „großen Vorbilder“ wurde durch züchterische Leistung auf die Zwerge übertragen.

    Hier lässt sich die schrittweise Veränderung am leichtesten erklären, wenn wir von einem schwarzwildfarbigen Urtyp (dem sogenannten grauen Wildfell) ausgehend.

    ABCDG/ABCDG = schwarzwildfarbig (umgangssprachlich: Grau), wird hier nicht näher beschrieben,
    ABCdG/ABCdG = blauwildfarbig, typischer Rassevertreter ist das Pf, durch die Rasse BlgrW auch als blaugrau bekannt,
    ABcdG/ABcdG = luxfarbig (luchsfarbig wäre richtiger) - nach dieser Formel-Darstellung
    könnte man diese Farbe auch blaubraunwildfarbig oder fehwildfarbig nennen,
    ABcdg/ABcdg = fehfarbig, es liegt keine Wildfarbigkeit vor.

    (c) Heidrun Eknigk

    Die Blauwildfarbigkeit

    Dieses Farbbild ist insbesondere durch die Faktorenpaare dG/dG gekennzeichnet ist. Alle anderen Grundfaktoren (A, B und C) bleiben im Vergleich zur vollen Wildfarbigkeit - genannt Grau - unverändert. Was ist passiert?
    Der Faktor für die Dichte der Schwarzeinlagerung im Haar wird gemindert (verdünnt, aufgehellt). D mutierte zum rezessiven Faktor „d“ und ist in doppelter Form d/d vorhanden, folglich reinerbig vorhanden. Alle schwarzen Anteile aus dem uns bekannten schwarzwildfarbigen Haarkleid haben eine Veränderung zu blau erfahren. Folglich wird die Deckfarbe blaugrau gefordert.

    Da der Wildfarbigkeitscharakter (G/G) von dieser Farbverdünnung von Schwarz zu Blau nicht betroffen ist, bleiben auch hier wieder die hellen Körperzonierungen und die Bänderungen des Einzelhaares erhalten. Somit werden bei Scheitelung der Behaarung auch bei der Beispielsrasse Pf vom Haarboden aufwärts als Abstufungen in Unter-, Zwischen- und Deckfarbe erkennbar. Die Deckfarbe stellt sich als eine Mischung aus blauen und grauwirkenden Haaren auf einem blauen Farbgrund dar. In Folge des Zusammenspiels hellgrauer und etwas dunklerer Grannenhaarspitzen erhält die Deckfarbe ihren besonderen Reiz, nämlich das Erscheinungsmerkmal „Perlung“.

    Die Luxfarbe (Fehwildfarbe)

    Der Vertreter für diese Farbkombination ist die Rasse des Monats Farbenzwerg, luxfarbig. Eine Kombinationszucht von Perlfeh und Marburger Feh ließ diese Kaninchenfellfarbe und deren Fellträger - das Luxkaninchen - etwa um 1920 entstehen. Eine interessante und attraktive Rasse mit der zusätzlichen Genveränderung von Schwarz (CC) zu Braun (cc). Folglich kennzeichnen zwei Veränderungen sowohl die Formel als auch die Fellfarbe des ehemals schwarzwildfarbigen Ausgangstypen: cdG/cdG.
    Daraus schlussfolgernd müssen in der Decke bei unserer Rasse des Monats dem luxfarbigen Zwerg blaue und braune Farben sichtbar werden. Dem Betrachter stellt sich dieses Farbbild vergleichsweise heller als das der Pf als lichtes Blau mit schwacher, durchscheinender bräunlichroter Tönung dar. In der Standardsprache heißt das: „ein lichtes Blau mit silbrigem Glanz und mit einer von der Zwischenfarbe her schwach durchscheinenden braunroten Tönung“.
    Anhand der oben aufgezeigten Formel erkennen wir, die Fehwildfarbigkeit basiert auf dem G im Zusammenhang mit den mutierten, nun kleingeschriebenen Faktoren c und d, so bleiben auch bei dieser Rasse/Farbanlage die Einzelhaarzonierung und die Körperzonierungen erhalten.
    Auch hier können wir die Aussage über Einzelhaarzonierung überprüfen, indem wir z. B. einen Felltrichter blasen und die Unter-, Zwischen- und Deckfarbe betrachten.
    Eine blaugraue Iris passt zu beiden bis hierher beschriebenen Genotypen, nur finden wir bei der Lux-Variante ein Auge, dass bei günstigem Lichteinfall leicht rötlich erscheint.

    Die einfarbigen Fehbehaarung

    Das Marburger-Feh-Kaninchen ist hier als Beispielsrasse zu nennen. Die Deckfarbe präsentiert sich in einem Farbenzwerge luxfarbiglichten Blau, das von einem bräunlichen Schleier leicht überzogen ist. Die kürzere Behaarung an Kopf, Ohren und Läufen verstärkt den bräunlichen Schleier bei zurücktretendem Blau. Das gesamte Farbbild wirkt „ruhiger“ im Vergleich zu den luxfarbigen Vertretern. Wie bei allen einfarbigen Rassen wird das Farbbild am ganzen Körper gleichmäßig verlangt und ist frei von Zonierungen nach Art der Wildfarbigkeit. Nur die Bauchfarben sind stets etwas matter, was auf die geringere Begrannung in diesem Bereich zurückzuführen ist. Die Augenfarbe ist auch hier wieder passend zur genetischen Farbgrundlage blaugrau und leuchtet wie bei den Luxfarbenen bei entsprechendem Lichteinfall rötlich. Dieses Merkmal in den Bereichen der Iris und der Pupille basiert auf der durch Mutation bzw. durch die Kombination mutierter Faktoren: Farbverdünnung (D zu d) und Farbreduzierung C zu c. Es ist keinesfalls vergleichbar mit dem rot durchscheinenden Augenhintergrund beim Teil- oder Vollalbino, sondern begründet sich aus der Farbreduzierung C zu c = Minderung des schwarzen Pigmentes.
    Da diese Rasse einfarbig ist, weicht die Unterfarbe nicht wesentlich vom Ton der hellblauen Deckfarbe ab, sie grenzt demzufolge auch von dieser nicht scharf ab und sollte bis zum Haarboden herab reichen.

    Preisrichterliche Betrachtung

    Herzlichen Glückwunsch an die Verfasser für diesen umfangreichen Bericht, dem ich nicht mehr hinzuzufügen wüsste. Bei viele seltenen Farbenschlägen bei Farbenzwergen und anderen Rassen, lassen oft Körperform und Fell noch zu wünschen, denn ist es verständlich dass die Züchter erst einmal versuchen Rassemerkmale zu festigen. Um so erfreulicher ist, dass die Verfasser auch in diesen Positionen schon gute Fortschritte gemacht haben.

    Wir bedanken uns bei ZGM. Rieger für diesen Bericht und die Fotos. Weiterer Dank gilt Tatjana Ruthmann, Kai Sander,Heiko Semmel und Siegfried Lübbert für Ihre Mitarbeit. Das Copyright liegt bei den jeweiligen Verfassern und beim Rassekaninchenzuchtforum e.V. Die Rechte der Grafiken liegen bei http://www.rkz-forum.de. Weitere Ergänzungen, Meinungen und Bilder zum Rassebericht bitte an webmaster@rkz-forum.de. Wir weisen nochmals ausdrücklich darauf hin, das die Bilder, Texte und Grafiken bestimmten Rechten unterliegen, und das wir Copyrightverletzungen strafrechtlich verfolgen lassen werden.

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    Rasse des Monats:

    Sachsengold

    Erstellt von Thomas Heini

    Die Anerkennung dieser noch recht jungen Rasse erfolgte im März 1961. Doch schon Jahre vorher beschäftigte sich der Züchter Richard Bennack aus Röhrsdorf bei Meißen mit der Herauszüchtung einer neuen kleinen Rasse.
    Jede bisher herausgezüchtete Kaninchenrasse mußte in mühevoller Zuchtarbeit über Jahre hinweg ständig verbessert werden, bevor ihre Anerkennung erfolgen konnte. Dieser Weg war aber bei den Sachsengold-Kaninchen besonders lang und schwierig. Gerade hier liegt der große Verdienst des Herauszüchtens begründet. In Unkenntnis der Vererbungslehre wurde bei der Herauszüchtung ziemlich planlos eingekreuzt. Es ist deshalb fast verwunderlich, wenn heute ein so schönes Tier vor uns steht. Dem Sohn des Herhauszüchters, Günter Bennack, und anderen Zuchtfreunden ist es zu danken, daß wir heute trotzdem recht konkrete Angaben über den Entstehungsweg machen können.
    Bei dem Sachsengold handelt es sich um eine reine Kombinationszüchtung. Richard Bennack begann bereits 1925 mit Kreuzungsversuchen. Doch der 2. Weltkrieg machte seine züchterischen Ergebnisse zunichte. Der Urahne der Rasse soll ein strohgelber, rasseloser Rammler gewesen sein. Richard Bennack sah ihn bei einem Bekannten und war sofort begeistert. Hieraus entstand auch das Zuchtziel, ein rotgelbes Kaninchen mit gelber Bauchfarbe zu züchten, das in Größe und Typ dem Kleinchinchilla-Kaninchen nahe kommt. Seine neue Rasse sollte den Namen Goldhasen" erhalten.
    Zuerst paarte er den strohgelben Kreuzungsrammler an eine rötlich-gelbe Häsin der Rasse Japaner-Kaninchen, die nur in geringem Maße die dunkle Japanerzeichnung aufwies. Später wurden Gelbsilber eingekreuzt. Das Ergebnis waren über Jahre hinweg gesilberte Tiere. Die Gelbsilber waren es aber auch, die den erblichen Weißfaktor in die Rasse hineinbrachten. Durch die Einkreuzung von Havanna-Kaninchen bekamen die Sachsengold ihre intensive braune Augenfarbe. Auch die Farbe der Krallen wurde dadurch intensiver. Die Einkreuzung von Kleinchinchilla-Kaninchen brachte in der Nachzucht die gewünschte Größe, Form und eine dichte Unterwolle. Diese Rasse brachte aber bei den Nachzuchttieren auch eine weiße Bauchfarbe. Erst die Einpaarung von Schwarzloh-Kaninchen führte zum züchterischen Erfolg. Von ihnen erbten die Sachsengold den dunkelgelben Bauch und bekamen eine satte rotgelbe Deckfarbe. Damit war ein guter Anfang gemacht. Später sollten noch Hasen-Kaninchen eingekreuzt worden sein. Rote Neuseeländer spielten bei der Herauszüchtung keine Rolle. Somit war eine kleine und farblich ansprechende Rasse geschaffen worden. Das Rotgelb der Deckfarbe war dann auch der Anlass für den recht klangvollen Namen Sachsengold". Es versteht sich von selbst, daß sich schnell ein kleiner Kreis begeisterter Züchter der Neuzüchtung annahm. Ihnen ist es zu verdanken, daß die Sachsengold nicht nur als Rasse erhalten blieben sondern auch ständig weiter verbessert worden sind. Das war besonders in den Anfangsjahren nicht leicht. Durch das vielfältige Ausgangsmaterial traten außer den gewünschten Merkmalen immer wieder fehlerhafte Tiere auf. So gab es Tiere bei denen die Farben Weiß, Gelb, Grau und Schwarz auftraten. Die intensive Zuchtarbeit war die Garantie, daß sich das Bild der Rasse immer mehr dem Ideal näherte.
    Mit großer Geduld und Ausdauer hat Richard Bennack viele Jahre lang Kreuzungen und Rückpaarungen durchgeführt. Dabei erzielte er so manchen Erfolg, mußte aber auch viele Rückschläge hinnehmen. Im Jahre 1953 stellte er seine Neuzüchtung erstmals der Züchterschaft in Dresden vor. Eine Kollektion von 10 Tieren fand 1959 in Dresden die allgemeine Bewunderung der Züchter. Für diese Tiere erhielt er fünfmal sehr gut, zweimal gut und dreimal befriedigend. Im darauf folgenden Jahr wurden bereits 8 Sammlungen und 5 Einzeltiere mit dem angestrebten Rotgelb ausgestellt. Auch das verdeutlicht die inzwischen gewachsene Schar der Sachsengoldzüchter. Bis zur Anerkennung der Rasse im Jahre 1961 war es nun nicht mehr weit.
    Leider erlebte Richard Bennack die Krönung seiner jahrelangen züchterischen Tätigkeit, die Anerkennung und Aufnahme der Rasse in den Standard, nicht mehr.


    SachsengoldSachsengold

    Das Sachsengoldkaninchen ist eine kleine Kaninchenrasse mit einem Normalgewicht von über 2,75 kg bis zu einem Höchstgewicht von 3,25 kg und mit einem Mindestgewicht von 2,25 kg. Der Körper ist kurz und gedrungen und zeichnet sich durch eine ebenmäßige, nach hinten gut abgerundete Rückenlinie aus. Karpfen- und Senkrücken sind wie bei allen Rassen Skelettmängel und damit schwere Fehler. Junge Häsinnen sollten wammenfrei sein, ältere Damen der Rasse dürfen einen Wammenansatz aufweisen. Bei Rammlern ist schon der Ansatz einer Wamme ein Ausschlussfehler.
    Das Fellhaar ist mittellang, sehr dicht und dabei gleichmäßig begrannt. Die besonderen Rassemerkmale werden in den Positionen 4 bis 6 ermittelt.

    Pos. 4 - Kopf und Ohren

    Die Ohren sind fleischig. Das heißt sie sind im Gewebe stabil, kräftig und kurz. Wem diese Aussage kurz zu gering ist, sollte sich auf eine Länge der Ohren von ~ 10 cm einstellen. Das Ohr muss dennoch zur Körpergröße passen. Wir sprechen in dem Fall der Harmonie von ausgeglichenen Proportionen. Zu kleinen, kompakten Tiere passt auch, dass der markante Kopf dem Körper direkt angesetzt erscheint..

    Pos. 5 - Deckfarbe und Gleichmäßigkeit

    Sachsengold zeigen eine intensive rotgelbe Deckfarbe. Sie soll idealer Weise den gesamten Körper gleichmäßig erfassen, also auch Bauch, Läufe, Brust und die Blumenoberseite. Nicht selten ist jedoch die Bauchdeckfarbe etwas heller und das darf sie auch nach neuem Standard sein. Eine völlig weiße Bauchdeckfarbe gilt als schwerer Fehler. Die Blumenunterseite ist gelbrot, aber darf cremefarben sein.. Fleckige, durchsetzte Farbe oder helle Brust und/oder Läufe besagen, dass die geforderte Gleichmäßigkeit nicht gegeben ist. Weiße oder schwarze Haare haben im Haarkleid der kleinen, roten Schönheit nichts zu suchen und stören ebenfalls die Gleichmäßigkeit. Der Grad solcher Durchsetzungen entscheidet schnell über ein NB. Braune Augen und schöne dunkle Krallen sind passend zum sonstigen Outfit der SaG. Auch muss der Züchter wie bei anderen gelben und roten Rassen acht geben, dass nicht Tiere mit dunklen Anflügen an Ohren, Brust oder Läufen zur Zucht verwendet werden.

    Pos. 6 - Unterfarbe

    Wie soll es anders sein, zum hübschen Kleid wird ein passendes Unterkleid getragen. Hier ist es die Unterfarbe, die der Deckfarbe möglichst ähnlich sein soll und bis zum Haarboden reicht.

    Preisrichterliche Betrachtung

    In diesem Bericht sind schon einige Meinungen in den Text mit eingeflossen. Die Sachsengold sind eine Rasse, die man öfters mal auf einigen Schauen sieht. In meinem Kreisverband sind sie momentan im Aufwind und werden von mehreren Alt- und Jungzüchtern gezogen. Die Körperformen sind oft sehr ansprechend, Die Felle könnten in manchen Fällen noch ein wenig mehr Granne aufweisen. In einigen Fällen sieht man noch Tieren deren Ohrengewebe kräftiger sein könnte. Probleme gibt es manchmal noch in der Deckfarbe, gerade an den Ohrenrändern sieht man oft weiße Haare. Auch der dunkle Anflug ist noch ab und zu sichbar..

    Erbbiologische Betrachtung

    Bedenkt man, dass diese kleine Rasse eigentlich recht planlos herausgezüchtet wurde, so ist es den Freunden der Rasse Sachsengold heute hoch anzurechnen, was da züchterisch geleistet wurde. Wenn im Beitrag erwähnt wird, dass in der Phase der Herauszüchtung Fellfarben in Gelb, Weiß, Schwarzwildfarbe auftraten, belegt es die planlose Verpaarung sehr unterschiedlicher Rassen.
    Die Ausgangsbasis sollen ein gelber Rammler und eine überwiegend gelbe Japanerhäsin gebildet haben. Später sollen Kaninchen der Rassen Havanna, Chinchilla, Großsilber und sogar Lohkaninchen und Rote Neuseeländer eingekreuzt worden sein. Welch eine genetische Vielfalt!
    Viel ist aus den Nachkriegsjahren über den Weg der Weiterzucht nicht bekannt. Nur so viel weiß man aus der Zeit des 2. Weltkrieges, dass es verpönt war, überhaupt kleine Rasse zu züchten. So hieß es in einschlägiger Literatur aus jener Zeit beispielsweise:
    SachsengoldInfolge des großen Weltkrieges, in dem die Feinde Deutschlands mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln das deutsche Volk dem Hungertode preiszugeben beabsichtigten, hat die Kaninchenzucht auch in Deutschland zwecks Produktion einen nie geahnten Umfang angenommen ...
    Allein durch diese Aussage wurde es zur Forderung, der Zucht großer Rassen den Vorrang zu geben. Kleine Rassen blieben in heimlicher Züchterhand erhalten, so konnte Bennacks Sohn mit noch vorhandenen Tieren aus des Vaters Zucht die Neuzucht des Sachsengold-Kaninchens fortsetzen.

    Unsere Zuchtfreunde der kleinen sattroten Rasse haben es wesentlich leichter, weil m. E. eine gute Verbreitung der Rasse gegeben ist. Eine Nachahmung der erwähnten Herauszüchtung unter Verwendung der genannten Rassen ist keinesfalls zu empfehlen. Das heißt, das Einkreuzen anderer Rassen würde dem kleinen roten Gesellen schaden.

    Sachsengold unterliegen in ihrer Vererbung einer ursächlichen Gelbwildfarbigkeit = AbCDG/AbCDG. Für das kräftige Rot sorgt eine hohe Wirkungskraft der angehäuften Rotverstärkerfaktoren y. Sachsengold weisen eine sehr intensive rote Fellfärbung auf, ergo verfügen sie über eine sehr hohe Anzahl wirkungsvoller y.../y.... Die komplette Erbformel unserer Rasse des Monats September lautet: AbCDGy/AbCDGy
    Bitte zur Ergänzung der Fehlerursachen den Beitrag Rot, Gelb plus Wildfarbigkeit im Rassekaninchenzuchtforum nachlesen.

    (c) Heidrun Eknigk
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    Rasse des Monats:

    Perlfeh

    Zuchtfreund Schmidt aus 63674 Altenstadt-Rodenbach (tommygschmidt@t-online.de) genehmigte uns freundlicher Weise die Nutzung seines Beitrags für das Forum. Mit den folgenden Worten leitet er seine Rassebeschreibung ein: „Ich freue mich, wenn ich die Gelegenheit habe, hier das Perlfeh-Kaninchen vorzustellen, welches noch zu den „jungen“ Rassen zählt, obwohl es schon Anfang der 20-er Jahre züchterisch in Erscheinung trat.“

    Die Entstehung der Rasse „Perlfeh“ (Pf), wird Karl Hofmann aus Düsseldorf und Karl Deininger aus Augsburg zugeschrieben, deren Zuchten zusammengefasst wurden, auch wenn sich, etwa zeitgleich mehrere Züchter mit der Entwicklung dieser schönen Rasse beschäftigten. So tauchten z. B. um 1920 in Pinneberg verschiedene Kaninchen auf, die in Größe, Form und besonders in der Farbe, etwa gleich waren, sich aber nicht weiter durchsetzen konnten. Auch in Frankreich und der Schweiz kamen zur selben Zeit ähnlich gefärbte Tiere auf. So entsprechen im Groben die heutigen Schweizer Feh unseren Perlfeh-Kaninchen. Das ursprüngliche Zuchtziel war der Versuch, der farblichen Imitation des sibirischen Eichhörnchens. Bei der Herauszüchtung des Pf waren sowohl Marburger Feh als auch dunkelgraue, havannafarbige und eisengraue Kaninchen zum Zuchteinsatz gekommen. Erst nach regionaler Verbreitung wurden die Kaninchen 1936 als Rasse mit dem Namen Perlfehl in die Reichsbewertungsbestimmungen aufgenommen.

    Der sogenannte „Wirtschaftsrassenbeschluss“ aus dem Jahre 1938 und der 2. Weltkrieg sorgten für das fast völlige Verschwinden, nicht nur dieser interessanten kleinen Kaninchenrasse. Über die Weiterzüchtung in der Nachkriegszeit ist mir leider nichts bekannt, es wäre aber interessant, wenn der ein oder andere Leser, hierüber weitere Informationen mit mir austauschen würde. Erstmalig wurden 1956 wieder Pf auf der Bundesschau ausgestellt. Einen nicht unwesentlichen Teil tragen die vielen Clubs im ZDK dazu bei, dass sich die Pf in unseren Reihen einen sehr guten und festen Platz auf großen Schauen gesichert haben.
    Seit 1997 haben sich nunmehr 9 Feh-Clubs aus den Landesverbänden Baden, Bayern, Hessen/Nassau, Württemberg/Hohenzollern, Rheinland, Kurhessen, Hannover, Rheinland-Pfalz und Sachsen zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen, um eine gemeinsame Zuchtverbesserung der angeschlossenen Rassen zu erstreben. Hier wurden schon zum viermal Vergleichsschauen auf Bundesebene durchgeführt, welche bei den Pf Meldeergebnisse vorzuweisen haben, die sich im Vergleich zu Bundesschauen sehen lassen können. Wie soll das Perlfeh-Kaninchen aussehen? Was gibt der Standard vor?

    1. Gewicht

    Diese Rasse gehört zu den kleinen Rassen mit einem Gewicht von mindestens 2,0 kg, bis zu einem Höchstgewicht von 3,25 kg. Das Idealgewicht beträgt über 2,5 kg bis 3,25 kg, wofür 20 Punkte zur Vergabe kommen. Die eigene Erfahrung zeigt, dass Tiere mit einem Gewicht von ca. 3,1- 3,2 kg in einer guten Größe und Kondition auf Ausstellungen beste Bewertungen erreichen. Muttertiere an der Gewichtsobergrenze haben starke Wurf- und Aufzuchtsleistungen. Mit Zuchttieren von 3,25 kg und mehr, stellen bei Juni-Würfen, für die Ausstellungssaison kein Problem dar.

    2. Körperform

    Hier wird eine Körperform vergleichbar dem des Kleinsilberkaninchens verlangt. Eine gedrungene Form, hinten gut abgerundet, kräftige aber nicht zu lange Vorderläufe und eine breite und gut ausgeprägte Schulterpartie soll erkennbar sein. Der Kopf und die Ohren werden in dieser Position mit bewertet. Die Länge der Ohren wird nicht gemessen, liegt aber bei ca. 10 cm (ein Viertel der Rumpflänge).

    Persönliche Anmerkung und Erfahrung des Autors:

    SachsengoldHier liegen die ersten Ansatzpunkte zur Verbesserung. Die Kopfbildung könnte in vielen Zuchten besser werden, besonders die Backenbildung bei den Rammlern. Auch in der Ohrenstruktur sind die Pf noch lange nicht bei der Idealforderung angelangt. Hier sieht man oft, auf den Ausstellungen, dünne und faltige Ohren. Das größte Problem in dieser Position sind die Wammen und Wammenansätze, sowie die losen Brustfelle. Meines Erachtens liegen hier Fütterungsfehler vor. Vielfach werden die Kaninchen zuerst in kürzester Zeit, durch freie Kraftfutteraufnahme, auf das Gewicht gefüttert, dann wiederum bei weiterhin starker Gewichtszunahme in der Futtergabe gebremst und schließlich durch weniger Futter lose im Fell werden. Ein wirksames Rezept ist eine sachte Fütterung: Täglich ca. 60 - 80 gr. Kraftfutter, im Sommer volle Futterraufen mit Grünfutter und/oder immer viel Heu und Trinkwasser. Der Bedarf kann bei warmer Witterung bis zu einem Liter betragen. Außerdem ist den vorher genannten Problemen am besten durch eine strenge Bewertung in dieser Position und durch züchterische Selektion entgegenzusteuern, um dort Abhilfe zu schaffen. Bei dieser Rasse ist gerade in dieser Position 2 noch eine ganze Menge Arbeit zu leisten, welche aber schon in absehbarer Zeit wesentliche Verbesserungen bringen wird

    3. Zur Behaarung

    Im Standard steht: „Wie beim MF, mit dem Unterschied einer kräftigeren Begrannung“. Dies ist wohl eine sehr ungenaue Beschreibung. Wie soll das Fell beschaffen sein? Es wird von einem mittellangen und ausgesprochen dichtem Fell gesprochen. Für die Pf ist eine Behaarungslänge von ca. 2,5 cm anzustreben. Bei dieser Länge ist nach meiner Erfahrung das Verhältnis von Deckhaar zum Grannenhaar am besten, welches sehr wichtig für die Qualität der Perlung ist. Deckhaar und die Begrannung sind kräftig aber nicht hart. Die Grannenhaare sollen möglichst gleichmäßig verteilt und nicht zu lang über dem Deckhaar liegen. Die Pf haben in der Kaninchenzucht mit die besten Felle, vor allem durch ihr, in der Unterwolle, sehr dichtes Haarkleid. Hier sind in sehr guten Zuchten auch bei Rammlern und Häsinnen keine Unterschiede in der Fellqualität erkennbar.
    Ich habe schon die Erfahrung gemacht, Häsinnen mit einer vorzüglichen Dichte zu erzüchten, welche ich nicht auf Ausstellungen vorstellen konnte. Durch die enorme Dichte des Fells befanden sich diese Häsinnen immer in starker Haarung, d. h. sie waren immer im Haarwechsel. Natürlich als Zuchthäsinnen eingesetzt, vererbten diese jahrelang, allerbeste Fellträger. Nicht nur der Punkte wegen muss auf die Fellbeschaffenheit geachtet werden, sondern auch für die Verarbeitung der Felle durch unsere Frauengruppen sollten die gewonnenen Felle Kürschnerqualität besitzen. Die Pf-Felle zählen zu den meist verarbeiteten Kaninchenfellen und werden naturfarben belassen, da sie sich sehr gut zu schicken Jacken, Mänteln und Wandteppichen verarbeiten lassen.

    Zu den Rassemerkmalen

    Die Hauptrassemerkmale sind in der Position 4 des Standards als Deckfarbe und Perlung definiert. Bei den Pf wird mit der Deckfarbe in dieseSachsengoldr Position auch die Perlung beurteilt. Hier schreibt der Standard eine blauwildfarbige Deckfarbe, in heller, mittlerer oder dunkler Abtönung vor, wobei eine mittlere Farbschattierung zu bevorzugen ist. Hinzu kommen die Wildfarbigkeitsabzeichen. Diese sind u. a. helle Augenringe, - Kinnbackeneinfassungen, - Innenseiten der Läufe und die helle Bauchdeckfarbe. Brust und Läufe sind auch etwas heller in der Farbe abgestuft. Wichtig ist auch das Vorhandensein des kleinen, bräunlichen Keils im Genick, der aber nicht scharf abgegrenzt sein muss. Die Bauchdeckfarbe erscheint hellcreme bis hellgrau. Auch wird in dieser Position die blaugraue Augen und hornfarbige Krallenfarbe beurteilt. Da die Krallenfarbe durch Aufhellung der Deckfarbe oft vernachlässigt wird, ist es unbedingt erforderlich, verstärkt nach hellen Krallenfarben zu achten und diese mit Punktabzug zu strafen. Auch bei der Augenfarbe treten oft braune Augen auf, welche aber den sofortigen Ausschluss von der Bewertung nach sich ziehen. Die Perlung wird durch hellgrau bis braun gespitzte Grannenhaare hervorgerufen, die sich über die gesamte Decke - ausgenommen der wildfarbigen Abzeichen - gleichmäßig verteilen sollen und einen sogenannten „Pfeffer und Salz“-Effekt bilden. Jedoch dürfen diese Spitzen keinesfalls weiß sein. Je länger oder weniger die Grannenspitzenfärbung ausgedehnt ist, um so grober oder feiner ist die Wirkung der Perlung. Die weiteren Rassemerkmale ergeben sich aus dem Hauptrassemerkmal und werden in den Positionen 5 und 6 beschrieben und bewertet:

    Position 5 - Die Gleichmäßigkeit

    Hier wird die gleichmäßige Verteilung der Deckfarbe und der Perlung, verlangt und beurteilt. An kürzer behaarten Körperstellen, wie z .B. Kopf, Ohr und Läufe, tritt der Perlungseffekt nicht so stark in Erscheinung, da dort die Grannenhaare auch kürzer sind und nicht sehr weit über dem Deckhaar liegen. Auf eine Perlung der Blumenoberseite ist unbedingt zu achten. Es kommen immer öfter Pf vor, welche nur noch vereinzelte farbige Grannenspitzen aufweisen. Oft ist keine Perlung auf der Blumenoberseite zu erkennen. Dies ist ein Fehler, der mit „nicht befriedigend“ zu bewerten ist, aber allzu oft übersehen wird. Die hier so oft abgestraften hellen Binden an den Vorderläufen sind teilweise etwas überzogen bewertet, da diese wildfarbigen Abzeichen, genetisch bedingt, dazugehören. Ein Wegzüchten dieser Abzeichen würde mit dem Verlust von Perlung, Zwischenfarbe sowie braunem Genickkeil enden. Bindenansätze sollten, wenn diese nicht sehr hellcremefarbig, sondern bräunliche Färbung aufweisen, als leichter Fehler unberücksichtigt bleiben. Richtige „Binden“, die sich hell oder weiß um und über den gesamten Vorderlauf ziehen, sind dagegen hart mit Punktabzug oder Ausschluss zu bestrafen.

    Position 6 - Die Zwischenfarbe und die Unterfarbe

    Diese beiden Merkmale werden gemeinsam beurteilt. Es heißt z. B. die Zwischenfarbe tritt jedoch nicht scharf abgegrenzt in Erscheinung. In der Aufzählung bei den leichten Fehlern können wir aber nachlesen, dass eine verschwommene Zwischenfarbe gestraft werden soll. Eine Definierung, welche nicht leicht nachvollziehbar ist, da eine unscharfe Abgrenzung immer verschwommen wirkt. Fakt ist eine ca. 5 mm breite, rotbraune bis braune Zwischenfarbe, die nicht wie beispielsweise bei den KlCh klar abgegrenzt ist. Bei Jungtieren ist ein Wechsel in der Farbintensivität, fast wöchentlich, je nach Fell und Haarungszustand, zu verfolgen. Die Unterfarbe ist blau bis blaugrau und erfasst etwa 2/3 der Haarlänge. Auch ist die Unterfarbe am Bauch gefordert, was aber bei Althäsinnen, welche in der Bauchunterfarbe heller werden oder diese gänzlich fehlt, nur als leichter Fehler bestraft wird.
    Zu den Kriterien der Position 7, dem Pflegezustand, möchte ich in dieser Vorstellung nicht eingehen, da ich davon ausgehe, dass wir Züchter alle wissen, wie gut vorbereitet, unsere Kaninchen den Bewertungen vorgestellt werden müssen.

    Zum Abschluss noch ein paar Anmerkungen

    Bei allen Rassen, somit auch bei den Pf, möchten wir alle Kaninchen ausstellen, die dem Idealbild möglichst am nächsten kommen. So muss man rechtzeitig für die zu beschickenden Ausstellungen voraus planen, da sich unsere Lieblinge nicht über den gesamten Zeitraum der Saison, in der Blüte befinden. Bei den Pf gilt der beste Zeitpunkt für eine Ausstellungsbeschickung, als der 7. bis 8. Lebensmonat. Die Häsinnen gehen nachher aus der Ausstellungskondition heraus. Rammler wachsen buchstäblich in eine Ausstellungsblüte hinein.
    Am besten lassen sich die Pf bei Tageslicht und gutem Lichteinfall beurteilen. Die Feinheiten der o. a. Rassemerkmale präsentieren nicht, wie z. B. bei Scheckenkaninchen, auf dem ersten Blick, sondern erst bei richtigen Lichtverhältnissen. Bei Tageslicht sind deutliche Unterschiede in der Gleichmäßigkeit besser zu erkennen, und es lassen sich Farbfeinheiten genauer beurteilen. Neben Dressur und Schaufertigmachen gehört eine ausgewogene Fütterung - vor allem der Häsinnen - zur Ausstellungsvorbereitung, da wie schon angeführt, die Perlfeh-Kaninchen gute Futterverwerter sind, aber auch bei starker Fütterung, gerne zu Wammenansätzen und Wammen neigen. Pf sind nach meiner Erfahrung eine frohwüchsige Rasse, mit einem Wurfergebnis von ca. 6 – 8 Jungen und einer guten Aufzuchtsleistung. Ausgeschlachtet wird ein Gewicht von ca. 1850 gr. bis ca. 2000 gr. erreicht. Unschönes gelbes Fett ist nach meiner Erfahrung noch nicht vorgekommen. Ich hoffe, diese Ausführungen waren für den ein oder anderen Züchter interessant und haben das schöne Perlfeh-Kaninchen etwas näher vorgestellt.

    Mit den besten Züchtergrüßen
    Thomas Schmidt

    Preisrichterliche Betrachtung

    Hier haben wir wieder einmal einen Bericht dem kaum etwas hinzuzufügen ist. Die angesprochenen Binden sind im neuen Standard berücksichtig worden. Leichter Fehler: Helle Binden, Schwerer Fehler: rein weiße Binden

    Erbbiologische Betrachtung

    Der Rassebericht ist sehr gut und ausführlich. Er bildet die Grundlage dafür, in einer der nächsten Rassevorstellungen die genetisch ähnlichen Rassen Marburger Feh und Luchskaninchen unter die Lupe zu nehmen und den genetischen Ursprung aller drei Rassen zu vergleichen. Fragen zur Vererbung dieser Rasse werden direkt in der Diskussion zur Rasse des Monats gern beantwortet.

    (c) Heidrun Eknigl
    Wir bedanken uns bei Thomas Schmidt für diesen Bericht und die Fotos. Weiterer Dank gilt Tatjana Ruthmann, Kai Sander,Heiko Semmel und Siegfried Lübbert für Ihre Mitarbeit. Das Copyright liegt bei den jeweiligen Verfassern und beim Rassekaninchenzuchtforum e.V. Die Rechte der Grafiken liegen bei http://www.rkz-forum.com. Weitere Ergänzungen, Meinungen und Bilder zum Rassebericht bitte an webmaster@rkz-forum.de. Wir weisen nochmals ausdrücklich darauf hin, das die Bilder, Texte und Grafiken bestimmten Rechten unterliegen, und das wir Copyrightverletzungen strafrechtlich verfolgen lassen werden.

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    Rasse des Monats:

    Rexkaninchen

    Unsere Forum-Mitglieder Marina Caldwell-Schaeffer, Thorsten Höh und Markus Schütte, waren so begeistert und so fleißig, ihre Rexkaninchen als Rasse des Monats vorzustellen, dass es schwer war diesen Beitrag zu trennen. Lassen wir deshalb einmal den Beitrag so stehen und diskutieren aufkommende Fragen separat hier im Rassekaninchenzuchtforum.

    Eines Tages im Jahre 1919 entdeckte der französische Kleinbauer Caillon in Coulone im Nest einer grauen Kreuzungshäsin ein Jungtier, dem das Haar später als dessen Wurfgeschwistern wuchs. Dies wiederholte sich auch beim nächsten Wurf. Abbe Amdede Gillet, der Pfarrer des Dorfes, wurde aufmerksam und kaufte dem Bauer beide Tiere, ein Paar, ab. Deren Nachkommen waren durchweg kurzhaarig und ausnahmslos mit einem körperlichen Defekt behaftet. Deshalb kreuzte Gillet normalhaarige Tiere ein. Sechs Tiere aus solchen Würfen stellte er 1924 in Paris als Castor-Rex der staunenden Öffentlichkeit vor. 1926 wurden die ersten Rexe in Deutschland gezeigt. Sie waren hier, wie überall, wo sie auftauchten, die Sensation aller Ausstellungen. Von der schwächeren Vitalität, die die ältere Literatur gerne noch den Rexen zuschrieb, ist heute kaum noch etwas zu merken. Lediglich Kahlstellen unter den Sohlen, teilweise auch wunde Läufe, finden wir bei den Rexkaninchen häufiger als bei den anderen Rassen. Das mag jedoch auch an der degenerativen Behaarung liegen. Einige Farbenschläge gehören mit zu den Spitzenrassen der deutschen Kaninchenzucht, andere fristen ein Schattendasein.

    Rexkaninchen weissRexkaninchen weiss
    Amerikanische Minirexe:

    1984 reisten das texanische Ehepaar Ken und Mona Berryhill zur großen ARBA Versammlung (American Rabbit Breeder Association = Nordamerikanische Kaninchenzüchter Vereinigung). Bei dieser Versammlung gewannen sie ein Pärchen luxfarbiger Zwergrex und eine zu klein geratene Standard Lux Rex Häsin. Zurück in Texas kam es zu einer Unfalldeckung der Lux Rex Häsin, welche einen Wurf von sieben vitalen, identisch aussehenden, kleinen Rexen hatte. Diese Tiere wuchsen auf und waren größenmäßig genau zwischen Standard Rex und Zwergrex. Sie hatten aber nicht das typische Aussehen der Zwergkaninchen, sondern glichen haargenau dem Standardrex, nur waren sie eben eine Miniversion davon. Mona Berryhill kreuzte diese erste Filialgeneration von Häsinnen mit dem Vater zurück und erhielt in diesen folgenden Würfen Kaninchen, die bereits dem heutigen Minirex glichen.
    Diese Art des Kreierens sprach sich in Züchterkreisen durch, und plötzlich schienen in ganz Amerika Minirex aufzutauchen. Am 1. November 1986 stellten Ken und Mona Berryhill ihre neue Züchtung dem amerikanischen Standardkomitee in Columbus, Ohio vor. Die Kaninchen wurden zwar bestaunt und registriert, wohl aber noch nicht als Rasse anerkannt. Erst 1988 wurden sie in den Amerikanischen Kaninchenrassenstandard übernommen. Das ist für das Entstehen einer Rasse bis zur Anerkennung eine bemerkenswert kurze Zeit. Von da an, stand dem Siegeszug des Minirex quer durch Amerika nichts mehr im Wege.
    Diese neue Kaninchenrasse und die Weiterentwicklung des Rexkaninchens erfreut sich in den USA immer größerer Beliebtheit. Es wird in vielen verschiedenen Farben und in allen Bundesstaaten gezüchtet.

    Amerikanisches RexkaninchenAmerikanisches Rexkaninchen

    Deutsches Rexkaninchen:

    Da die Abstammung der Rexkaninchen unterschiedlich ist, wurden sie in zwei Gewichtsklassen eingeteilt!

    1. Chin-Rexe, Blau-Rexe, Weiß-Rexe, Dreifarben-Schecken-Rexe, Dalmatiner-Rexe, Gelb-Rexe, Blaugraue-Rexe, Rhön-Rexe, haben ein Mindestgewicht von 2,5 kg. Das Normalgewicht beträgt über 3,5 kg, wobei sie ein Höchstgewicht von 4,5 kg haben !

    2. Feh-Rexe, Lux-Rexe, Loh-Rexe, Marder-Rexe und Russen-Rexe wiegen 2,375 bis 3 kg. Das Normalgewicht beträgt über 3 kg, wobei das Höchstgewicht 4,5 kg beträgt!

    Körperform, Bau, Stellung, Fell

    1. Form, Stellung: Vorbild aller Rexe ist der Castor-Rex. Wegen des kurzen Fells weicht der Körperbau etwas von dem der Normalhaarrassen ab. So treten die Umrisse der Körperformen direkter in Erscheinung. Wesentlich ist eine harmonisch wirkende Form des Körpers, der leicht gestreckt und in der Vorder- und Hinterpartie trotzdem gleichmäßig breit ist und in einer Walzenform verläuft. Die Schulterpartie ist gut bemuskelt, aber sie bleibt infolge der kurzen Behaarung sichtbar angedeutet.
    2. Kopf: Erscheint etwas länglicher als bei den Normalhaarrassen; dennoch sind Stirn und Schnauze breit, die Backen kräftig.
    3. Ohren: Kräftig, fleischig, gut behaart; sie werden straff aufgerichtet getragen und haben in ihrer Länge und Breite dem Körper zu entsprechen. Verglichen mit den Ohren der normalhaarigen Rassen, erscheinen sie etwas länger.
    4. Blume: Sie wird dem Körper anliegend und aufrecht getragen.
    5. Rücken: Rückenlinie verläuft ebenmäßig, Hinterpartie gut gerundet.
    6. Läufe: Mittellang, kräftig, gerade.
    7. Fell: Verlangt wird ein sehr dichtes und auf dem Haarboden fast senkrecht stehendes Fellhaar, das auf der Rückenmitte von 17 20 mm hat. Wellen- oder gar Lockenbildung des einzelnen Haar ist verpönt. Die Haare haben stabil zu sein, so dass sie, mit der flachen Hand gegen den Strich niedergedrückt, senkrecht stehen bleiben oder nur langsam ihre ursprüngliche Lage einnehmen. Bei einem zu dünnen oder zu weichen Fell bleiben die Haare liegen. Die Grannenhaare sind fein, gerade und haben die gleiche Länge wie das Unterhaar; jedenfalls sollen die Grannenspitzen das Wollhaar höchstens 1 mm überragen. Der Keil im Nacken ist bei verschiedenen farbigen Rexkaninchen möglichst klein und lockenfrei. Das Fell ist um so wertvoller, je glatter die Nackenpartie ist; doch werden sich wellige oder lockige Haare im Nackenkeil und am Bauch, vor allem in der Geschlechtspartie nicht umgehen lassen.
    Leichte Fehler: Leichte Wirbel- oder Lockenbildung in der Decke (Keil und Bauch ausgenommen), Grannen, die mehr als 1 mm überstehen, etwas dünnes weiches Haar.
    Schwere Fehler: Zu kurzes oder zu langes Haar, sehr lange, überstehende Grannen, starke Wirbel- oder Lockenbildung in der Decke.
    Eine kleine, gut geformte Wamme ist bei älteren Häsinnen zugelassen!!! Rammler sind wammenfrei.


    Amerikanischen Mini Rex Kaninchen

    Das Mini Rex Kaninchen soll dem Standardrex auf das Haar gleichen. Hinsichtlich der Fellstruktur und Qualität der Behaarung sind die kleinen amerikanischen Rexe dem Standardrex gleichgestellt. Zwergenhaftes Aussehen oder direkter Zwergenwuchs sind nicht erwünscht. Rammler sollen ein maximal Gewicht von 2 bis max. 3 Kilogramm auf die Waage bringen, Häsinnen dürfen geringfügig darunter liegen. Sie sind also kein Zwergkaninchen, sondern eine separate, mediale Klein-Rex-Rasse, die größenmäßig zwischen dem Standard- und dem Zwergrex einzuordnen ist.
    Da die Rasse aber noch nicht vollkommen ist, was daran liegt, dass immer wieder Züchter größere oder kleinere Rexe einkreuzen und falsche Elterntiere melden, kommt es manchmal zur Verzwergung oder zu riesigen Ohren, die gar nicht zum Kaninchen passen. Man stelle sich einfach ein Zwergrexkaninchen mit Blaurex-Ohren vor. Die Ohren müssen also zum Körper passen, und sie werden aufrecht getragen. Ein Kippen der Ohren, zu große Ohren sind Ausstellungsfehler.
    Das Mini Rex Kaninchen wird bei der Bewertung von allen Seiten begutachtet und soll bei der Rückansicht, gleich hoch wie breit sein, also dem walzenförmigen Typ der europäischen Rexe entsprechen. Der Kopf soll ausdrucksvoll und dem Geschlecht entsprechend sein. Wammen sind leider ein weitverbreitetes Übel. Die Mini Rex Häsin tendiert dazu, bereits nach ihrem ersten Wurf eine Wamme anzulegen. Da man immer wieder Rammler mit Wamme auf Ausstellungen sieht und diese, je nach Preisrichter, nicht immer disqualifiziert, sondern oft auch noch gut bewertet werden, ist dies mehr oder weniger ärgerlich. Europäischen Züchtern würden Rammler mit Wamme weder gefallen, noch würden sie solche Rammler in den Ausstellungsring schaffen. Aber das amerikanische Bewertungs- und Richtungssystem unterscheidet sich stark vom europäischen.

    Farben amerikanischen Mini Rex Kaninchen

    Das Mini Rex Kaninchen kommt in allen nur denkbaren und undenkbaren Farben vor. Es gibt nur sehr wenige Tiere, die homozygot (reinerbig) gezüchtet sind. Der Großteil der amerikanischen Züchter züchtet Mini- und Zwerg-Rexe kreuz und quer durch den Stall, sodass und die Würfe der Kaninchen und deren Farben oft ein Glücksspiel sind. So beschäftigen sich alle Züchter mit der Vererbungslehre, aber die Linienzucht oder Geschwister-Verpaarung wird meist abgelehnt. Grund dafür dürfte die hohe Religiosität der Amerikaner sein, die bis in den Hasenstall hineinspielt, und das Verpaaren von sehr naheverwandten Tiere oftmals als Blutschande und Sünde angesehen wird. Für Europäer ist das kaum nachzuvollziehen, da sich dieses Problem gar nicht ergibt, aber darin unterscheiden sich die Amerikaner. Man findet zwar selten, aber doch reinerbige Tiere, vor allem bei den lohfarbigen Mini Rexen. Das lässt sich dann aber meist auf Züchter zurückführen, die noch stark mit Europa verbunden sind (ausgewandert sind oder in 1. Generation in den USA leben) oder einfach nicht so tief religiös sind. Es gibt aber eine Vorschrift, welche Farben denn nun erlaubt sind zu verpaaren, damit die Jungtiere es auch zur Ausstellung schaffen.

    Reichlich Infos gibt es auf http://www.Rex-Kaninchen.de
    Sicherlich stehen für weitere Fragen auch die Autoren Weißrex und Samthase zur Verfügung

    Preisrichterliche Betrachtung

    Es ist schwer in einem Bericht auf zwei Rassen einzugehen. Da ich die Minirexe als ausländische Rasse nicht kenne, lasse ich diesen interessanten Erfahrungsbericht so stehen und wende mich mit einigen Ergänzungen ein wenig den Weißrexen zu: Bei der Bewertung der Körperform ist zu beachten, wie bereits geschildert, dass die Körpermerkmale stärker in Erscheinung treten. Das bedeutet, dass zum Beispiel leicht eckige Tiere sehr eckig im Vergleich zu Normalhaarrassen erscheinen, da braucht der Preisrichter Fingerspitzengefühl. Bei vielen Farbenschlägen gibt es aber damit kaum noch Probleme. Weiß-, Blau-, Schwarz- und Castor-Rex (die Tiere von Markus Schütte und Andre Rumenic kann man da neben anderen Züchtern als Beispiel nennen) sind in diesem Punkt als durchgezüchtet anzusehen. Aber es gibt ja auch noch seltenere Farbenschläge, bei denen die Züchter noch Arbeit vor sich haben. Auch zur Körperform gehört der dicht am Körper sitzende Kopf und, dass die Rexe sich schön auf dem Tisch präsentieren.
    Eine kleine Anmerkung an zukünftige Schreiber: Das Wort fleischig wird im neuen Standard nicht mehr verwendet, man spricht nun von fester oder kräftiger Struktur und werden v-förmig betragen. Natürlich gehören die Beschreibung von Kopf und Ohren nur bei den Farbenschlägen zur Körperform, die nicht die Positionen Kopf und Ohren haben. In der Position Fell gehe ich noch einmal auf die Läufe ein. An den Sprunggelenken kommen bei den Läufen öfter Kahlstellen vor.
    Wenn diese Erbsen bei einem gestreckten Lauf noch von den umliegenden Haaren bedeckt werden, bleiben sie je nach Größe unberücksichtigt oder werden mit leichtem Punktabzug bestraft. Wenn die Kahlstelle nicht abgedeckt wird, handelt es sich um einen Ausschlussfehler. Diese Fehler kommen öfter bei Tieren mit etwas zu weichem Haar oder etwas wenig Dichte vor, sowie bei lebhaften Tieren.
    Erbbiologische Betrachtung

    Die Grundlage für die Herauszüchtung all unserer Kurzhaarrassen bildete einst das wunderschöne Castor-Rex-Kaninchen. Mit der Mutation des normalen Haares zum Rexhaar wurde diese wunderbare Haarstruktur möglich. Viele sprechen von einer Behaarung, die krankhaften Ursprungs sei. Nimmt man es genau, so ist jede Mutation eine Abweichung von einem normalen Zustand. Doch darf bei unseren Rexrassen der Gedanke an eine krankhafte Veränderung unbedingt erst dann von Bedeutung sein, wenn Züchter es nicht verstehen, durch planmäßige Zucht und durch eine kontinuierliche Auslese negativer Erscheinungen einen gesunden Rexbestand zu züchten. So gesehen sind also die Rexkaninchen keine Besonderheit im Zuchtgeschehen, aber eine Besonderheit für unser Auge.

    Ihr oft als samtartig bezeichnetes Fell mit einer Ideallänge zwischen 17 mm und 20 mm, trägt wesentlich dazu bei, dass bei Farbrexen die jeweiligen Fellfarben wesentlich intensiver zur Wirkung kommen, manchmal sogar den Anschein erwecken, es sei ein neues Farbenspiel entstanden.
    Ein imposantes Beispiel dafür bietet der Urtyp Castor-Rex. Wer kommt schon auf die Idee, dass es sich hier schlicht um einen Vertreter der Schwarzwildfarbigkeit handelt? Vielfach wird ihm eine Rotverstärkung angedichtet, aber hat er sie wirklich? Nein! Die rot-schwarze Tönung der Decke, die angeblich an eine frischgeschälte Kastanie erinnern soll, entsteht einzig durch die Kürze des Haares sowie durch eine klar abgrenzende, satte und breite rostbraune Zwischenfarbe. Die Bauchunterfarbe und alle weißen Wildfarbigkeitsmerkmale bestätigen den Wildtyp. Kommen hier oder dort Typen dieses CRex vor, die an diesen Stellen cremefarbene Erscheinungen bieten, so haben wir es schon wieder einmal mit Einkreuzungen zu tun oder es bestätigt sich die Tatsache, dass der Rotverstärkerfaktor bereits im Wildfell vorhanden ist. Aus diesem Grund werden die Innenseiten der Läufe, Bauchdeckfarbe und Blumenunterseite cremefarbig gestattet. Es gibt aber keine Forderung dafür.
    Der Vollständigkeit halber sollen noch zwei weitere Arten - das Deutschkurzhaar dek und das Normannenkurzhaar nok - erwähnt werden. Sie bewirken in der reinen Vererbung ebenfalls eine Rexbehaarung. Kreuzt man Tiere mit den unterschiedlichen Rexbehaarungen, so dürfen normalhaarige Nachzuchten zu erwarten sein.

    (c)Heidrun Eknigk

    Wir bedanken uns bei dem oben genannten Trio für diesen Bericht und die Fotos. Weiterer Dank gilt Tatjana Ruthmann, Kai Sander,Heiko Semmel und Siegfried Lübbert für Ihre Mitarbeit. Das Copyright liegt bei den jeweiligen Verfassern und beim Rassekaninchenzuchtforum e.V. Die Rechte der Grafiken liegen bei http://www.rkz-forum.com. Weitere Ergänzungen, Meinungen und Bilder zum Rassebericht bitte an webmaster@rkz-forum.de. Wir weisen nochmals ausdrücklich darauf hin, das die Bilder, Texte und Grafiken bestimmten Rechten unterliegen, und das wir Copyrightverletzungen strafrechtlich verfolgen lassen werden.

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    Rasse des Monats:

    Meissner Widder

    Erstellt von Manfred Frahling

    Satin Rot

    Edles Meißner-Porzellan hat Weltruf. Jedoch nur wenige kennen unsere seltenen Meißner-Widder. Und doch ist diese einzigartige reine deutsche Kaninchenrasse über 100 Jahre alt. Der bekannte Erzüchter, Friedrich-Karl-Leopold Reck aus Meißen fing Ende des 19. Jahrhunderts mit der Herauszüchtung des schwarzen Farbschlages an.

    Zur Person von Friedrich-Karl-Leopold Reck:

    Er war von Beruf Kaufmann und Buchhalter in Meißen. 1902 gründete er mit etlichen Mitstreitern den Rassekaninchen-Zuchtverein Meißen und war von 1905 bis 1910 deren erster Vorsitzender. Ebenso war er langjährig Delegierter für die Landestagungen. 1909 wurde auf seine Initiative hin der erste Meißner-Widder-Club von Deutschland, Sitz Meißen gegründet. Sein Kaninchenbestand hatte Leopold Reck an seinem Wohnhaus in der Mendestraße 1 in Meißen. Trotz eines großen Tierbestandes überschritt er nie die Anzahl von 100 erzüchteten Kaninchen. Unter Freunden wurde darüber oft gewitzelt, dass er wohl das 100. sei. Aufgrund seiner Verdienste und Erfolge in der Zucht wurde er 1919 zum Ehrenvorsitzenden des Meißner-Kaninchenzuchtvereins ernannt. Durch Ehrgeiz, Zielstrebigkeit sowie Standhaftigkeit in seiner Meinung, schaffte er es seine Vorstellungen von Haltung und Zucht trotz allgemeiner gegenteiliger Meinung anderer Züchter seine Ziele in die Tat umzusetzen. Am 03.01.1946 verstarb er in seiner Geburtsstadt Meißen.

    Satin Rot

    Grund der Entstehung der Rasse Meißner-Widder

    Um 1900 wechselte der Modetrend in Deutschland sehr schnell. Die fellverarbeitende Pelzindustrie hatte große Nachfrage für große Kaninchenfelle in der Silberfarbe. Aus diesem Grunde wollte Leopold Reck ein großes Kaninchen mit Silberfell erzüchten. Welche Ausgangsrassen er hierfür auserkoren hatte, ist nicht bekannt, aber es zu vermuten, dass die damaligen Französischen Widder und das Kleinsilberkaninchen hierfür Pate standen.
    Allerdings herrschte damals die Meinung vor, dass dieses genetisch nicht möglich sei, und Leopold Reck wurde dieses nicht zugetraut. Da er es sich aber in den Kopf gesetzt hatte, ein Widderkaninchen mit Silberfell zu erzüchten, versuchte er es trotz aller Skepsis der Züchterschaft Ende des 19. Jahrhunderts den Plan in die Tat umzusetzen. Nach etlichen Versuchsjahren fielen im Januar 1900 die ersten Tiere in Widdertyp mit Silberung, es war die Geburtsstunde der Meißner-Widder. Allerdings gab es auch wieder Rückschläge, denn es gelang nur schwer und schrittweise die Silberung mit dem Widdertyp zu vereinigen.
    Das Zuchtziel, einen größeren Pelzlieferanten mit dem Silberfell der Kleinsilber zu schaffen, wurde aber doch erreicht.
    Seine Neuzüchtung stellte er 1902 vor. Es ist nicht bekannt, ob es auf einer Ausstellung oder im Rassekaninchenzuchtverein geschah. Erstaunlicherweise wurde diese Rasse aber noch im selben Jahr im deutschen Einheitsstandard aufgenommen.

    Im April 1907 entschied die Landeszentrale jedoch, die Meißner-Widder aus dem Standard zu streichen. Die Gründe dafür sind bis heute nicht bekannt. Dies löste helle Aufregungen unter den Meißner-Widderzüchtern aus, und sie legten Protest beim Verband ein. Leider ist nicht bekannt, welcher Erfolg diesem Protest beschieden war. Nach Gründung des Meißner-Widder-Clubs nahm das Interesse für diese Rasse zu, und es fanden sich viele neue Anhänger und Züchter dieser Rasse. Anfangs gab es nur den schwarzen Farbenschlag. Die anderen Farbenschläge (gelb, blau, braun und havannafarbig) wurden erst später erzüchtet. Leopold Reck erzüchtete die schwarzen, blauen und havannafarbigen Meißner-Widder. R. Neupold, der einige Jahre später L. Reck unterstützte, erzüchtete die gelben und braunen Meißner-Widder.

    1927 waren auf der Landesverbandschau in Meißen die Meißner-Widder in allen Farben zu sehen. Leider war die Züchterschar nie sehr groß, sodass die Zucht einzelner Farbenschläge verloren ging. Der schwarze und blaue Farbenschlag ist bis heute von arrangierten Züchtern erhalten worden. Die gelben wurden inzwischen durch Kreuzungszucht wieder erzüchtet. Von der Existenz der braunen und havannafarbigen Meißner-Widder ist zur Zeit nichts bekannt. Von anfänglich schmaler Körperform mit spitzem, schmalem Kopf, schlecht getragenen Behängen, aber mit guter Silberung und kurzem dichtem Fell versehenen Tieren, haben sich bis heute doch schon ansehnliche Meißner-Widder mit guter Körperform, schönen Köpfen und langen Behängen mit entsprechend guter Silberung entwickelt.

    Satin Rot

    Dies ist besonders einigen stark arrangierten Züchtern, z. B. um einige Namen zu nennen: Reinhold Kalt, Mühlacker; Wilhelm Neumann, Lübbeck; Gerhard Lehmann, Solingen; Waldemar Wissel, Mömbris; Ernst Dinsenbacher, Alzenau; Diethard Schwartze, Bodensee; Adolf Sulzer, Veitsbrunn; Franz Wisthaler, Laichingen; Heinrich Frahling, Emsdetten zu verdanken. Es wäre zu wünschen, dass sich noch mehr Züchter finden, die auch auf Jahre hinaus der Meißner-Widderzucht zuwenden, um die Zuchtbasis zu verbreitern.
    Leider ist es so, dass wertvolle Zuchttiere verloren gehen für die dauerhafte Zucht, weil viele Züchter kein Durchhaltevermögen besitzen, oder auch nur sogenannte Preisjäger sind und nach kurzer Zeit feststellen müssen, dass diese Rasse dafür nicht geeignet ist.

    Der Zuchtstand

    Der Meißner-Widder ist der erste Vertreter der Mittelrassen, hat andere Voraussetzungen hinsichtlich Gewicht, Form, Widdertyp als der Deutsche Widder. Deshalb sollten die Preisrichter sich nicht verleiten lassen, wenn sie auf Ausstellungen vorher Deutsche Widder bewertet haben, die Merkmale dieser in die Bewertung der Meißner-Widder einfließen zu lassen.
    Der Zuchtstand bei den einzelnen Farben ist unterschiedlich. Die schwarzen Meißner-Widder sind zum Teil der Beschreibung im Standard sehr nahe. Bei den blauen bestehen noch erhebliche Mängel in Form, Fell, Kopf und Behang sowie Silberung und Unterfarbe. Zum größten Teil sind sie noch mit schwarzem Anflug in Decke, Kopf, Behang und Seiten versehen und nicht ausstellungsreif.

    Der braune und havannafarbige Farbenschlag werden zur Zeit von einigen arrangierten Züchtern durch Kreuzungszucht wieder hervorgebracht. Zum havannafarbigen sind es die Rassen MW-schwarzsilber, DGrS-havanna DW-havanna, zum braunfarbigen sind es die Rassen MW-schwarzsilber MW-gelbsilber, DW-grau, DGrS-braun, KLS-braun. Der gelbe Farbenschlag wird zur Zeit durch einkreuzen von DGrS-gelb und DW-rot versucht zu verbessern. Die folgende Rassebeschreibung bezieht sich hauptsächlich auf den schwarzen Farbenschlag.

    Gewicht und Form

    Das Normalgewicht beträgt 4,5 kg, das Mindestgewicht 3,5 kg und das Höchstgewicht 5,5 kg. Von Gewichtsschwierigkeiten ist in den meisten Zuchten nichts bekannt. Die schönsten Tiere sind im 5,0 bis 5,5 kg-Bereich. Die Form der Meißner-Widder unterscheidet sich gegenüber dem Deutschen Widder dadurch, dass sie weniger gedrungen und massig ist. Sie soll leicht gestreckt, mit gewölbter Rückenlinie, breiter Brust und breiter, gut abgerundeter Hinterpartie sein.

    Die kräftigen Läufe stehen breitgestellt und werden gerade aufgesetzt. Die Stellung des Körpers soll mittelhoch sein. Bei älteren Häsinnen ist eine kleine, gutgeformte Wamme zulässig. Zur Zeit sind diese Anforderungen nur in wenigen Zuchten erfüllt. In vielen Zuchten ist die Hinterpartie (Becken) noch eckig, schwache Läufe und schmale Formen herrschen vor. Lose Formen (lose Fellhaut und junge Häsinnen mit Wamme) sieht man noch oft auf Ausstellungen. Österreich hat im Gewicht einen Punktabzug im Bereich von 5,25 kg bis 5,5 kg von 1 Punkt vorgenommen.

    Fell

    Das Fell soll dicht, gleichmäßig gut begrannt sein, mit einer Länge von 3 cm. Die Ohren sind gut behaart. Die Zuchten spalten hier sehr auf, überwiegend gibt es noch lange Felle mit wenig Unterwolle sowie schwach behaarte Ohren und Läufe (Laufsohle). Es sollte mehr auf kürzere, dichte Felle gezüchtet werden, denn dann kommt auch die Silberung besser zur Geltung.

    Kopf und Behang

    Hier unterscheidet sich der Meißner-Widder vom Deutschen Widder erheblich. Der Kopf soll kräftig, mit schönem Widderprofil, feinem gebogenen Nasenrücken, mit breiter Stirn und Schnauzpartie versehen sein. Der Behang ist aufgrund der geringeren Größe etwas kürzer als beim Deutschen Widder. Die Behanglänge beträgt 36 bis 42 cm. Dies war nicht immer so im deutschen Standard. Früher hieß es etwa 38 bis 42 cm. Auf Antrag der IG M-W wurde die Länge auf 36 bis 42 cm festgelegt, das Wort „etwa“ ist gestrichen worden, da die Auslegungen in der Bewertung zu großen Spannen vom nb bis 15 Punkte führte. Die Ohren sind gut angesetzt, beidseitig röhrenartig voll und werden hohl mit der zum Körper gerichteten Schallöffnung getragen. Der Kopf insgesamt soll nicht so markant wie beim Deutschen Widder sein. Bei Häsinnen sollte aber der weibliche Charakter erkennbar sein.
    Schmale Köpfe und schlecht getragene Ohren sind in den meisten Zuchten noch kaum vorhanden. Die Behanglänge ist zum größten Teil schon in den meisten Zuchten mit 40 cm und mehr gegeben. Auf die Kronenbildung sollte jedoch mehr Wert gelegt werden. Sie ist zum Teil noch schwach. In Österreich gibt es noch eine Unterteilung der Bewertung der Behanglänge von 37 bis 44 cm mit folgendem Bewertungsschema:

    37 cm = 13,5 Pkt. 41 cm = 15,0 Pkt.
    38 cm = 14,0 Pkt. 42 cm = 14,5 Pkt.
    39 cm = 14,5 Pkt. 43 cm = 14,0 Pkt.
    40 cm = 15,0 Pkt. 44 cm = 13,5 Pkt.

    Silberung und Gleichmäßigkeit

    Anerkannt sind der schwarze, blaue, gelbe, braune und havannafarbige Farbenschlag. Hier gelten die selben Anforderungen wie bei den Kleinsilbern. Die Deckfarbe soll am ganzen Körper gleichmäßig gesilbert und mit reichlichem Glanz versehen sein. Aufgrund des längeren Felles wird es nie so gute Silberungen geben, wie beim Kleinsilber. Im neuen deutschen Standard ab 2004 wird die Silberung-Gleichmäßigkeit der MW nach dem Deutschen Großsilber bewertet sowie die Deckfarbe. Bei allen Farben soll die Deckfarbe klar und deutlich erkennbar sein. Es ist ja auch logisch, denn von der Felllänge und Struktur ist der MW dem Deutschen Großsilber gleich.
    Die helle Farbe des Hellen Großsilbers oder Kleinsilber, hell ist in Deutschland und im Europastandard nicht anerkannt. Die Berichte aus alter Literatur und Züchteraussagen belegen, dass dieser Farbenschlag nie erzüchtet wurde, sondern die hell genannten Tiere in der Literatur früherer Zeiten waren sehr hell schattierte Schwarzsilber, denn es hieß hell gespitzte Grannenhaare in der Beschreibung und es war nirgends zu lesen vom schwarzen Stich und bläulich durchschimmernder Deckfarbe. Es kommt leider oft vor, dass noch Tiere auf den Ausstellungen gezeigt werden, mit dunklen gesilberten Köpfen, Läufen und Blumen oder mit hellerer gesilberter Brust als der sonstigen Körpersilberung. Solche Tiere sollten zur Zucht nicht eingesetzt werden, und von den Preisrichtern auf den Ausstellungen stärker von den mit guter gleichmäßiger Silberung versehenen Tieren abgestuft werden.
    Einige Züchter zeigten auf den letzten Bundesschauen schon hervorragende Tiere mit schöner, gleichmäßiger Silberung, die nicht immer die berechtigte Bewertung erhielten.

    Unterfarbe / Zwischenfarbe

    Jeder Farbenschlag unterliegt den selben Bestimmungen wie bei den Kleinsilbern. Die Unterfarbe soll bei allen Farbenschlägen ohne jegliche Durchsetzung sein und sich von der Deckfarbe abheben sowie bis zum Haarboden reichen und am ganzen Körper vertreten sein.

    Im Einzelnen ist sie beim schwarzen dunkelblau, beim blauen blau, gelb kräftig gelb, havanna dunkelblau, braun dunkelblau. Beim Braunen besteht noch eine Zwischenfarbe, die leicht rotbraun ca. 5 mm breit und klar abgegrenzt von der Unterfarbe sein soll. Über diese Zwischenfarbe liegt ein etwa 1 bis 2 mm breiter dunkler Streifen. In dieser Position gibt es schon sehr gute Tiere mit gut ausgeprägten Unterfarben. Schwache und helle Unterfarben mit hellem Haarboden sind schwächer vertreten.

    Meissner Widder

    Österreichs Sonderweg

    Die in Position, Gewicht, Kopf und Behang Silberung und Gleichmäßigkeit genannten Sonderwege des österreichischen Verbandes finden die meisten Züchter nicht gut. Auf europäischer Ebene sollte die einheitliche Züchtung und Bewertung der Meißner-Widder nach dem Ursprungsland getätigt werden.
    Körperform, Kopfbildung, Behanglänge sollten zueinander passen, denn Tiere mit höherem Gewicht, längerer Form haben in der Regel auch längere Behänge. Tiere mit geringerem Gewicht und kürzerer Form haben entsprechend kürzere Behänge.
    Ein langer Behang auf einem kurzen Tier sowie kurzer Behang auf einem langen Tier passt nicht im Gesamterscheinungsbild. Deshalb sollte bei der Bewertung das Gesamtbild des Kopfes sowie die Länge und Struktur des Behanges im Verhältnis zum Rumpf entscheidend sein. Denn ein Tier im Gewicht von 4,6 kg mit nicht langer Form aber mit schönem Kopf, 37 cm Behanglänge mit guter Struktur sollte auch mit 15.0 Pkt. Bewertet werden können, wie ein Tier im Gewicht von 5,5 kg mit schönem Kopf und einer Behanglänge von 42.0 cm mit guter Struktur.
    Die meisten Züchter verlieren wir, weil die Tiere in dieser Position zu sehr nach dem Deutschen Widder bewertet werden. Es sollte unter den Preisrichtern umgedacht werden, denn der Meißner-Widder soll nach Standard, und so wollen es auch die Züchter, nicht wie ein Deutscher Widder aussehen. Die schönsten Tiere liegen im Gewicht von 5.0 bis 5,5 kg und einer Behanglänge von 38 bis 40 cm, somit kommen wir auch den sogenannten Tierschützern entgegen, die bemängeln, dass durch längere Behanglänge die Tiere sich gegenseitig verletzen können.

    Meissner Widder

    Die Zucht der Meißner-Widder

    Die Meißner-Widder sind sehr genügsame und etwas lebhaftere Tiere als die Deutschen Widder, sie sind gute Futterverwerter und frohwüchsig. Die Fruchtbarkeit und Aufzuchtleistung ist gut. 8 bis 12 Junge werfen und aufziehen bereiten zur Zeit keine Schwierigkeiten. Dies war nicht immer so, aber durch konsequente Zuchtauslese ist es einigen Züchtern gelungen, diese guten Eigenschaften wieder herauszuzüchten.

    Mit Hilfe eines breiteren Fundaments von arrangierten Züchtern können die bestehenden Mängel bei den Meißner-Widdern rasch gemeistert werden, denn im Grunde mögen viele Züchter diese mittelgroße Rasse mit etwas lebhaftem Temperament sehr. Nur es muss allen Interessierten, die diese Rasse züchten wollen klar sein, dass es nicht von heute auf morgen klappen kann, mit dieser Rasse viele Preise und Pokale zu holen. Denn in Konkurrenz mit den durchgezüchteten Rassen auf kleineren Ausstellungen, wie Lokal- Kreis- Bezirk und Allgemeinen Ausstellung (da dort klassenweise prämiert wird), ist der Meißner-Widder immer im Nachteil

    Meissner Widder

    Nach 100 und mehr Jahren sollte es doch möglich sein, diese schöne urdeutsche Rasse Meißner-Widder vermehrt in das Züchterinteresse zu stellen. Die feinen Meißner-Widder der letzten Bundesschauen geben Hoffnung dazu und sollten Interessierte anregen, diese Rasse zu züchten.

    Am 16. Sept. 2001 wurde die Interessengemeinschaft Meißner-Widder in Alzenau (bei Frankfurt am Main) gegründet. Nach einjähriger Vorarbeit durch einige Züchter konnte bereits zu diesem Zeitpunkt eine Liste von 70 Züchtern der Farben schwarz, blau und gelb erstellt werden. 27 Züchter-/innen traten dieser Gemeinschaft bei. Zur Deckung der Porto- und Schriftsachenkosten wurde ein Kostenbeitrag von 10,00 € pro Person beschlossen. Sprecher der IG wurde Herr Manfred Frahling aus Emsdetten.

    Anlässlich der Bundesschau in Bremen wurde eine Versammlung durchgeführt und es wurde dort beschlossen, einen Antrag an die Standardkommission des ZDK betreffs Änderung der Behanglänge zu stellen. Dies geschah durch den Sprecher der IG. Im Oktober 2002 wurde die Standardänderung im DKZ veröffentlicht. Jetzt ist endlich Klarheit über die Bewertung des Behanges des Meißner-Widders gegeben. Der Behang ist jetzt von 36 bis 42 cm lang und Maße, die darüber und darunter liegen, werden mit nb bewertet.
    Am 15.09.2002 fand das nächste Treffen der IG Meißner-Widder wieder in Alzenau statt. Über 30 Züchter waren anwesend. Es konnte ein enormer Zuwachs der Züchterschar festgestellt werden. Einige Züchter sind bei der Neuzüchtung der Farben braun und havanna sehr aktiv. Es hat sich gezeigt, dass durch die Gründung der IG Meißner-Widder die Züchterzahl gestiegen, der Zusammenhalt Freundschaft unter den Züchter-/innen gefestigt, die Qualität sowie Quantität in den einzelnen Farbenschlägen verbessert wurde Die Ausstellungsfreudigkeit zu größeren Ausstellungen, sprich Widderclub-Vergleichsschau, Landes- und Bundesschauen, ist gestiegen.

    Anlässlich der Bundesrammlerschau in Kassel Januar 2003 trafen sich etliche Züchter im Vereinsheim von Kalle-Niestetal, um sich auszutauschen. Dort wurde angeregt, 2004 eine bundesweite Meißner-Widderschau durchzuführen. Bis zum September 2003 wollen einige Züchter in ihren Vereinen Klarheit schaffen, ob es möglich ist, an einer Vereinsschau diese Meißner-Widderschau angliedern zu können. Im September 2003 ist das nächste Züchtertreffen wiederum beim Zuchtfreund Ernst Dinsenbacher in Alzenau. Dort wird beschlossen, wo und wann diese Meißner-Widderschau stattfinden wird.

    Diese Schau ist am 13./14. November 2004 in Coswig Meißen. Ausstellungsberechtigt sind alle Meißner-Widder-Züchter, die in einem dem europäischen Verband angeschlossenem Land Mitglied sind. Name der Ausstellung: 1. allgemeine europäische Meißner-Widderschau.

    Preisrichterliche Betrachtung

    Anmerkung von Kai Sander

    Auf Anmerkungen als Preisrichter kann ich bei dieser gelungenen Beschreibung verzichten. Dem umfangenden Wissen von Manfred Frahling als Preisrichter und Züchter um die Meissner Widder ist einfach nichts hinzu zu fügen. Züchterisch kann ich nur sagen, dass gewisse Mängel der Tiere zu den Standardanforderungen, wodurch noch nur geringere Punktzahlen erzielt werden, durch den Umgang mit den Tieren weggemacht werden. Ich hatte noch nie so liebe, zutrauliche und verschmuste Tiere auf dem Stall. Mein Zuchtrammler hört (meistens) auf Zuruf und geht (oft) Beifuß, was ich bei anderen Rassen trotz Üben nicht geschafft habe.

    Wir bedanken uns bei Manfred Frahling für diesen Bericht und die Fotos. Weiterer Dank gilt Tatjana Ruthmann, Kai Sander,Heiko Semmel und Siegfried Lübbert für Ihre Mitarbeit. Das Copyright liegt bei den jeweiligen Verfassern und beim Rassekaninchenzuchtforum e.V. Die Rechte der Grafiken liegen bei http://www.rkz-forum.com. Weitere Ergänzungen, Meinungen und Bilder zum Rassebericht bitte an webmaster@rkz-forum.com.de. Wir weisen nochmals ausdrücklich darauf hin, das die Bilder, Texte und Grafiken bestimmten Rechten unterliegen, und das wir Copyrightverletzungen strafrechtlich verfolgen lassen werden.

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    Rasse des Monats:

    Burgunder

    Erstellt von Volkmar Pohl

    Farbenzwerge luxfarbig

    Mit Ausnahme vielleicht der Hasenkaninchen waren die Mittelrassen seit eh und je eine Domäne der mehr oder weniger gedrungen-walzenförmigen Kaninchen. So stießen die eher im eleganten Schlanktyp stehenden Burgunder direkt in eine echte Marktlücke . Daher verwundert es auch kaum, dass die Rasse aufgrund ihrer schlankeren Form in Zeiten, in denen sie als Neuzüchtung gezeigt wurde, viele Nasenrümpfer erntete. Nicht nur die Verbreitung der Rasse ging aber dennoch relativ schnell vonstatten, auch die Tiere können sich weithin sehen lassen. Nicht selten erhalten Tiere der Rasse heute schon das Preisrichterurteil vorzüglich .

    Die Zuchtgeschichte

    Burgunder sind eine französische Züchtung, die ins Jahr 1914 zurückdatiert. Wie bereits der Name verrät, stammen sie aus Burgund. Die heute in Deutschland gehaltenen Burgunderkaninchen dürften zumeist auch Nachzuchten von Importen aus Frankreich sein, die bereits 1961, mit den Aktivitäten Dr. Kissners beginnend, erfolgten. In den letzten Jahren wurden verstärkt auch noch Burgunder aus der Schweiz importiert, die, da sie insbesondere hervorragende Farben zeigten, auch noch wesentlich zum Fortschritt in der Zucht beitrugen. In den paar Jahren seit ihrer Anerkennung haben die Tiere nahezu überall Fuß gefasst und fehlen heute kaum noch bei einer Kaninchenschau. Im Käfig können die Burgunder mit ihrer schlaksigen Figur kaum gefallen, wenn sie jedoch auf den Tisch kommen und richtig in Stellung gehen, begeistern sie eigentlich fast jeden. Das erste Merkmal, in dem sich die Burgunder von den meisten Rassen deutlich unterscheiden, ist der Typ, hier ein ausgeprägter, gestreckter Schlanktyp. Zwar ist die Streckung des Skeletts längst nicht so sehr ausgeprägt wie bei den Hasenkaninchen, jedoch weist sie deutlich in diese Richtung. Nicht nur der Rumpf ist gestreckt, Kopf, Ohren und Läufe passen sich diesem etwas schlankeren Typ harmonisch an. Das zweite Merkmal ist die gelbe Farbe, die wir bislang nur in gesilberter Form bei unseren Silberrassen vorfanden sowie bei einigen Widderrassen.

    Farbenzwerge luxfarbig

    Das Gewicht

    Das Vollgewicht der Burgunder liegt zwischen 4,25 und 5,25 Kilogramm. Aufgrund der gestreckteren Form erscheinen die Burgunder jedoch größer als andere Kaninchenrassen des gleichen Gewichtssegments. Bei den Burgundern sollte man auch Wert auf Tiere legen, die um die 5 Kilogramm liegen und auch dementsprechend groß sind. Ähnlich wie die Riesenkaninchen sollten sich auch die Burgunder durch eine gewisse Grobschlächtigkeit von den anderen eher gedrungeneren harmonischen Mittelrassen abheben, das macht den besonderen Reiz der Rasse aus und sie für manch einen gar unwiderstehlich.

    Körperform und Bau

    Der Körperbau der Burgunder ist, wie bereits mehrfach vermerkt, leicht gestreckt. Der Körper soll jedoch, soweit sich das genetisch realisieren lässt, von hinten nach vorn gleich breit sein. Die Rückenlinie ist ebenmäßig und verläuft am Becken in einer sanften Rundung. Die Brust ist voll ausgeprägt und breit, sitzt jedoch keinesfalls lose in der Fellhaut. Die Nackenpartie ist kräftig bemuskelt. Die Läufe sind gerade, kräftig, gut mittellang und breit gestellt. Sie geben dem Körper der Burgunder eine hohe Stellung mit viel Bodenfreiheit von Brust und Bauch. Die Blume der Burgunder ist etwas länger als bei den gleich großen, gedrungenen Kaninchenrassen. Sie wird enganliegend und straff aufrecht getragen. Bei den älteren Häsinnen ist zwar eine kleine, gutgeformte Wamme zulässig, besser ist jedoch wie oft schon bei den Burgundern realisiert wammenfreie Tiere zu züchten. Diesem Unterfangen kommt der Schlanktyp der Rasse entgegen, denn solche Tiere haben naturgemäß weit weniger Probleme mit Wammen und losen Brustfellen. Weil Wammen auch vererbt werden, lässt sich die unschöne Hautfalte am Hals der Kaninchen bei entsprechend konsequenter Selektion recht einfach in den Griff bekommen.

    Kopf und Ohren

    Kopf und Ohren werden bei den Burgundern in der Position 4 als Rassemerkmal bewertet. Der Kopf soll sehr kräftig sein, zeigt aber nicht die für die gedrungeneren Kaninchenrassen typische Schädelverkürzung und wirkt daher etwas länglicher. Er zeigt eine breite Stirn und Schnauze und besonders beim Rammler eine gut ausgeprägte Kinnbackenpartie. Die Ohrmuscheln sind entsprechend der Faustregel (1/4 der Körperlänge) bei den gestreckten Burgundern ebenfalls etwas länger als bei den gedrungenen Rassen und messen etwa 14 Zentimeter. Sie sollen gut aufgesetzt und an den Enden löffelartig abgerundet sein. Ihr Gewebe ist kräftig, die Trageweise v-förmig, jedoch nicht zu breit. In letzter Zeit treten bei den Burgundern auch immer wieder Tiere auf, die Schädelverkürzung und insgesamt zu kurze Ohrmuscheln haben. Ob diese aus verbotenen Kreuzungen mit Roten Neuseeländern stammen oder aus den Burgundern selbst herausmendeln, lässt sich natürlich nicht feststellen. Hier sollten jedoch die Preisrichter durch entsprechende Bewertung rigoros reagieren und damit verhindern, dass die heute noch deutlichen Grenzen zwischen den beiden grundverschiedenen Rassen durch unerlaubte Handlungen von Züchtern verwischen.

    Das Fell

    Die Felle der Burgunder sollten nach dem Standart mittellang im Haar sein, mit dichter Unterwolle und guter, gleichmäßiger Begrannung. Hier gibt es innerhalb der Rasse doch erhebliche Unterschiede. Zwar sind in aller Regel die Felle unserer Burgunder griffig und nicht zu lang, jedoch wünscht man sich zum Teil doch noch etwas mehr Unterwolle, wenn bei der Dichteprüfung die Haut allzu stark sichtbar wird. Wenn die Felle insgesamt nicht zu lang sind und aufgrund der kräftigen Begrannung gut arbeiten , ist das nicht allzu schlimm und lässt sich durch die Paarung mit dichtfelligen Partnern in der nächsten Generation korrigieren. Wie bei allen anderen Mittelrassen gibt es auch bei den Burgundern schon Tiere, deren Fell insgesamt etwas zu lang ist. Natürlich stellen sich dann auch die typischen Strukturmängel ein. Lange Felle zeigen oft weiche Begrannung und arbeiten nicht. Das heißt, wenn man solche Felle gegen den Strich durchfährt, bleiben die Haare stehen, statt sanft in die Ursprungslage zurückzugleiten. Mit ihrer weichen Struktur täuschen sie dann eine Dichte vor, die sie in Wahrheit überhaupt nicht besitzen. Der Begriff mittellang im Standard ist sicherlich ein dehnbarer, der einen größeren Variantenbereich abdeckt. Der ernsthafte Züchter sollte sich jedoch auf die kürzeren Fellvarianten beschränken, das macht ihm seine Arbeit in vielerlei Hinsicht leichter.

    Die Farbe

    Die Farbe der Burgunder wurde in der alten Literatur oft als fahlgelb beschrieben. Dieser Begriff trifft den Nagel auf den Kopf und stellt auch die notwendige Distanz zu den Roten Neuseeländern her, die wie gesagt, rot sein müssen. Die Deckfarbe der Burgunder ist gelbrot und zeigt einen warmen Farbton. Sie sollte möglichst gleichmäßig am gesamten Tier vorhanden sein. Die Wildfarbigkeitsabzeichen (Nasenlöcher-, Augen- und Kinnbackeneinfassung und Bauchdecke) sind hell bis cremefarben. Die Blumenunterseite ist weiß. Die Unterfarbe, die gegenüber der Decke etwas aufgehellt erscheint, sollte rein sein und bis zur Haut der Tiere durchgehen. Die Augen sind braun, die Krallen dunkelhornfarbig. Auch bezüglich der Farben gibt es bei den Burgundern noch erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Stämmen. Als besonders hartnäckiger Fehler tritt bei gelben und roten Kaninchenrassen immer wieder eine mehr oder weniger starke Durchsetzung mit dunkel gespitzten Grannenhaaren auf, die in aller Regel an den Ohrenrändern am deutlichsten sichtbar wird. Tiere mit zu wenig Gelbverstärkten hingegen neigen oft zu nahezu reinweißen Bäuchen und sind außerdem an den Flanken und den Schenkeln gegenüber dem Rücken sehr stark aufgehellt. Geringfügig wird diese Aufhellung bei allen Tieren jedoch vorhanden sein und muss auch toleriert werden. Sind so viele Gelbverstärker vorhanden, dass sie völlig aufgehoben wird, sind die Tiere nicht mehr fahlgelb, sondern rot. Die richtige Farbe bedeutet eine genetische Gradwanderung und verlangt viel Fingerspitzengefühl von Züchtern und Preisrichtern. Mehr Beachtung sollte man auch den teilweise doch recht hellen Krallen der Burgunder widmen. Sie zeigen einen allgemeinen Pigmentverlust, der sich dann bei der Unterfarbe fortsetzt. Bei vielen Burgundern sind die Unterfarben deutlich zu hell. Zwar sind die laut Standart etwas heller als die Decke, wenn sie jedoch deutlich gegen weiß tendieren, ist das des Guten doch ein wenig zuviel. Außerdem sind viele Unterfarben im unteren Drittel auf der Haut deutlich heller, um nicht sagen zu müssen weiß abgesetzt. Diesem Fehler kann man nur beikommen, wenn man entsprechende Tiere mit guten und satten Unterfarben zur Zucht einsetzt. Einige Züchter haben in den letzten paar Jahren Zuchttiere aus der Schweiz importiert, die sehr schöne Unterfarben zeigten und damit auch ihre eigenen Zuchten nachhaltig verbessert. Dieser Weg kann gutgeheißen werden, weil er die Burgunder nach vorn bringt. Falsch hingegen und daher zu verurteilen wäre jegliche Einkreuzung von Roten Neuseeländern, die den Anfang vom Ende der Burgunder markierten.

    Die Zucht

    Grundsätzlich muss man sagen, dass die Zucht gelber und roter Kaninchen, die ja eigentlich gelb- beziehungsweise rotwildfarbig sind, schwieriger ist als die Zucht der anderen einfarbigen Kaninchenrassen. Das liegt auch daran, dass für ein reines und intensives Zustandekommen dieser Fellfarben neben den Genen, die uns von der Erbformel AbCDG bekannt sind, auch noch eine Reihe verschiedener Modifiikationsgene beteiligt sind. Quasi als Ausgleich zu diesen genetischen Problemen mit der Farbe, sind es andere Eigenschaften, die die Zucht der Burgunder angenehm machen. Als Schlanktyprasse sind die Burgunder in gewisser Weise viel vitaler als die gedrungeneren Rassen. Form und Fell sind wichtige Selektionsmerkmale. Zur Form gehört nicht nur die umfassende anatomische Korrektheit des Tieres gute Burgunder treten Beweis dafür an, dass auch relativ gestreckte Tiere sehr runde Becken haben können -, sondern auch die hohe Stellung der Tiere, die ja zum ganz besonderen Reiz der Tiere beiträgt. Die Stellung kann man einem Kaninchen nicht, wie so mancher der Altvorderen uns mit seinen Ergüssen in der Fachliteratur glauben machen wollte, durch Dressur beibiegen, die Fähigkeit der Tiere, sich zu stellen, ist rein erblich. Stellung sollte daher auch von allen eingesetzten Zuchttieren erwartet werden. Die Felle verdienen besonderes Augenmerk. Kurze und griffige Felle sind in aller Regel intensiver pigmentiert als lange Felle. Eine gleichmäßige und kräftige Begrannung gibt dem Fell einen intensiven Glanz und trägt damit ebenfalls zu besserer Farbwiedergabe bei. Felllänge, -dichte und -struktur werden nur durch einige wenige Gene vererbt und lassen sich mit entsprechender Zuchttierauswahl bereits nach wenigen Generationen auf sehr hohem Niveau festigen. Züchter, die bei der Zuchtauswahl den Gesichtspunkt Fell vernachlässigen, verschenken wertvolle Punkte, vorausgesetzt allerdings, dass die Felle sorgfältig bewertet werden. Ein wichtiger Aspekt, der bei der Selektion ebenfalls Gegenstand von Überlegungen sein sollte, ist die Dauer der Haarung. Schnellhaarer sollten bevorzugt werden, denn was nützt uns das beste Fell, wenn sein Träger laufend in Haarung ist. Neben der allgemeinen genetischen Konzeption hängt das Haarungsverhalten der Kaninchen zwar auch von Klima, Fütterung und Haltung der Kaninchen ab, jedoch sind diese Parameter in aller Regel bei einem Züchter gleich, so dass man schon davon ausgehen kann, dass die Unterschiede hier genetisch begründet sind und sich als Selektionsmerkmal eignen.

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    Gute Wirtschaftlichkeit

    Eine sehr wirtschaftliche Ausrichtung der Zucht ist die den Schlanktyprassen an sich schon gegeben. Die Vitalität und die Robustheit der Burgunder garantieren, dass die Züchter eine genügend große Selektionsbasis zur Verfügung haben, aus der sie ihre künftigen Zucht- und Ausstellungskaninchen rekrutieren können, und somit auch einen kontinuierlichen Zuchtfortschritt. Treten bei einzelnen Tieren jedoch Gesundheits- oder Wirtschaftlichkeitsprobleme auf, so sollten diese - samt ihrer Nachzucht - nicht mehr zur Zucht verwendet werden. Auch die Fruchtbarkeit und das Leistungsverhalten sowie die Anfälligkeit für Infektionen sind teilweise vererblich und eine Zuchtverwendung dieser Tiere kann fatale Folgen für die Leistungsfähigkeit des gesamten Stammes haben.

    Die Haltung

    Als lebhafte mittelgroße Kaninchenrasse sind die Burgunder natürlich auch besonders dankbar für große luftige Ställe, in denen sie sich ausgiebig bewegen können. Optimal sind natürlich Doppelbuchten, bei denen man einen Teil der Trennwand zum Überspringen als Hürden stehen lässt. Diese Aktivitäten der Tiere helfen mit dazu beizutragen, dass sich ein korrektes Skelett mit kräftigen Gelenken und eine gute Bemuskelung am Tier bildet. Weiterhin trägt die Bewegung zur etwas stärkeren Ausbildung des Brustkorbes bei. Fütterungsfehler sind bei den Burgundern, die aufgrund der relativ größeren Körperoberfläche und des stärkeren Bewegungsdranges auch eine weniger positive Futterverwertung haben, weniger fatal in der Wirkung. Dennoch sollte man auch hier die Tiere weder überfüttern noch hungern lassen. Eine Fütterung ist dann angemessen und richtig, wenn die Kaninchen kontinuierlich wachsen, ohne jedoch dabei zu verfetten. Burgunder sind im allgemeinen recht frohwüchsig und erreichen, wenn sie aus einem guten Stamm kommen und angemessen gefüttert werden, die Grenze zum Normalgewicht mit sechs bis sieben Monaten. In diesem Alter sind die Tiere dann in aller Regel auch in der Fellblüte. Deshalb lohnt es sich bei entsprechenden Haltungsmöglichkeiten für den Züchter immer, bereits bei der Planung der Würfe gezielt auf die einzelnen Schauen hinzuarbeiten. Bei einer so frohwüchsigen Kaninchenrasse wie den Burgundern sollte man dabei auch weitestgehend, nicht nur aus Gründen der Kostenersparnis, auf Winterzucht verzichten. Im Winter geborene Tiere werden nie so vital wie solche, die aus gleicher Verbindung im Frühjahr geboren sind. Das liegt daran, dass die Häsin bei kalten Temperaturen einen viel größeren Anteil des Futters für die Aufrechterhaltung ihrer eigenen Körpertemperatur benötigt und daher weniger Milch produzieren kann als im milden Frühjahr. Das Defizit an Milch, können die Jungtiere auch später kaum kompensieren.

    Persönliche Bemerkung

    Unsere Burgunder sind leider nicht so verbreitet und auf Schauen recht selten anzutreffen. Nach meinen Beobachtungen bei Zuchtfreunden treten vermehrt Farbfehler mit zu hellen Flanken auf. Auch das Einkreuzen von Roten Neuseeländern in die Burgunderlinien halte ich für einen großen Fehler. Auf der Bundesschau saßen meines Erachtens jede Menge Rotburgunder . Anscheinend wird dies vom Verband und den Preisrichtern geduldet. Auch das Thema Ohren bei den Burgundern scheint ein Problem zu sein. Bei Bewertungen werden die Ohren der Burgunder als zu groß mit Punktabzug geahnt, dabei sind doch auch die langen Ohren ein Rassemerkmal der Burgunder. Eventuell kann ja Kai hierzu noch was anmerken. Bei der Fortpflanzung sind die Burgunder sehr freudig. Würfe mit über 10 Jungtieren sind keine Seltenheit. Auch das Wachstumsverhalten der Jungtiere ist sehr zufriedenstellend und problemlos.

    Erbbiologische Betrachtung:

    Ob die Deckfarbe als gelbrot im warmen Ton oder wie in früherer Zeit fahlrot bezeichnet wird, ist nicht Sache all der Züchter, die sich dieser wunderschönen Rasse verschrieben haben. Der Erfindergeist zur Deutung von Farbnamen mag noch so manche Neuigkeit verkünden, die hoffentlich nicht mit Neuerungen zum eigentlichen Farbbild (röter, dunkler, heller o. ä.) einhergehen werden. Wichtig ist zu wissen, es handelt sich zwar um eine gelbwildfarbige Rasse, bei der aber eine genotypische Modifikation (Abwandlung/Veränderung des Phänotyps) durch die Wirkungsweise des so genannten Rotverstärkerfaktors y zu einer bestimmte Rotnuance geführt hat. Bei gleicher Erbanlage, wie sie theoretisch den Roten Neuseeländern zugeordnet wird, unterscheiden sich beide Rassen generell farblich durch den Wirkungsgrad besser gesagt durch die unterschiedliche Anhäufung des Modifikations-Gens y.
    Sehr schön unterscheidet der Tschechische Standard diese Rotvarianten, indem dort die Erbformel für die Burgunder eine Rotverstärkung y1y1 und für Rote Neuseeländer y2y2 versehen ist, um den Farbunterschied wenigstens theoretisch zu unterstreichen. Praktisch und vom bloßen Ansehen her ist kein Züchter in der Lage zu sagen, wie viele kleine Ypsilons denn da wirklich im Spiel sind. Aber wir erkennen den Unterschied beider Rassen, nämlich Burgunder = gelbrot im warmen Ton und RN = sattrot, erhalten bleibt, darf der Burgunder-Züchter nicht nach dem sattroten Vergleich schielen. Das Einkreuzen der sattroten Rasse, die rein gar nichts mit dem Burgunderkaninchen zutun hat, bringt Krieg in die farbbezogene Erbbiologie , der dann einen Trümmerhaufen einer Zucht hinterlässt. Folgen solcher Kreuzungen können beispielsweise sein: Fleckigkeit der Decke, evtl. Farbfehler, wie beispielsweise die gefürchtete Rußbildung, das Hellerwerden der Seiten, Bindenbildung. Ganz einfach deshalb, weil aus unterschiedlichen Populationen stammende Tiere zusammengeführt werden, deren Fehlerquote zwar in den Einzelzuchten in die äußerste Latenz (Verborgenheit, unbemerktes Vorhandensein) verdrängt wurde, aber bei einer neuen Mischung von Anlagen , diese schlummernden Merkmale einen neuen Einfluss gewinnen können.

    Weitere Kreuzungsauswirkungen

    Die Burgunder haben, wie bereits anfangs gut erklärt, ihre ganz eigene Rassespezifik. Noch sind sie frei von Forderungen nach dem Kastentyp mit den unterschiedlichen Auslegungen einer Gedrungenheit. Wie bereits in der Beschreibung oben mehrfach vermerkt, ist es eine der wenigen leicht gestreckten Rassen, die wir in Deutschland züchten.
    Eine Ohrenlänge von etwa 11,5 bis 13,0 Zentimetern dürfte als das Ideal gelten und zur gestreckten Körperform/-länge sowie zu dem besonderen Typ der Rasse passen. Ohne in die Kompetenz des Preisrichters Kai einzugreifen, sei angemerkt: Ein Ohr passt immer dann zum Kopf, wenn es genauso lang ist wie der Abstand von der Nasenspitze bis zum Ohrenansatz. Nun muss nur noch der Kopf in einem guten proportionalen Verhältnis zum Körper stehen, dann ist das etwaige Maß von 11,5 bis 13,0 Zentimeter in jeder Weise gerechtfertigt. Mixen wir nun diese leicht gestreckte Rasse mit dem plumperen Typ der RN, kann es in der Nachzucht dazu führen, dass Proportionen verschoben werden, und die für die Gestrecktheit bezeichnende, gehobene Bauchlinie verschwindet. Wir ernten dann ein fahlrotes Etwas, das weder dem Schlanktyp noch dem gedrungenen RN entspricht. Das ist Rassevernichtung pur, abgesehen von dem nicht sichtbar werdenden Gen-Mix, der da latent (verborgen) weitergetragen wird! Oder einmal ganz leger gesagt: Aus einem guten, alten Burgunder wird ein gepanschter, namenloser Rotwein .

    ;(c) Heidrun Eknigk

    Preisrichterliche Betrachtung

    Dieser Beitrag ist so gut geschrieben, dass ich ihm am liebsten nicht zufügen möchte und mich persönlich nichts hinzufügen kann. Den Hinweisen auf Körperform, Fell ,Farbe und Unterfarbe kann ich mich voll und ganz anschließen. Die Ausführungen zum Kopf kann ich zwar sehr gut nachvollziehen, sind aber mit dem noch gültigen Standard in der Praxis schwer umzusetzen.
    Im Standart steht für die Kopfform fast der selbe Satz für Burgunder und Blaue Wiener. In meinen Augen haben diese Forderungen zur Folge, dass in der Bewertung im Kopf eher ein Wienerkopf, der heutzutage auch meistens etwas kürzer ist, als ein kleiner Riesenkopf den Vorzug gewährt wird. Ich hoffe, dass im neuen Standart eine andere Beschreibung erfolgt. Ich kann zwar den Wunsch auf eine rigorose Bewertung verstehen, aber die Wünsche der Züchter decken sich leider nicht mit den Standardforderungen und geben den Preisrichtern in diesem Fall nicht die Möglichkeit zu reagieren.

    Wir bedanken uns bei Volkmar Pohl für diesen Bericht und Franz Bader für die Fotos. Weiterer Dank gilt Tatjana Ruthmann, Kai Sander,Heiko Semmel und Siegfried Lübbert für Ihre Mitarbeit. Das Copyright liegt bei den jeweiligen Verfassern und beim Rassekaninchenzuchtforum e.V. Die Rechte der Grafiken liegen bei http://www.rkz-forum.com. Weitere Ergänzungen, Meinungen und Bilder zum Rassebericht bitte an webmaster@rkz-forum.com.de. Wir weisen nochmals ausdrücklich darauf hin, das die Bilder, Texte und Grafiken bestimmten Rechten unterliegen, und das wir Copyrightverletzungen strafrechtlich verfolgen lassen werden.

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    Rasse des Monats:

    Jamora

    Erstellt von Jutta Grünwad

    Als Herauszüchter der attraktiven Rasse „Jamora, harlekinfarbig“ gehen federführend der Tierarzt Dr. Bernhard Thimm Bernhard_Thimm@yahoo.de und dessen Freunde, die sich für das kleine Wollknäuel begeistern konnten, in die Geschichte der Rassekaninchenzucht ein. Die Kreativität des Herauszüchters und das gewonnene Rassetier unterstreichen den Spaß, die Liebe zum Tier und nicht zuletzt den Sinn für Schönheit und Verspieltheit. Das Anliegen der Herauszüchter bestand darin, ein kleinrahmiges, verspieltes und buntes Kaninchen zu züchten. Unverkennbar ist das Ziel der Schaffung einer trihybriden Spielrasse erreicht. Sie sollte klein, aber nicht zwergenhaft sein und ein buntgezeichnetes Angorahaar tragen. Nur selten ist anhand des Exterieurs noch erkennbar, welche Rassen bei der Erzüchtung unserer anerkannten Kombinationsrassen verwendet wurden. Ganz im Gegenteil dazu zeigen die Jamora, welchen Ausgangsrassen sie entstammen. Es waren Japaner, Hermelin und Angorakaninchen. Geschickt und geschmackvoll wurden die Merkmale - Größe des Zwergkaninchens, die Angora-Wollstruktur ohne die standardisierten Schmuckmerkmale der A sowie die Vielgestaltigkeit der Farbvarianten des Japanerkaninchens - vereint. Nach zielstrebigen Verpaarungen fielen 1985 die ersten Zuchtergebnisse im gewünschten Erscheinungsbild Jamora. Bis zu dem Zeitpunkt vergingen immerhin fünf Jahre! Danach hieß es dann, die neue Rasse in ihrer Reinerbigkeit zu festigen. Nochmals gingen neun lange Jahre ins Land, bevor die Anerkennung der kleinen Rasse erfolgte.
    Die Erbformel der Jamora lautet AbjCDgv/AbjCDgv. Die Rasse ist nicht spalterbig wie die Schecken und die Marder, dennoch kommt es in der Vererbung der Japanerfarbe und -zeichnung zu sehr starker Streuung. Das ist ein sicheres Zeichen dafür, dass eine gewisse Anzahl von Modifikationsgenen am Zustandekommen der Zeichnung - besser gesagt an der Bildung gelber und schwarzer Farbflächen - beteiligt ist. Das Idealgewicht beträgt über 2,0 kg, die Höchstgrenze ist auf 2,5 kg festgesetzt. Die Körperform ist gedrungen, walzenförmig, der Kopf ist breit und kräftig. Die Behaarung ist 5 – 6 cm lang, wobei die Haarlänge bei der Bewertung zu schätzen ist. Das Unterwollhaar ist dicht und in der Struktur kurzgewellt. Die verhältnismäßig feine Granne dient wie bei Angora als Stütze des gesamten Haares und zur Vermeidung der Filzbildung. Kopf und Ohren bleiben normal behaart.
    Interessant ist die geforderte Farbverteilung Schwarz und Gelb analog der Japanerkaninchen. Auf Grund des längeren Haares wirken die Farben heller und die Farbfelder sind durch das lange Fell nicht so scharf von einander abgegrenzt. Als Ideal bei der Kopfzeichnung gilt über Kreuz gezeichnete Kopfseiten zu den Ohren. Auf dem Rumpf müssen je Seite mindestens 2 schwarze Farbfelder vorhanden sein, die ringförmig oder versetzt den Rumpf abdecken, die Brust und die Vorderläufe sollen in Idealfall auch überkreuz die Farbfelder wechseln, passend zu Kopf und Ohren.

    Farbenzwerge luxfarbigFarbenzwerge luxfarbig

    Jamora auf ersten Ausstellungen

    Zum ersten Mal standen Jamora auf der 19. Bundeskaninchenschau 1990 in Stuttgart. Dort hatten drei Züchter, der Tierarzt Dr. Bernhard Thimm aus Dornstadt, die Züchterin Barbara Bauerschmidt und der Züchter Johann Held, beide aus Blaustein bei Ulm, 18 Jamora von sehr unterschiedlicher Qualität ausgestellt. Von manch einem Besucher hörte man abfällige Bemerkungen. Doch die Züchter blieben bei ihrem Vorhaben, sie wollten ihre kleine, langhaarige Rasse schaffen, die durch ihr äußeres Erscheinungsbild auffällt. Und was gut ist, setzt sich durch: 1991 standen in Nürnberg auf der 20. Bundesschau bereits 25 Tiere von fünf Züchtern, 2003 präsentierten sieben Züchter auf der 21. Bundesschau in Kassel 37 Jamora. In Anbetracht dieser rasanten Entwicklung beschloss die Standartkommission des ZDK 1994 die Anerkennung dieser liebenswerten, langhaarigen Rasse. Es hatte sich also für die Herauszüchter um DR. Thimm gelohnt, so beharrlich um die Anerkennung zu ringen.

    Anmerkungen unseres Forummitglieds Jutta

    Durch Zufall entdeckte ich im Internet die Kaninchenrasse „Jamora, harlekinfarbig“. Irgendwie war ich sofort begeistert von dieser Kaninchenrasse. Ich setzte mich gleich mit der bekannten Jamora-Züchterin Hedwig Riebe aus Jülich in Verbindung, um mehr über diese schönen Kaninchen zu erfahren. Freundlich beantwortete sie mir alle Fragen und lud mich zu dem Gründungstreffen der „IG Jamora harlekin“ ein.

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    http://hoppelhue.de
    http://mitglied.lycos.de/oriane/jamora/jamora.htm
    http://www.jamora-kaninchen.de
    http://medlem.spray.se/kaninavel/photoalbum.html

    Persönliche Bemerkungen:

    Jamora sind sehr liebe, schmusige, ruhige Kaninchen. Es gibt aber auch Angsthasen, die man mit viel Zuwendung und Geduld zahm bekommt. Die Pflege der Jamora ist recht einfach, wichtig ist eine ausreichend große Bucht. Meine Tiere sind sehr sauber, benutzen regelmäßig nur ihre Kotecke. So brauche ich keine Roste, sondern halte sie auf Stroh, unter dem Späne eingestreut sind. Das Fell hat eine durchschnittlich gute Begrannung, daher verfilzt es kaum. Gelegentliches Bürsten/Kämmen reicht bei den Alttieren. Die Pflege des Fells bei Jungtieren ist etwas aufwändiger. Die feine Wolle wird noch nicht durch eine gleichmäßige Begrannung gestützt und sollte deshalb regelmäßig gebürstet werden. Man sollte dem Tier den ersten Fellwechsel erleichtern durch leichtes Zupfen, Kämmen oder Scheren.
    Je mehr Auslauf die Tiere bekommen, um so besser entwickeln sie sich. Bei nassem Matschwetter lasse ich sie allerdings nicht nach draußen, da das lange Fell doch schnell verschmutzt. Obwohl sich das Fell nach dem Trocknen leicht reinigen und kämmen lässt, so konnte ich beobachten, dass die Tiere sich mit nassem, klebrigem Fell nicht wohl fühlen. Ansonsten sind es Kaninchen wie alle anderen auch und benötigen entsprechende Pflege und Fütterung.

    Sonstiges:

    Durch die sehr begrenzte Züchteranzahl und die begrenzte Tier Anzahl ist es schwierig an Zuchttiere zu kommen die nicht irgendwie verwandt sind. Auch sind die Tiere meist noch fehlerhaft an Form und Farbe. Also, nicht so sehr für Preiszüchter geeignet, eher für Züchter, die ein Interesse an der weiteren Verbesserung dieser Rasse haben und sich ihr mit Geduld und Zeit widmen. Auch braucht man genügend Ehrgeiz und Selbstbewusstsein, um sich gegen die negativen Einwände anderer Züchter zu behaupten.

    Wir bedanken uns bei Jutta Grünwad für diesen Bericht und die Fotos. Weiterer Dank gilt Tatjana Ruthmann, Kai Sander,Heiko Semmel und Siegfried Lübbert für Ihre Mitarbeit. Das Copyright liegt bei den jeweiligen Verfassern und beim Rassekaninchenzuchtforum e.V. Die Rechte der Grafiken liegen bei http://www.rkz-forum.com. Weitere Ergänzungen, Meinungen und Bilder zum Rassebericht bitte an webmaster@rkz-forum.com.de. Wir weisen nochmals ausdrücklich darauf hin, das die Bilder, Texte und Grafiken bestimmten Rechten unterliegen, und das wir Copyrightverletzungen strafrechtlich verfolgen lassen werden.

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